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Größe, Preis und mehr

Weihnachten: Worauf achten die Karlsruher beim Baumkauf?

Wer die Verkäufer fragt, bekommt eine eindeutige Antwort: Natürlich kommt es darauf an, wie groß ein Baum ist. Bescheidenheit ist in Karlsruhe nicht die Regel. Das war nicht immer so.

Beim Weihnachtsbaum-Verkauf auf dem Birkenparkplatz direkt neben dem KSC-Stadion berät Gerd Brommer die beiden Kundinnen Heidemarie Roser (links) und Gabriele Schmalholz über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Bäume. 
Beim Weihnachtsbaum-Verkauf auf dem Birkenparkplatz direkt neben dem KSC-Stadion berät Gerd Brommer die beiden Kundinnen Heidemarie Roser (links) und Gabriele Schmalholz über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Bäume.  Foto: Jörg Donecker

Bei Weihnachtsbaumkulturen Stefan Bopp auf dem Birkenparkplatz beim KSC-Stadion geben sich die Kunden die Klinke in die Hand. Die Nordmanntanne ist eindeutig der Favorit, weiß Christbaumverkäufer Holger Riethdorf und zählt die Vorteile der Tanne auf. „Sie nadelt sehr wenig, und wenn dann sehr spät. Sie harzt nicht so stark und, wichtig, wenn Kinder im Haus sind: Die Zweige stechen nicht.“

Früher habe man auch Fichte, Weißtanne oder Kiefer im Angebot gehabt, aber das sei lange her. Apropos lange her. Bereits gut 80 Jahre sei man jedes Jahr im Advent auf dem Platz am Wildpark vertreten, merkt sein Kollege Gerd Brommer an. „Nur wegen der Bauarbeiten rund um das Stadion mussten wir ausweichen.“

Bereits in der dritten Generation sind die Baumzüchter aus dem Neckar-Odenwald-Kreis aktiv. Das Hauptgeschäft ist der saisonale Weihnachtsbaumverkauf. Das ganze Jahr würden aber auch Tannenzweige zum Kränze binden veräußert. „Den Neckar-Odenwald-Kreis nennt man nicht umsonst Badisch-Sibirien. Hier haben die Bäume die beste Basis zum Gedeihen. Sie wachsen nicht so schnell und finden guten Lehmboden vor. Die Bäume werden groß und kräftig“, so Riethdorf und knetet zum Beweis ein Stück Erde.

Rund 100.000 Bäume werden in etwa pro Jahr an allen Standorten verkauft. Sie wachsen auf einer Fläche von 200 Hektar. Dem Mann, der aus Wittenberg stammt und in Maximiliansau lebt, macht die Saisonarbeit sichtlich Spaß. „Das ist für mich wie eine Auszeit und den Kunden bereitet man eine Freude.“ Auch Christbaumkäufer mit muslimischem Hintergrund habe er schon beraten. „Ich habe sie gefragt, wie es dazu kommt. Wir mögen einfach dieses festliche Flair bekam ich dann als Antwort“, berichtet er.

Damals kauften die Karlsruher zierlichere Bäume ein

Die Bäume, die auf dem Birkenparkplatz verkauft werden, sind in der Regel um die zwei Meter groß. In der Vergangenheit sei dies noch ganz anders gewesen. Da seien Tannen zwischen 1,10 und 1,60 Meter die Norm gewesen. „Die Stämme waren wesentlich dünner. Bis in die 1960er Jahren war der Stamm unten ziemlich spitz“, weiß der Exil-Pfälzer. Schon hat er einen Christbaum-Ständer aus 20er Jahren in der Hand. Ein Stamm von heute hätte keine Chance da reinzupassen.

Am Adenauerring kosten zwei Meter 49 Euro, ein Meter 20 Euro. Vorrat sei vorhanden. „Mittlerweile haben wir auch eine positive CO2-Bilanz“, merkt sein Kollege Brommer an. Derweil räumt ein Pärchen aus Rintheim die soeben erstandene stattliche Tanne ins Auto. Kaufkriterium? „Ganz klar, feste Zweige. Ich neige zum Hyperdekorieren“, merkt die Frau launig an.

Auch das Ehepaar Garay aus Stutensee wurde fündig. Sie haben sich für eine eher bauchige, kleinere Tanne entschieden. „Die nimmt nicht so viel Platz weg und passt gut rein“, meinen sie unisono.

Auch beim Christbaumhof Frank in Rüppurr boomt das Geschäft. Hier ist ebenfalls die Nordmanntanne der Favorit. „80 Prozent unserer Bäume stammen von unserem Hof, der Rest aus dem Schwarzwald“, weiß Vanessa Frank vom Familienbetrieb im Süden von Karlsruhe. Auch sie nennt die Vorteile des Baumes, der auch Kaukasus-Tanne genannt wird.

Ein Mann und ein kleines Mädchen schmücken einen Weihnachtsbaum.
Das traute Zuhause festlich für Weihnachten zu dekorieren, gehört zu den schönsten Freuden vor dem Fest. Der Christbaum gehört fest dazu. Foto: Jenko Ataman/dpa

„Sehr langlebig und beständig und nadelt wenig.“ In Rüppurr seien die Bäume der Wahl ebenso rund zwei Meter hoch. Kostenpunkt: 52 Euro zwei Meter, 26 ein Meter. Beim Christbaumhof gibt es zudem Sitzhütten, Glühwein, Kinderpunsch und weihnachtliches Flair. Auch hier gebe es bis zum letzten Verkaufstag am 23. Dezember noch Auswahl.

Der erste Christbaum stand vermutlich im Elsass

Der erste Weihnachtsbaum der Welt soll der Legende nach im elsässischen Sélestat bei Colmar gestanden haben. Ein Schriftstück von 1521 in der dortigen Bibliothek dokumentiert die erste schriftliche Erwähnung des christlichen Rituals.

Ortswechsel zum Christbaumverkauf auf dem Gottesauer Platz. Hier sind die Bäume etwas kleiner. Zwischen 1,50 und 1,80 Meter schätzt Händler Harald Zier. Er bekommt seine Ware aus der Nähe von Bad Peterstal im Schwarzwald. Täglich komme Nachschub. „Das ist Natur pur, gänzlich unbehandelt“, preist er seine Nadelbäume an. Bei ihm kosten zwei Meter 40 Euro, ein Meter 20 Euro. Falls nach Weihnachten etwas übrigbleibe, werden diese dem Karlsruher Zoo gespendet.

„Die gehen in der Regel an die Elefanten, die haben ihren Spaß daran“, betont Zier. Ausverkauft ist mittlerweile die Nehemia Initiative in der Südstadt. „Das ist eine Benefizaktion, die wir jedes Jahr machen. Es geht uns um Begegnung und adventliche Stimmung mit handgemachten Kleinigkeiten und Adventskranz binden“, so Claudia Frey vom Büro der Initiative. Dieses Jahr hatte man 150 Bäume aus der Pfalz, die frühzeitig an die Stammkundschaft weggegangen seien.

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