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Medienkunst in der Stadt

Beim Karlsruher Festival „Seasons of Media Arts“ werden Geräusche sichtbar

Geräusche werden sichtbar und Licht wird zu Klängen – das sind keine Widersprüche, sondern Beispiele für Medienkunst beim Karlsruher Festival „Seasons of Media Arts“, das am Freitag beginnt.

Es leuchten die Geräusche dank Peter Weibels Installation „Klangkanal“. Das Medienkunstwerk ist während des Festivals „Seasons of Media Arts“ im Regierungspräsidium am Rondellplatz in Karlsruhe aufgebaut. Foto: Uli Deck/Artis

Wer in den nächsten Wochen beim Karlsruher Regierungspräsidium beobachtet, wie Menschen vor einem der Fenster klatschen, stampfen oder Rufe ausstoßen, muss sich keine Sorgen machen: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dort jemand entdeckt hat, wie man mit dem Medienkunstwerk „Klangkanal“ interagiert.

Oder anders gesagt: Wer zu eher ruhigen Tageszeiten am Regierungspräsidium vorbeikommt, muss nicht erschrecken, wenn seine Schritte oder das Scheppern seines Fahrrades plötzlich Lichtsignale auslösen. Denn die Installation reagiert auf Klänge und setzt sie visuell um, wie die Leuchtanzeige eines Mischpults.

„Klangkanal“ ist eine Arbeit von Peter Weibel, Vorstand des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM). Das Werk ist nun Teil des Festivals „Seasons of Media Arts“, das an diesem Freitag beginnt. Bis zum 17. Oktober werden im öffentlichen Raum 15 Medienkunstwerke präsentiert.

Medienkunst gehört für mich zum Markenkern von Karlsruhe.
Albert Käuflein, Kulturbürgermeister

Ein Großteil stamme von regionalen Künstlerinnen und Künstlern, betont die scheidende Kulturamtsleiterin Susanne Asche bei der Programmvorstellung.

In ihrer Amtszeit wurde die Förderung der regionalen Medienkunst vorangetrieben. „Medienkunst gehört für mich zum Markenkern von Karlsruhe“, erklärte auch Kulturbürgermeister Albert Käuflein. In kaum einer anderen Stadt seien Kunst, Wissenschaft und Technologie ähnlich eng verknüpft.

Festival für den Unesco-Titel

Das Festival „Seasons of Media Arts“ bezieht sich auf das Label „Unesco Creative City of Media Arts“, das Karlsruhe seit Oktober 2019 trägt – als einzige Stadt Deutschlands.

Organisiert wird es vom Kulturamt in Zusammenarbeit mit dem ZKM. Daher hat es auch die künftige Kulturamtsleiterin Dominika Szope von Anfang an intensiv begleitet: Sie leitet am ZKM seit 2011 die Abteilung Kommunikation und Marketing.

Kunst in Karlsruhe soll zur Interaktion einladen

Bei der Programmvorstellung erklärte Szope: „Die Auseinandersetzung mit neuen Medien ist wichtiger denn je, zumal wenn man sieht, wie schnell die technische Entwicklung verläuft.“ Für den öffentlichen Raum sei Medienkunst prädestiniert, da sie zur Interaktion einlade.

Ein besonders augenfälliges Beispiel könnte das Videospiel „Saving Water“ des Karlsruher Agentur PONG.LI-Studios abgeben, das ab Freitagabend auf dem Stephanplatz an einer Hausfassade gespielt werden kann.

Man habe bereits 2015 für die Schlosslichtspiele ein „crowd game“ entworfen, so Projektleiter Andreas Siefert. „Saving Water“ stelle die Besucher vor die Aufgabe, gemeinsam über ihre Mobilgeräte das Spiel zu steuern. Dabei geht es darum, Wasser so schnell wie möglich an den richtigen Ort zu bringen. „Nachhaltigkeit funktioniert nur im Team“, formuliert Siefert den dahinterstehenden Gedanken.

Zu individueller Interaktivität hingegen laden Arbeiten wie „Fokus“ im frei zugänglichen Foyer des ZKM ein. Der Karlsruher Lichtkünstler Rainer Kehres hat einen alten Röntgenbildbetrachter zu einem Kunstobjekt umgebaut, in dem Licht und ein Prismenwürfel ein sich ständig veränderndes Gesamtbild erzeugen, das sich durch einen Schaltknopf steuern lässt.

Große Bilder mit kontemplativer Wirkung

Innere Einkehr statt ständige Aktivität hingegen gibt es bei Didi Müllers Film- und Klanginstallation „Reflection of the Projection“ im Foyer der Kinemathek. Auf der über 30 Quadratmeter großen Fläche, die früher für großformatige Filmplakate genutzt wurde, sind Naturaufnahmen zu sehen, die in Verbindung mit der Surround-Tonmischung eine kontemplative Stimmung versprechen (Start: 21. September).

Augmented Reality (erweiterte Realität) kommt zum Zug in Projekten wie „Posteden“. Das virtuelle Spiel mit dem Motiv des biblischen Paradieses Eden und dem Apfel stammt von dem mexikanischen Künstler Gerardo Nolasco-Rószás und ist einer der Beiträge, die auf die internationale Vernetzung der Medienkunst verweisen.

Auch hier benötigt man ein eigenes Smartphone, genau wie für die App „Shadow Play“. Diese bildet gewissermaßen das Gegenstück zu Peter Weibels „Klangkanal“, der Klänge sichtbar macht: „Shadow Play“ von Dan Wilcox soll an drei verschiedenen Orten in Karlsruhe das Licht- und Schattenspiel, das Gebäude auf die Straßen werfen, in Klänge verwandeln.

Service

„Seasons of Media Arts“: bis 17. Oktober an 15 Orten im Stadtraum von Karlsruhe. Infos unter seasons-of-media.art.

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