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Erster Fall in Deutschland

Badische Behörden versichern wegen Coronavirus: Zustände wie in China wird es nicht geben

In China breitet sich das hoch ansteckende Coronavirus immer schneller aus. Auch in Deutschland gibt es einen ersten Fall. Doch die Verantwortlichen in Baden geben Entwarnung: Zustände wie in China werde es in Deutschland nicht geben. Man sei vorbereitet.

Die vom Coronavirus stark betroffene Stadt Wuhan ist abgeriegelt. Die Behörden haben auch den Autoverkehr in großen Teilen der Stadt untersagt. Foto: Uncredited/CHINATOPIX/AP/dpa

In China breitet sich das hoch ansteckende Coronavirus immer schneller aus. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile einen ersten Fall . Doch die Verantwortlichen in Baden geben Entwarnung: Zustände wie in China, wo die Behörden die Millionenstadt Wuhan hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt haben, werde es in Deutschland nicht geben. Man sei vorbereitet.

Direktflüge von und nach China gibt es vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden nicht. Angeflogen werden nur Ziele in Europa, auf den Kanaren, in Marokko, in Israel und am Roten Meer in Ägypten. Und doch beschäftigt das Coronavirus, das sich in kürzester Zeit in der chinesischen Millionenstadt Wuhan ausgebreitet und mittlerweile Europa erreicht hat, auch die Betreiber des „Baden Airparks“ in Rheinmünster.

Dafür sorgt schon die Globalisierung des Flugverkehrs mit seinen internationalen Drehkreuzen, wo täglich Millionen Passagiere auf engstem Raum aufeinandertreffen.

Notfallpläne existieren seit Jahren und haben sich bewährt
Flughafensprecherin Elke Fleig

„Das Coronavirus ist ein Thema im Rahmen unserer Notfallplanung“, sagt Flughafensprecherin Elke Fleig, so wie dies bei anderen ansteckenden Infektionskrankheiten wie SARS, Lassafieber oder Schweinegrippe in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. „Notfallpläne für den gefährlichen Umgang mit gefährlichen Infektionen auf deutschen Flughäfen existieren seit Jahren und haben sich bewährt“, so Fleig. Die Mitarbeiter seien geschult, man arbeite eng mit den Gesundheitsbehörden des Landratsamtes Rastatt zusammen.

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Flugzeuge werden bei Verdachtsfällen umgeleitet

Sollte ein Passagierflugzeug den Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden ansteuern, das einen Passagier mit Verdacht auf die hochansteckende Lungenkrankheit an Bord hat, wird die Maschine unverzüglich umgeleitet.

Die internationalen Gesundheitsvorschriften der Weltgesundheitsorganisation WHO sehen für Deutschland fünf Flughäfen vor, die zum Schutz der öffentlichen Gesundheit wichtige Kernkapazitäten für die medizinische Erstversorgung vorhalten müssen – das sind die Airports in München, Frankfurt/Main, Düsseldorf, Hamburg und Berlin.

Gesundheitsämter rund um Karlsruhe haben Notfallpläne

In der Region selber sind die Gesundheitsämter in den Landratsämtern Karlsruhe, Rastatt und Enzkreis als staatliche Behörden für den Infektionsschutz zuständig. In allen Behörden existieren detailliert ausgearbeitete Notfallpläne, wie im Falle einer größeren Ausbreitung des Virus oder gar einer Pandemie umgegangen wird.

„Diese Pläne stellen eine klare Grundlage dar, um tätig zu werden“, sagt Knut Bühler, der Erste Landesbeamte am Landratsamt Karlsruhe und Chef des Dezernats Recht & Ordnung, den BNN. „Sie definieren die Voraussetzungen, legen die Kommunikationswege fest und listen alle zu ergreifenden Maßnahmen auf.“

Klare Vorgaben des Robert-Koch-Instituts

Im Falle des Coronavirus gelten die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, so Ulrich Wagner, der für den Infektionsschutz zuständige stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes Karlsruhe. Es müsse eindeutig feststehen, dass der Infizierte aus Wuhan komme, zudem müsse eine „ausgeprägte Symptomatik“ vorliegen, die auf eine Lungenentzündung hinweisen.

