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Ein Begriff geht um

Alle warten aufs Robert Koch-Institut: Warum Südbaden erstmal kein Corona-Risikogebiet wird

Am Mittwochmorgen hat das Robert-Koch-Institut (RKI) das Elsass zum Corona-Risikogebiet erklärt. Nun wird darüber spekuliert, ob auch Südbaden entsprechend deklariert werden könnte: Der Landrat des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald hatte im SWR entsprechende Gedanken geäußert. Nun ist eine ganze Region mit widersprüchlichen Informationen konfrontiert. Welche Entscheidung wird das RKI fällen?

Coronavirus Klinikum Mittelbaden, Krankenhaus Rastatt Foto: Siebnich

Tatsächlich ist es aktuell so, dass niemand nichts Genaues weiß. Weil Südbaden und das Elsass vielfältige Beziehungen zueinander unterhalten, hatte Martin Barth, der erste Landesbeamte des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald und Leiter des Krisenstabs Südbaden, im SWR geäußert, die Region könne zum Risikogebiet erklärt werden.

Ein Pressesprecher des Landkreises sagte indes im Gespräch mit unserer Redaktion, dass diese Aussage alles und nichts bedeuten könne. "Es ist klar, dass, wenn wir uns die Entwicklungen im Elsass ansehen , die Möglichkeit realistisch ist, dass auch Südbaden zum Risikogebiet erklärt werden könnte", sagte der Sprecher. Die Entscheidung darüber falle allerdings beim RKI in Berlin.

"Tatsächlich können wir auch keine präzisen Aussagen für die gesamte Region tätigen, sondern nur für den Kreis Breisgau-Hochschwarzwald", führte der Sprecher aus. Dort habe es mit Stand vom Mittwochmorgen 13 gemeldete Fälle einer Corona-Infektion gegeben.

Was würde "Südbaden" eigentlich bedeuten?

Im Elsass war die Zahl der Infizierten zuletzt binnen weniger Tage auf über hundert angestiegen. Als Infektionsherd gilt derzeit offenbar eine freikirchliche Veranstaltung in Mulhouse, die von Franzosen, Schweizern und von Deutschen besucht worden sein soll.

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Unklar bleibt indes, welchen Zuschnitt ein Risikogebiet auf der deutschen Rheinseite haben könnte. Der Begriff "Südbaden" dürfte wahrscheinlich den gleichnamigen Regierungsbezirk mit Sitz in Freiburg bezeichnen.

Beim Regierungspräsidium ist allerdings keine Gesundheitsbehörde angesiedelt. Insofern gebe es dort auch keinen Austausch mit dem Robert-Koch-Institut, erklärt eine Sprecherin und verweist auf das baden-württembergische Gesundheitsministerium.

Von dort gibt es widersprüchliche Informationen: Gesundheitsminister Manne Lucha hatte am Nachmittag erklärt, Südbaden würde nicht zum Risikogebiet erklärt. Der Ursprung für die stark zunehmende Zahl der Infektionen liege schließlich in Frankreich.

Das RKI entscheidet - oder auch nicht

Ebenfalls am Nachmittag teilte eine Sprecherin des Ministeriums allerdings mit, dass die entsprechende Entscheidung beim Robert-Koch-Institut fallen müsse. "Wir wissen aktuell nicht, welche Entscheidungen dort anstehen und warten selbst auf entsprechende Meldungen."

Beim Robert-Koch-Institut selbst verweist man darauf, dass es bislang keine entsprechende Entscheidung gebe. Würde sich das ändern, würde die Information entsprechend öffentlich gemacht.

Bislang gibt es in Deutschland keine vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiete. Ein Risikogebiet muss verschiedene Kriterien aufweisen. Dazu zählen etwa die fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch, eine hohe Dynamik der gemeldeten Fallzahlen und drastische behördliche Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Also etwa die Quarantäne ganzer Ortschaften und Gebiete.

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Um Risikogebiet zu werden, müssten also kommunale Behörden zunächst selbst tiefgreifende Maßnahmen anordnen.

Per RKI-Definition gelten derzeit Italien und Iran als Risikogebiet, Provinzen in China und Südkorea und die Region Grand Est in Frankreich, zu deren Bestandteilen auch das Elsass gehört. In Deutschland gilt derzeit der rheinländische Landkreis Heinsberg als "besonders betroffenes Gebiet". Die derzeit letzte Anpassung der Risikobewertung für Deutschland stammt vom 9. März.

Werden in Deutschland überhaupt Risikogebiete ausgewiesen?

Unklar ist, ob das RKI in Deutschland überhaupt ein Risikogebiet ausweisen würde. "Stand jetzt bezeichnen wir mit dem Begriff vor allem Gebiete im Ausland, um Rückkehrern von dort für entsprechende Verhaltensmaßnahmen zu sensibilisieren und anzuhalten, weil die Gefahr einer Infektion hoch ist", erklärte eine Sprecherin des RKI am Mittwochnachmittag.

Eine Anwendung dieses Begriffes auf Gebiete in Deutschland erscheine zum aktuellen Zeitpunkt wenig sinnvoll - schließlich ergebe sich daraus für die betroffenen Regionen letztlich keine neue Lage.

Während also die Behörden und Kommunen in Südbaden und das baden-württembergische Gesundheitministerium darauf warten, ob das Robert-Koch-Institut die Region zu einem Risiko-Gebiet ernennt, wartet das Robert-Koch-Institut auf eine Reaktion der Behörden vor Ort, um die Tragweite der Entwicklungen zu erfassen. Und Südbaden dann möglicherweise ganz oder teilsweise als "besonders betroffenes Gebiet" zu deklarieren.

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