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Auf dem Weg zur Frau

Kim Kuntz ist transsexuell: "Ich werde es nicht vermissen, ein Mann zu sein"

Für Kim Kuntz war schon früh klar, dass sie anders ist: Die heute 26-Jährige ist transsexuell. Zur Welt kam sie als Kim Nico Kuntz, heute tritt sie nur noch als Kim Kuntz auf – und als Frau. Im Gespräch mit Christel Manzey spricht sie darüber, welche Hürden sie auf ihrem Weg zum für sie richtigen Geschlecht überwinden muss und was sie sich für ihr Leben als Frau wünscht.

Im falschen Körper geboren: Kim Nico Kuntz kam als Junge zur Welt - wusste aber schon früh, dass sie eigentlich eine Frau sein will. Foto: jodo

Wann haben Sie das erste Mal gemerkt, dass Sie anders beziehungsweise kein Mann sind?

Kuntz: Das hat eigentlich schon im Kindesalter angefangen. Als kleiner Junge habe ich gern die High Heels meiner Mutter angezogen und mit Puppen gespielt. Auch im Badeanzug meiner Schwester habe ich mich wohler gefühlt als in Jungenkleidern. Als ich 14 wurde, wurde es immer schlimmer. Ich wollte auch als Mädchen in die Schule gehen. Als ich 17 war, habe ich zum ersten Mal Kim Petras im Fernsehen gesehen, eine bekannte Transsexuelle. Mit ihrer Geschichte habe ich mich sehr identifiziert – nicht nur, weil wir sogar den gleichen Vornamen haben. Da habe ich erkannt, dass ich transsexuell bin und mich im Internet weiter informiert.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Kuntz: Mein Vater hat gedacht, das wäre einfach eine Spinnerei von mir und konnte gar nicht damit umgehen. Er hat mich in meinem Wunsch auch nicht unterstützt. Auch mit meiner Mutter habe ich mittlerweile wenig Kontakt, auch wenn sie mich grundsätzlich unterstützt. Dabei würde ich mir wünschen, dass meine Mutter mich mal in Kleiderfragen berät. Mein bester Freund hat so seine Probleme damit, dass ich eine Frau werden will. Er kann auch noch nicht damit umgehen. Bei meinen Kollegen in der Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bin ich immer gleich als Frau aufgetreten.

Seit wann leben Sie nur noch als Kim Kuntz und nicht mehr als Mann?

Kuntz: Seit ungefähr zwei Jahren. Ich habe damals auch mein Facebook-Profil in das einer Frau umgewandelt und gehe seitdem nur noch als Frau vor die Tür. Davor habe ich draußen auch noch Männerkleider getragen. Aber es ist wichtig, dass man für sich selbst irgendwann definiert, welches Geschlecht man nach außen präsentiert. Das war auch der Rat meines Psychologen, der mir sehr geholfen hat. Man verdeutlicht damit auch, dass man es ernst meint. Am Anfang hat man aber natürlich noch Angst, wie die Leute reagieren. Meist trägt man die Frauenkleider ja nur zu Hause. Damit vor die Tür zu gehen, ist ein großer Schritt.

Durch die Hormontherapie geht die Körperbehaarung zurück,die Haut wird weicher. Auch die Brüste beginnen zu wachsen. Foto: jodo

Welche therapeutischen Maßnahmen waren und sind nötig für Sie, um aus Ihnen eine Frau zu machen?

Kuntz: In Baden-Württemberg muss man mindestens ein Jahr in psychologischer Behandlung sein, um mit der Hormonbehandlung beginnen zu können. Ich hatte anfangs große Schwierigkeiten, einen passenden Therapeuten zu finden. Erst als ich aus der Pfalz nach Karlsruhe gezogen bin, habe ich einen Therapieplatz bekommen, aber der Arzt war selbst noch sehr unerfahren und konnte mir nicht wirklich helfen. Nach knapp einem Jahr konnte ich zu einer Psychologin in Frankfurt wechseln, die mir die entsprechende Indikation dann bescheinigt hat. Seit drei Monaten nehme ich jetzt kontrasexuelle Hormone. Inzwischen geht meine Körperbehaarung zurück und meine Brüste fangen an zu wachsen. Auch meine Gesichtshaut ist weicher geworden. Zusätzlich wird mein Adamsapfel operativ entfernt, aber das wurde mir separat bewilligt. Schon vor der Behandlung habe ich immer versucht, meinen Kehlkopf reinzudrücken, um den Adamsapfel zu verstecken. Der hat mich schon immer extrem gestört. Am Ende folgt dann natürlich die geschlechtsangleichende Operation…

… bei der dann Ihre männlichen Sexualorgane entfernt werden?

Kuntz: Genau. Das ist quasi der letzte Schritt. Weitere Operationen wie beispielsweise eine Brustvergrößerung werden in der Regel von den Krankenkassen nicht übernommen, da es sich um rein kosmetische Operationen handelt. Meine Brüste wachsen durch die Hormone, aber wenn sie für mich zu klein sind, trage ich das gleiche Schicksal wie alle anderen Frauen. Glücklicherweise hatte ich noch nie eine besonders breite, männliche Statur. Für die Frauen war ich schon immer der „Lauch“, also nicht besonders attraktiv. Selbst als ich noch als Mann unterwegs war, habe ich oft gehört, dass ich etwas Feminines an mir hätte. Das hat mir immer gefallen – aber hat es von Anfang an mit den Frauen schwierig gemacht.

Haben Sie keine Angst vor der geschlechtsangleichenden Operation?

Kuntz: Doch, natürlich. Einerseits ist man in den engen Frauenkleidern unterwegs – vor allem in den engen Jeans – und ist froh, wenn „das Ding“ endlich ab ist. Andererseits hat man natürlich Angst, vor allem vor Komplikationen. Aber ich denke schon, dass ich es nicht vermissen werde, ein Mann zu sein – mit allem, was dazu gehört.

Hatten Sie jemals Zweifel, dass das der falsche Weg sein könnte?

Kuntz: Lassen Sie es mich so sagen: Man hat natürlich Bedenken, auch wenn man immer wusste, dass man als Frau glücklicher sein würde statt als Mann. Als Bisexuelle habe ich mich persönlich auch gefragt, was wohl wäre, wenn ich eine tolle Frau treffen würde, die aber nur mit einem Mann zusammen sein will. Aber das muss ich dann hinnehmen. Am Ende weiß ich, dass ich lieber eine Frau sein möchte und werde diesen Weg zu Ende gehen.

Was wünschen Sie sich für Ihr weiteres Leben als Frau?

Kuntz: Ich wollte schon immer irgendwann Kinder haben. Leider habe ich versäumt, vor Beginn der Hormonbehandlung Spermien einfrieren zu lassen. Jetzt kann ich keine Kinder mehr zeugen. Aber ich kann mir schon sehr gut vorstellen, als Fachinformatikerin zu arbeiten. Das ist zwar ein typischer Männerberuf, aber genau das finde ich eigentlich sehr cool. Daneben träume ich davon, Sängerin zu werden. Dazu muss ich aber erst meine Stimme trainieren, damit sie höher und weiblicher wird. Nebenbei habe ich auch angefangen, als Model zu arbeiten. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Auf der einen Seite liebe ich es, mich hübsch zu machen und schön anzuziehen, eben eine richtige Prinzessin. Auf der anderen Seite bin ich aber auch manchmal eine Draufgängerin.

Kim Kuntz liebt es, sich hübsch zu machen und schön anzuziehen. Die Transsexuelle träumt als Frau von einer Karriere als Model oder Sängerin. Foto: pr

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