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Filmtour mit Fahrrad

Für Oscar-Gewinner Joaquin Phoenix mussten Autos in Karlsruhe umparken

Eine Fahrradtour zu Drehorten von bekannten Fernseh- und Kinoproduktionen ist das neue Projekt des Filmboard Karlsruhe. „In Karlsruhe wurden viele bekannte Filme gedreht“, sagt Filmboard-Geschäftsführer Oliver Langewitz.

Marianne Faithfull bei den Dreharbeiten zum Film "Nackt unter Leder" Foto: Stadtarchiv

Auf einer schweren Harley Davidson Electra Glide fährt die abenteuerlustige Rebecca vom Elsass über Karlsruhe zu ihrem Liebhaber Daniel nach Heidelberg. Unter ihrer eng anliegenden schwarzen Lederkombi trägt die zierliche Langhaarige lediglich einen Nylonslip.

In den USA wurde der Film mit dem klingenden deutschen Titel „Nackt unter Leder“ unter anderem wegen dieses pikanten Details lediglich für Erwachsene freigegeben. In Karlsruhe waren die Dreharbeiten zu dem Film vor allem wegen den Hauptdarstellern Marianne Faithfull als frustrierter Ehefrau und Alain Delon als stürmischem Liebhaber eine echte Attraktion. „Rebeccas knatternder Sex“ titelten die BNN am 8. November 1967 beim Bericht über die Dreharbeiten mit Faithfull auf einem Motorrad-Dummi.

Und laut dem Bericht genoss die 120 PS starke Harley bei den männlichen Beobachtern der Szenerie vor dem Konzerthaus mindestens genauso viel Aufmerksamkeit wie die attraktive Sängerin in ihrem figurbetonten Lederkostüm.

"Glanz der großen Filmwelt schimmerte durch die Stadt"

„Da schimmerte der Glanz der großen Filmwelt durch die Straßen der Stadt“, sagt Oliver Langewitz mit einem Schmunzeln. Der Geschäftsführer des Filmboard Karlsruhe hat sich intensiv mit dem Filmstandort Fächerstadt beschäftigt und zur besseren Vermittlung von Drehorten an Produktionsteams auch das Label „Film in Karlsruhe“ aus der Taufe gehoben.

Neuestes Projekt von Langewitz ist die geführte Filmlocation-Fahrrad-Tour mit Stopps an den Drehorten von 14 nationalen und internationalen Produktionen. „Karlsruhe ist in der Branche zwar nicht so bekannt wie Hamburg oder Berlin. Trotzdem wurden hier schon sehr viele sehenswerte Filme gedreht“, betont Langewitz.

Fast noch interessanter als der Besuch der einzelnen Drehorte sind allerdings die zahlreichen Geschichten und Anekdoten zu den einzelnen Streifen. An Material mangelt es dem Filmexperten nicht, und deshalb hat Langewitz für die gesamte Tour vom Hauptbahnhof über Südstadt und Hirschbrücke bis in die Innenstadt trotz der überschaubaren Strecke drei Stunden Zeit eingeplant.

Im Schlosshotel residierten Loren und Lollobridgida

Der Hauptbahnhof ist für Langewitz nicht nur wegen der guten Verkehrsanbindung der ideale Startpunkt für die Entdeckungsreise durch die Karlsruher Kinogeschichte. Im Schlosshotel residierten während der Bambi-Verleihungen in den 1950er und 1960er Jahren schließlich internationale Stars wie Sophia Loren oder Gina Lollobridgida.

Außerdem wurden auf dem Bahnhofplatz Szenen des preisgekrönten Roadmovies „Vaya con dios“ mit Daniel Brühl als sinnsuchendem Mönch sowie mehrerer „Tatort“-Krimis gedreht. Obwohl nur drei „Tatort“-Folgen größtenteils in Karlsruhe spielen, dient die Fächerstadt regelmäßig als Kulisse für die Sonntagskrimis aus Ludwigshafen, Stuttgart oder Konstanz. „Das ist der räumlichen Nähe zum SWR-Standort in Baden-Baden geschuldet“, sagt Langewitz. Deshalb mussten Werderplatz oder Hirschbrücke schon öfters als Double für Ludwigshafen herhalten.

Wilde Verfolgungsjagd durch die Kaiserstraße

Dass Außenaufnahmen in anderen Städten gedreht werden, ist in der Filmbranche aber keine Besonderheit. Das macht Langewitz auch beim Filmtour-Stopp in der Kaiserstraße deutlich. In der Einkaufsstraße wurde 1992 die finale Verfolgungsjagd der Komödie „Allein unter Frauen“ mit Schauspieler Thomas Heinze in seiner Paraderolle als geläuterter Macho in einer Frauen-WG gedreht.

Ausgangspunkt der wilden Hatz ist zwar ein Pornokino in Frankfurt, doch schon nach dem ersten Schnitt beim Verlassen des Etablissements erkennen Karlsruhe-Kenner bekannte Geschäfte wie Musik Schlaile oder Apollo Optik. Die Filmaufnahmen wurden seinerzeit durch die großzügige Genehmigungserteilung von Seiten des Ordnungsamts möglich gemacht, so Langewitz.