Ein Patient aus Shanghai oder Peking würde im Moment nicht als Verdachtsfall eingestuft, wenn er nicht direkten Kontakt zu einem am Coronavirus Erkrankten hatte.

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Klinikum Karlsruhe hat Infektionsstation mit 20 Betten

Um zu klären, ob der Betroffene tatsächlich vom Virus infiziert wurde, werde eine Probe an die Berliner Charité zur Diagnostik eingeschickt und der Patient im Regelfall in ein Krankenhaus eingeliefert, wo entsprechende Sicherheitsbestimmungen wie das Tragen von Schutzkleidung und das Einhalten von Schutzmaßnahmen zu beachten sind.

Das ist unser tägliches Geschäft.
Ulrich Wagner, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Karlsruhe

So gibt es im Städtischen Klinikum Karlsruhe als Haus der Maximalversorgung eine eigene Infektionsstation mit 20 Betten, beispielsweise für Patienten mit Influenza oder Tuberkulose. Sollte diese nicht reichen, könne eine weitere Station geöffnet werden, ohne dass der Krankenhaus-Betrieb gefährdet sei, sagt Eberhard Kniehl, Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene.

Gesundheitsamt Karlsruhe will noch nicht an Pandemie denken

Gleichzeitig ist es Aufgabe des Gesundheitsamtes zu klären, mit wem der Infizierte in der knapp zweiwöchigen Inkubationszeit Kontakt hatte, um eine weitere Ausbreitung der Lungenkrankheit zu verhindern. Notfalls erhalten Kontaktpersonen die Auflage, die Öffentlichkeit zu meiden.

„Das ist unser tägliches Geschäft“, sagt Ulrich Wagner, derartige Maßnahmen seien auch bei anderen hochansteckenden Krankheiten üblich. Nach dem Infektionsschutzgesetz hat das Gesundheitsamt dabei sehr weitreichende Befugnisse und kann sogar Eingriffe in die Grundrechte anordnen.

Wie ernst es werden könnte, kann im Augenblick niemand sagen
Ulrich Wagner

Und was passiert, wenn es nicht bei Einzelfällen bleibt, sondern das Virus eine echte Pandemie auslösen würde? So weit wollen die Verantwortlichen im Gesundheitsamt Karlsruhe im Augenblick nicht denken, zumal die fachliche Bewertung über die Gefährlichkeit des Coronavirus im Moment noch „sehr schwierig“ sei, wie Wagner einräumt.

„Wie ernst es werden könnte, kann im Augenblick niemand sagen.“ Zumal derzeit auch der „normale“ Influenza-Virus umgehe und es die Jahreszeit für reguläre schwere Atemwegserkrankungen sei.

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Schon eine Influenza bringt das System an seine Grenzen

Die Erfahrung lehre allerdings, dass schon eine heftige Grippewelle das Gesundheitssystem in diesem Land an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit bringt.

„Vor zwei Jahren, bei der Grippewelle Anfang 2018, waren wir in einer Situation, in der einzelne Krankenhäuser ihre Krisenpläne aktivieren mussten, um die Fälle bewältigen zu können“, sagt der Erste Landesbeamte Knut Bühler den BNN. „Das kennen die Krankenhäuser, dafür existieren klar ausgearbeitete Pläne, die dann in der Praxis umgesetzt werden.“

In Deutschland können keine Städte abgeriegelt werden

Zustände wie in China, wo die staatlichen Behörden von einem Tag auf den anderen die komplette Abriegelung einer Millionenstadt anordnen und die Menschen hermetisch von der Außenwelt abriegeln, wird es in Deutschland nicht geben. „Das ist schon von der Verhältnismäßigkeit unmöglich“, sagt Ulrich Wagner, „da müssten wir von einem ganz anderen Gefährdungspotenzial für die Menschen reden“.

Es sei offensichtlich, so Peter Friebel, der Leiter des Karlsruher Gesundheitsamtes, dass in China die ersten Verdachtsfälle „zunächst unter den Teppich gekehrt wurden, bevor man offen eingestehen musste, dass es die Infektion gibt“. Nun würden die chinesischen Behörden der Ausbreitung hinterherrennen. „Wir sehen bei uns die Chance, die Kreise um die Betroffenen möglichst schnell möglichst eng zu ziehen, und damit einer raschen Ausbreitung entgegenwirken zu können.“

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