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Aus Konkurrenten entsteht Verbund

Badisches Zeitungs-Bündnis setzt Zeichen: BNN und BT schärfen ihr gemeinsames Profil

Der mittelbadische Zeitungsmarkt gerät kräftig in Bewegung. Durch den Zusammenschluss von BNN und BT können die Angebote für Online und Print weiter verbessert werden. Der Qualitätsjournalismus für die Region kann dadurch langfristig gesichert werden.

Der Verleger der BNN Klaus Michael Baur (zweiter von links), und die Verlegerin Xenia Richters vom BT präsentieren die Zeitungen des anderen Verlages. Flankiert werden sie von BT-Geschäftsführer Wolfgang Hoffarth (links) und dem Sprecher der BT-Gesellschafter Rolf Metzmaier (rechts). Foto: Ehrentrud Schatz

Es geht um Zukunft. Und um eine gemeinschaftliche Vision. Als BNN-Verleger Klaus Michael Baur und die Vertreter des Badischen Tagblatts das Zusammengehen ihrer zwei Traditionsverlage vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beider Häuser verkündeten und erklärten, dass künftig die Karlsruher Badendruck GmbH beim BT die Regie übernimmt, war die Resonanz groß.

Die Badischen Neusten Nachrichten und das Badische Tagblatt galten bisher als zwei um die Lesergunst wetteifernde Konkurrenten im mittelbadischen Raum.

Jetzt werden die Marken BNN und BT in einen Kooperationsgedanken eingebunden, die gemeinsame Sicht rückt ins Visier einer neuen Zeitungsstrategie.

Dass man in Baden-Baden bereit ist, die Karlsruher BNN im Endausbau des Anteile-Transfers zur hundertprozentigen Gesellschafterin zu machen, wird als großer Vertrauensakt gewertet.

„Wir haben in den BNN definitiv unseren besten Partner für die Zukunftsfähigkeit des Badischen Tagblatts gefunden“, sagt BT-Geschäftsführer Wolfgang Hoffarth. Zwischen ihm und dem BNN-Verleger seien engste Verbindungen entstanden.

Der Zusammenschluss ist die einzig sinnvolle Lösung.
Klaus Michael Baur, BNN-Verleger

Das bestätigt auch BNN-Chef Baur: „Wir haben entdeckt, dass wir die gleichen Sichtweisen haben und der Zusammenschluss in einem schwierigen Zeitungsmarkt die einzig sinnvolle Lösung ist“. Für Baur zählt das Bündnis beider Verlage zu den „konsequentesten Formen eines Zeitungs-Brückenschlags in den vergangenen Jahren“.

Als Glücksfall bezeichnete er es, dass die Partnerschaft zwischen BNN und BT just zum 75-jährigen Bestehen der Badischen Neuesten Nachrichten perfekt werde. Das BT blickt sogar auf eine über 200 Jahre alte Geschichte zurück. Natürlich sei der Transfer letztlich ein Erwerb und eine Übernahme des BT – aber man könne die Übereinkunft durchaus als „Entente cordiale“ bezeichnen.

Klares Zeichen in der Verlagswelt gesetzt

In der Verlagswelt werde derzeit viel über Kooperationen gesprochen und unzählige Ideen diskutiert, wie man sich gegenseitig in wirtschaftlich problematischen Zeiten helfen könne, doch die echten Handlungen und Taten hinkten diesen Betrachtungen hinterher. „Wir setzen hier ein klares Zeichen, dass wir verstanden haben“, hob Baur hervor, der auch im Vorstand des Verbandes Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) agiert.

Seit 1986 befindet sich das Stammhaus der BNN in Karlsruhe-Neureut. Foto: Tanja Mori Monteiro

Anzeigenverluste, Abonnementrückgänge, steigende Mindestlöhne, hohe Druck- und Vertriebskosten, Investitionen für die digitale Transformation – all das würde die Spielräume in den Verlagen enger und enger machen.

Der jetzige Weg garantiere sowohl den Badischen Neuesten Nachrichten als auch dem Badischen Tagblatt viel Sicherheit, weil die journalistischen Aufgaben genauso wie die Märkte im Zusammenschluss viel besser betrachtet werden könnten - Vorteile, die letztlich auch der Qualitätssteigerung dienten: „Wir werden als Team nur stärker“, unterstrich Baur.

Die Verbreitungsgebiete von BNN und BT. Foto: BNN

Auch BT-Verlegerin Xenia Richters sieht in den BNN mit ihrem Verleger Baur „den besten Partner, den sich die Baden-Badener vorstellen konnten – ein Traditionsunternehmen, besitzergeführt und in der Region fest verankert, mit großer Kompetenz, einem Verbreitungsgebiet von der Ortenau bis Bruchsal, von Karlsruhe bis Pforzheim, mit einem starken wirtschaftlichen Potenzial.

Der Verkauf der Anteile sichere dem BT Kontinuität für die gewachsenen Strukturen. „Wir reden nicht mehr von Konkurrenz, wir reden von einem sehr verbindlichen Miteinander“, begründete Xenia Richters, die jüngste der drei BT-Verlegerinnen, den Verkauf.