Das ist seiner Erfahrung nach im schnelllebigen Filmgeschäft allerdings kein außergewöhnlicher Vorgang. Manchmal werden deshalb auch Filme, deren Handlung eigentlich in Karlsruhe spielt, in anderen Städten gedreht.

In dieser Karte gibt es alle Drehorte der Tour auf einen Blick:

Gerüst vor Schloss verhinderte Filmdreh in Karlsruhe

Ein fast schon traumatisches Erlebnis hatte Langewitz bei den Vorbereitungen für eine Außenszene des Fernsehfilms über Clara Immerwahr vor dem Karlsruher Schloss. „Wir hatten schon sämtliche Genehmigungen in der Tasche. Dann las ich in der Zeitung, dass um das Schloss wegen einer Renovierung zum 300. Stadtgeburtstag ein Gerüst aufgebaut wird“, erinnert sich der Filmboard-Chef.

Alles Bitten und Flehen half nichts. Wegen des engen Terminplans konnten die Bauarbeiten noch nicht einmal um eine Woche nach hinten verschoben werden. Am Ende gibt es in einem Film über die erste Frau, die in der Fächerstadt im Fach Chemie promovierte, keine einzige Szene, die in Karlsruhe gedreht wurde. Ähnlich verfuhren die Macher des Films über Kaspar Hauser mit André Eisenmann in der Rolle des mythenumrankten Findelkinds.

Weil das Barockschluss seit dem Umbau zum Badischen Landesmuseum für Innenaufnahmen nicht mehr geeignet ist und dazu noch über keinen gepflasterten Innenhof verfügt, wurden die meisten Schlossszenen in anderen historischen Anlagen gedreht.

"Buffalo Soldiers" mit Oscar-Gewinner Joaquin Phoenix wurde in Karlsruhe gedreht

Dabei ist den Filmschaffenden für eine gute Szene eigentlich kein Aufwand zu groß. Für die Produktion des Films „Buffalo Soldiers“, der in Deutschland unter dem Titel „Army go home!“ in die Kinos kam, mussten für einen Drehtag sämtliche Autos in der Marienstraße vor der Schauburg umgeparkt werden. „Da sollte die Einbahnstraße für einen Dreh mit Joaquin Phoenix andersrum verlaufen“, nennt Langewitz den Grund für diese Maßnahme.

Seit seiner Kindheit ist Joaquin Phoenix Veganer. Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

Die Handlung des Films über den Abzug gelangweilter amerikanischer Streitkräfte spielt übrigens in Stuttgart. Gedreht wurde allerdings vor allem im Paul-Revere-Village in der Karlsruher Nordstadt.

Für Regisseurin Maren Ade war ihr Geburts- und Drehort Karlsruhe sogar das Sprungbrett für eine internationale Karriere, die mit dem preisgekrönten Werk „Toni Erdmann“ im Jahr 2016 den bisherigen Höhepunkt fand. Einige Außenaufnahmen für Ades Debütfilm, das Sozialdrama „Der Wald vor lauter Bäumen“ über die psychischen Probleme der von der heutigen Tatort-Kommissarin Eva Löbau gespielten Junglehrerin Melanie Pröschle wurden in Karlsruhe gedreht.

Die Kaiserpassage gehört deshalb ebenso zur Tour wie das Staatstheater, wo Szenen für die Fernsehserie „Labaule und Erben“ aufgenommen wurden.

Schmider-Villa ist beliebte Filmkulisse

„Eigentlich hätte ich Material für einen ganzen Tag“, sagt Filmemacher Langewitz und lacht. Ein Gewerbegebiet in Hagsfeld, wo eine Szene des Films „In den Gängen“ entstand, wird bei der Tour ebenso ausgespart wie die Tulla-Realschule.

Die war 2009 Kulisse für eine Außenszene des Films „U.F.O.“ über eine psychisch kranke Frau in den 1980er Jahren. Der Grund: Weil die Rintheimer Lehranstalt seit vielen Jahren nicht saniert wurde, konnte das typische Flair jener Zeit ohne großen Aufwand mit der Kamera eingefangen werden.

Fast schon eine eigene Tour wert ist nach Langewitz’ Einschätzung ein Rundgang durch die ehemalige Schmider-Villa beim Durlacher Turmberg. Dort wurden nicht nur Szenen von „Big Manni“ , dem Fernseh-Film über Aufstieg und Fall des Flowtex-Gründers Manfred Schmiders gedreht, sondern auch zahlreiche Szenen von „Die Moral der Ruth Halbfass“.

Regie führte bei den Dreharbeiten im Jahr 1970 Volker Schlöndorff, die Hauptrolle spielte Senta Berger. Vom Glanz der ganz großen Namen ist dort mittlerweile aber nichts mehr zu spüren. Laut Langewitz dient die Villa demnächst als Kulisse für eine Reality-Soap des Fernsehsenders RTL 2.

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