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Pforzheimer Schmuckindustrie

Betrugsfall Cobra um 1,9 Tonnen Feinsilber kommt im Herbst vor Gericht

Einer der größten Betrugsfälle in der Geschichte der Pforzheimer Schmuckindustrie geht in Kürze vor Gericht. Ab dem 22. November wird der Fall vor der Großen Wirtschaftskammer des Landgerichtes Mannheim verhandelt. Die zugrunde liegenden Ereignisse hatten im Jahr 2011 für Schlagzeilen gesorgt.

Der einstige Sitz der Firma Cobra in Pforzheim. Foto: Archiv/Ehrmann

Die juristische Aufarbeitung eines der größten Betrugsfälle in der Geschichte der Pforzheimer Schmuckindustrie beginnt am am 22. November am Landgericht in Mannheim. Die Große Wirtschaftsstrafkammer 24 ruft den Fall Cobra auf.

Die Firma machte im Mai 2011 Schlagzeilen durch die Eröffnung eines Insolvenzverfahren infolge eines seltsamen Verschwindens von 1,9 Tonnen Feinsilber aus dem Tresor in der Habermehlstraße.

Ehemaliger Geschäftsführer im Fokus

Auf den damals Tage nach der angegebenen Tatzeit über Ostern angezeigten Millionenschaden folgten fünf Hausdurchsuchungen der Polizei, jahrelange Ermittlungen und im Januar 2014 die Anklage der Mannheimer Staatsanwaltschaft. Sie wurde in vollem Umfang zur Hauptverhandlung zugelassen.

Konkret heißt das, dass gegen den Geschäftsführer der 1988 gegründeten Cobra wegen mehrfachen Betrugs und Untreue sowie Insolvenzverschleppung, Bankrott und Vortäuschen einer Straftat verhandelt wird.

Insolvenz setzte in Pforzheim eine Art Druckwelle frei

Dessen Sohn, der die im Zuge des damaligen Insolvenzverfahrens verkaufte Firma CS Brand Collection in der Westlichen führte, steht wegen Untreue und Vortäuschen einer Straftat vor Gericht. Außerdem ist der frühere Prokurist angeklagt, weil er in zehn Betrugsfällen mitgewirkt haben soll.

Der Firmenzusammenbruch im Frühjahr 2011 setzte eine Art Druckwelle frei in Pforzheim. Es gab etliche Geschädigte, allen voran eine namhafte Scheideanstalt, die wenige Jahre später durch eine eigene spektakuläre Insolvenz mit vielen Geschädigten Aufmerksamkeit erregte.

Ungereimtheiten ließen Schwindel auffliegen

Nach einem Inventurbericht, den der damalige Insolvenzverwalter vorgelegt hatte, soll die Firma Cobra Banken, Kunden und Scheideanstalten rund neun Millionen Euro schuldig geblieben sein. Ein Teil der Geschädigten setzte eine Belohnung aus für Hinweise zur Wiederbeschaffung des Edelmetalls aus dem Cobra-Safe.

Ungereimtheiten führten dazu, dass die Geschichte vom tonnenschweren Verschwinden des Silbers nur wenige Tage hielt. Es gab weder Einbruchsspuren noch andere Hinweise darauf. Tatsächlich, so legte 2014 die Staatsanwaltschaft Mannheim bei der Anklageerhebung dar, sollen die Verantwortlichen bei Cobra zwischen Januar 2010 und Februar 2011 an einen ihrer Hauptkunden 1,9 Tonnen Silber verkauft haben, das es gar nicht gab in der Firma.

Schadenssumme beim Hauptkunden knapp eine Million

Dies sei möglich gewesen auf der Basis einer langjährigen vertrauensvollen Zusammenarbeit sowie interner Silberverrechnungskonten. Cobra produzierte unter anderem für eine große international bekannte Silberschmuckmarke. Durch die Insolvenz 2011 verloren 70 Mitarbeiter ihre Existenzgrundlagen.

Die finanzielle Schadenssumme beim Hauptkunden legte die Staatsanwaltschaft auf 990 000 Euro fest. Der Cobra-Geschäftsführer soll darüber hinaus trotz Überschuldung in drei Fällen rechtsgrundlose Zahlungen über insgesamt mehr als 110 000 Euro veranlasst haben. Weiter werden ihm und seinem Sohn die wahrheitswidrige Anzeige des Diebstahls von Waren in Millionenhöhe aus dem Tresor zur Last gelegt.

Späte Verfahrenseröffnung wegen Überlastung

Ob und in welchem Umfange das alles so war, will die Große Wirtschaftsstrafkammer in Mannheim über 17 Verhandlungstage bis 28. Februar 2020 erörtern. Dass dies erst jetzt, gut acht Jahre nach der Tat geschieht, begründete der Sprecher des Landgerichts mit den vielen großen Verfahren, die seit der Anklageerhebung zu bewältigen waren. Dabei sei auch zu beachten, dass Haftsachen und Verfahren, bei denen Verjährung droht, stets vorgezogen werden.

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