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Corona-Durststrecke hat ein Ende

Bewohner im Karlsruher St. Franziskus-Heim können endlich wieder Besuch empfangen

Wegen der Corona-Beschränkungen waren Besuche in Pflegeheimen lange stark eingeschränkt und teils gar nicht möglich. Zwar gibt es immer noch Restriktionen - doch die Bewohner des St. Franziskus-Heims in Karlsruhe beispielsweise freuen sich nun, endlich wieder Besuch empfangen zu dürfen.

Aufatmen: Im Seniorenzentrum St. Franziskus freut sich Gertrud Kundel über den Besuch ihrer Tochter Christina Winterwerber und ihrer Enkelin Theresa Winterwerber, der nun durch die Lockerung der Corona-Vorschriften wieder möglich ist. Foto: Jörg Donecker

Gertrud Kundel strahlt. „Ich bin gottfroh, dass ich meine Kinder und Enkel wieder aus der Nähe sehen darf. Dass die strengen Besuchszeiten der Coronakrise gelockert wurden“, sagt die vitale 92-Jährige.

Die ehemalige Lehrerin an der Drais-Realschule wohnt seit etwas mehr als einem Jahr im Caritas-Seniorenzentrum St. Franziskus. Während sie nun mit ihrem Rollator durch den weitläufigen Garten der Einrichtung spaziert, bekennt sie, dass ihr eigener Garten ihr doch sehr fehlt. Einrichtungsleiter Michael Kaul bietet ihr daraufhin spontan ein Hochbeet an. Ein strahlendes Lächeln erhellt das Gesicht der viel jünger wirkenden Frau. „Wir werden sehen“, lacht sie.

Einrichtung reagierte kreativ auf Einschränkungen

Jetzt ist erst mal das Wiedersehen mit der Familie wichtig. „Die Besuchszeiten waren schon sehr restriktiv“, sagt Einrichtungsleiter Kaul, „aber die Sicherheit vor der Ansteckung geht vor.“ Die Mitarbeiter hätten sich viel einfallen lassen, um die Situation zu entspannen. „Sie waren unglaublich kreativ“, sagt er voll Lob. So seien etwa Fenstergespräche vom Garten aus initiiert worden. „Das haben fast alle Bewohner genutzt. Seit den neuesten Corona-Verordnungen haben wir das Haus weitestgehend geöffnet“, betont der Einrichtungsleiter. Nur während der Essenszeiten sei kein Besuch erwünscht.

Jeder Bewohner darf einen Besucher in seinem Zimmer empfangen, nach Voranmeldung, mit Angabe der Kontaktdaten, mit Maske, Händedesinfektion und Abstand. Die Gemeinschaftsräume sind tabu. Auch im Seniorenzentrum Kirchfeld der Karl Friedrich-, Leopold- und Sophien-Stiftung gab es nach dem 1. Juli ein Aufatmen.

Dennoch: „Die Kontaktdatenerfassung bleibt, ebenso die Maskenpflicht im Haus. Wir sehen jeden, der ins Haus kommt, und achten darauf, dass er die Hände desinfiziert“, betont die Hausleiterin Uta Linder. Auch das Abstandsgebot gelte weiter. Nach Terminvereinbarung sei ein Besuch mit maximal zwei Personen pro Tag möglich, entweder vormittags eine Stunde oder nachmittags zwischen 14 und 16.30 Uhr. „Wir kommen so auf rund 25 Termine pro Tag“, rechnet die Hausleitung vor. Das sei immer noch mit viel Aufwand verbunden, wenn auch nicht mehr so sehr wie zu Anfang.

Das ist eine Generation, die gewohnt ist, etwas auszuhalten
Uta Lindner, Hausleiterin

Dankbar ist Uta Linder der Gemeinde Neureut dafür, dass sie einen Teil des Siegfried-Buback-Platzes zur Verfügung stellte. „Dort haben wir an einem Bauzaun Besuche nach Terminvereinbarung ermöglicht. Mitarbeiter haben den Abstand überwacht“. Sichtlich bewegt erzählt Uta Linder von einem Ehepaar, das sich am Zaun traf. Der Mann wohnt in der Einrichtung, seine Frau, mit der er 50 Jahre verheiratet ist, durfte ihn vorher nicht besuchen.

Auch Mitarbeiter reduzierten Kontakte

Uta Linder hörte erschüttert, was der Mann sagte, als er vom Bauzaun zurückkam: „Dass ich sowas noch erleben muss.“ Doch hätten alle das Risiko verstanden und mitgezogen, sagt Uta Linder sichtlich stolz. Über die Bewohner sagt sie: „Das ist eine Generation, die gewohnt ist, etwas auszuhalten.“ Geduld und Langmut attestiert sie ihren Schützlingen.

Auch die Mitarbeiter hätten ihre Kontakte sicherheitshalber eingeschränkt. Teils seien sie zuhause abgeholt und nach Dienstschluss nach Hause gebracht worden. Auch vom Friedensheim des Badischen Landesvereins für Innere Mission hört man zufriedene Töne. Wie glücklich alle seien, dass sie ihre Freunde und Verwandte wieder aus der Nähe sprechen können.

Auch wenn es nur maximal zwei Personen pro Bewohner und Tag sein dürfen. Die Sicherheit vor der Ansteckung geht immer noch vor. Besucher dürfen zwischen 10 und 11.30 Uhr sowie 14 und 17.30 Uhr empfangen werden. Ausnahmen sind in allen Pflegeheimen bei besonderen Anlässen möglich.

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