Der BT-Nachlass ist in Karlsruhe bestens aufgehoben.
Xenia Richters, BT-Verlegerin

Keine anonyme Aktien- bzw. Mediengesellschaft übernehme das Ruder, sondern der „Nachbar“, der wisse, welches Lese- und Informationsverhalten die Menschen in Mittelbaden an den Tag legen. Der BT-Nachlass sei in Karlsruhe schon deswegen bestens aufgehoben, weil die BNN in die gemeinnützige Wilhelm-Baur-Stiftung eingebettet sind.

Erfreut zeigte sich die BT-Verlegerin darüber, dass BNN-Chef Baur versichert habe, der langen Tradition und Geschichte der BT-Gründer verpflichtet zu sein. Klaus Michael Baur zollte der Inhaber-Familie des BT höchsten Respekt. Der Name Hambruch werde immer mit dem Badischen Tagblatt verbunden sein und der Geist der Verlegerinnen Eva Ertl, Yvonne Hambruch-Piesker und Xenia Richters werde stets spürbar bleiben.

Großes Engagement in die Modernisierung der Verlage

Beide Häuser haben in den zurückliegenden Jahren ein großes Engagement in ihre Modernisierung gelegt. Bei den BNN rückte nach 2015 mit Macht die Digitalisierung – und damit die Ausweitung des journalistischen Portfolios – in den Blickpunkt.

Ausbau der Redaktion mit einem effizienten Editoren-Autoren-Modell, moderner Newsroom, neues Redaktionssystem – diese dynamische Kette dient sowohl der Tageszeitung (mit dem ePaper) als auch dem Online-Journalismus: ob im neuen BNN-Newsportal oder im Bezahlangebot BNN+.

Nach 2015 läuteten die BNN auch eine Offensive in ihren Geschäftsstellen ein. In der Technik wurde die Rotation (Baujahr 2012) in den Folgejahren durch eine hochmoderne Plattenproduktion ergänzt. Im Karlsruher Verlagsgebäude setzt zudem eine Medienfabrik Akzente, in der moderne Formen der Werbetechnik auf Folien, Bannern oder Textilien, aber auch die Möglichkeiten einer textverarbeitenden Agentur verwirklicht werden.

Das neue Verwaltungsgebäude des BT nahm 2020 den Betrieb im Gewerbegebiet Baden-Oos auf. Foto: Thomas Roth

Bei der Unternehmensgruppe Badisches Tagblatt, zu der auch die Vertriebsgesellschaft TOP-Presse-Service und das Badische Druckhaus gehören, zeigte man vor allem in vielbeachteten Neubauten am Baden-Ooser Hauptbahnhof Tatkraft. Im dortigen Gewerbegebiet verrichtet seit 2014 das neue Druckhaus sein Werk, 2020 wurde direkt gegenüber ein U-förmiges dreistöckiges Verwaltungsgebäude in Betrieb genommen.

In diesen zeitgemäßen Bau zogen Redaktion und sämtliche Abteilungen des BT ein, nachdem im einstigen Domizil in der Baden-Badener Stephanienstraße ein modernes Arbeiten nicht mehr möglich war.

Beide Neubauprojekte tragen vor allem die Handschrift von BT-Geschäftsführer Wolfgang Hoffarth. Und nun wartet die Zukunft. Baur erklärte, die beiden wirtschaftlich gesunden Unternehmen behutsam, Stück für Stück und in einem längeren Atem zusammenführen zu wollen.

Keine eiligen Maßnahmen geplant

„Es wird keine eiligen Maßnahmen in den wesentlichen Fragen geben. Dazu gehört, dass wir bewusst Parallelen, aber auch Eigenmerkmale in einer gut bemessenen Zeitstrecke aufrechterhalten und die Koexistenz beider Blätter pflegen “, präzisierte der BNN-Verleger.

Dies geschehe schon aus Rücksicht auf die Lesergewohnheiten. Natürlich dürfe ab sofort intensiv darüber nachgedacht werden, beiden Verlagshäusern Vorteile in Produktion und Angebot zu verschaffen. „Schließlich teilen wir uns ein identisches Verbreitungsgebiet und arbeiten in der gleichen Branche – allein das verspricht schon Synergien“.

Mit dem Verkauf des Badischen Tagblatts verabschiedet sich der seit 1998 in der Verantwortung stehende BT-Geschäftsführer Wolfgang Hoffarth zum 30.Juni 2021 aus dem operativen Geschäft und geht Ende des Jahres in den Ruhestand.

41 Jahre lang wirkte er im Unternehmen. „Jetzt gilt es, die Zukunft zu gestalten – und hier sind neue Ideen und Ansätze gefragt“, ist sich Hoffarth sicher. Zum 1. Juli tritt dann BNN-Chef Baur in die BT-Geschäftsführung. Noch heute wird er nach Baden-Baden reisen und mit dem Team des Badischen Tagblatts in Kontakt treten.

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