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Studie: Gelungene Integration

Ausländeranteil in Karlsruhe wächst - Vision vom Willkommenshaus

In Karlsruhe gelingt die Integration von Zuwanderern offenbar gut, befindet eine Studie. Die Integrationsbeauftragte der Stadt sieht dennoch viel Verbesserungspotenzial. Zum Beispiel eine zentrale Anlaufstelle für ausländische Neubürger - ein Ankommenshaus.

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In Karlsruhe gelingt die Integration von Zuwanderern offenbar gut, befindet eine Studie. Die Integrationsbeauftragte der Stadt hat dennoch Ideen für Verbesserungen. Zum Beispiel eine zentrale Anlaufstelle für ausländische Neubürger - ein Willkommenshaus.

Experten stellen Karlsruhe ein gutes Zeugnis aus: Während die soziale Spaltung in deutschen Städten rasant zunimmt und mitunter Menschen mit Migrationshintergrund in einzelnen Quartieren quasi unter sich leben, stimmt hier die Durchmischung. Zu diesem Urteil kommt das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Schon bei einer Studie 2018 fiel Karlsruhe als Musterbeispiel auf und verbesserte sich bei einer erneuten Erhebung in diesem Sommer sogar noch etwas. Für die städtische Integrationsbeauftragte Meri Uhlig ist dies kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Sie hat viele Ideen, was man verbessern kann. Und sie ist sicher: Der Ausländeranteil in Karlsruhe – 28 Prozent der Bevölkerung haben aktuell einen Migrationshintergrund – wird weiter steigen, die Stadt noch bunter werden.

Unterstützung im Rathaus

Eine Vision Meri Uhligs ist mit „AniKa“ überschrieben. Es ist die Kurzversion von „Ankommen in Karlsruhe“. Ein Willkommenshaus schwebt ihr vor, in dem alle Kompetenzen gebündelt werden und neu Zugezogene alle für sie wichtigen Informationen bekommen. Im ersten Stock könnte die Anmeldung in der Stadt erledigt werden, in der zweiten Etage die Auskunft zu Sprachkursen erfolgen. „Alles aus einem Guss“, wünscht sich die Integrationsbeauftragte. Niemand soll von Pontius zu Pilatus rennen müssen.

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Meri Uhlig Ansatz lautet: „Wir sind eine weltoffene Stadt und bieten entsprechend gute Strukturen.“ Sie berichtet: Sowohl Sozialbürgermeister Martin Lenz als auch der für die Ausländerbehörde zuständige Bürgermeister Albert Käuflein unterstützen ihre Idee. Martin Lenz kann sich gut vorstellen, dass in Karlsruhe künftig das Integrationsklima gemessen wird. Das Amt für Stadtentwicklung erwäge, entsprechende Fragen bei der Bürgerumfrage aufzunehmen.

Soziale Durchmischung in Karlsruhe gelungen

Stadtteile, in denen nur Zugewanderte leben, finden sich in Karlsruhe keine. Einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg des Ausländeranteils und der sozialen Zusammensetzung der Stadtteile gibt es laut WZB in Karlsruhe nicht. Insgesamt ist der Stadt die soziale Durchmischung ein Anliegen: Darauf achte beispielsweise die Volkswohnung, erläutert Lenz. Und die Wohnraumakquise der Stadt – von der gerade der 2 000. Mieter profitierte – sorge auch dafür, dass quer durch die Stadt Unterkünfte für arme Menschen gefunden werden.

Meri Uhlig weiß, dass Menschen, die aus einem anderen Land, aus einer anderen Kultur zuziehen, oft erst mal den Kontakt zu ihrer Community suchen. Da können sie in ihrer Sprache reden, bekommen für sie relevante Informationen – und sei es ganz banal Antworten auf die Frage, wo man spezielle Lebensmittel kaufen kann.

Elterntreffs als Ort der Begegnung

Im Sinne der Integration gilt es, aus diesem engen Raum herauszukommen. „Integration lebt von Begegnung“, sagt Meri Uhlig. Um diese zu ermöglichen, schafft die Stadt mit vielen Partnern Räume. Das Büro für Integration fördert unter anderem zehn Elterntreffs in der Stadt.

Dort erhalten die Mütter und Väter beispielsweise Informationen über das deutsche Schulsystem. „Es ist in Europa zum Beispiel relativ einmalig, dass Eltern ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen müssen“, so Meri Uhlig. Das müsse man den Familien vermitteln.

Meri Uhlig beobachtet, dass die Zugewanderten das Angebot annehmen, dass sie zu den Treffs kommen. Gleichzeitig hörte sie zuletzt, dass afrikanische Frauen nicht erreicht werden. Früher sei das ähnlich gewesen bei Türken. Damals wurden eigene Angebote für diese Gruppe gemacht, die griffen und danach für alle geöffnet wurden. Nun starten Treffs für afrikanische Frauen. Auch die sollen keine Parallelgesellschaft etablieren, sondern Türen öffnen, so die Expertin.

Rumänen und Chinesen zieht es nach Karlsruhe

Meri Uhlig ist im ständigen Austausch mit verschiedenen Partnern wie der AWO oder dem Migrationsbeirat, um neue Entwicklungen im Blick zu haben und dann zu reagieren. Der Zuzug verändert sich. Aktuell stellen die Rumänen die größte Gruppe, 2018 wurden in Karlsruhe 1 174 Menschen dieser Herkunft neu registriert. Viele davon arbeiten auf dem Bau. Die Gruppe sei unauffällig.

In der Altersklasse unter 30 liegen die Chinesen vorne, 404 Neuankömmlinge waren es 2018. Viele von ihnen studieren in Karlsruhe. Auf Platz drei der Zuwanderung insgesamt liegt Italien (353) vor Kroatien (318) und Indien (269). Die Statistik sagt auch: 58 Prozent der Migranten sind unter 18. „Die erreichen wir über das Bildungssystem“, so Meri Uhlig.

Sprache ist da wichtig, an der vom Kindergarten über die Grund- bis zur weiterführenden Schule gearbeitet wird. „Wir wissen, dass sich soziale Segregation vor allem mit besserer Bildung vermeiden lässt“, sagt die Integrationsbeauftragte.

Viele Eltern wollen die Integration

Brauchen Eltern für das Gespräch mit dem Lehrer Unterstützung, können sie in Karlsruhe auf einen ehrenamtlichen Dolmetscherpool zurückgreifen. Meri Uhlig berichtet: „Wir stellen immer wieder fest, dass die Eltern unbedingt Integration wollen. Sie wollen, dass ihre Kinder Erfolg in der Schule haben.“

Und manchmal möchten Eltern selbst ihr Deutsch verbessern, stoßen aber auf Hindernisse: „Es gibt in Karlsruhe keine Kurse mit Kinderbetreuung, weil das für die Sprachkursträger ein sehr hoher bürokratischer Aufwand ist“, nennt Meri Uhlig ein Problem. Sie will es lösen. „Wir wollen diese Lücke schließen.“ Unterstützt vom Land will Karlsruhe als Kommune einsteigen. Ein Modellkurs ist geplant. Nun gelte es, einen Träger für dieses Angebot zu finden.

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