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Interview mit Ronny Zimmermann

Der BfV und das Coronavirus: "Egal was wir machen - es wird nicht jedem gefallen"

Auch im Amateurfußball rollt dieser Tage wegen des Coronavirus kein Ball. Und das bis mindestens 20. April. Ob danach wieder gespielt werden kann? Da will auch Ronny Zimmermann, der Präsident des Badischen Fußballverbandes, lieber keine Prognose wagen. Klar sei aber: "Sollte der Wiedereinstieg in den Mai fallen, dann wird es schon eng."

Als Krisenmanager gefragt: Ronny Zimmermann, Präsident des Badischen Fußballverbandes. Foto: GES

Auch im Amateurfußball rollt dieser Tage wegen des Coronavirus kein Ball. Und das bis mindestens 20. April. Ob danach wieder gespielt werden kann? Da will auch Ronny Zimmermann, der Präsident des Badischen Fußballverbandes, lieber keine Prognose wagen.  Klar sei aber: "Sollte der Wiedereinstieg in den Mai fallen, dann wird es schon eng."

Die Kanzlei von Ronny Zimmermann in Wiesloch ist dieser Tage ein Krisenzentrum. Sein Anwaltsbüro nutzt der Präsident des Badischen Fußballverbandes (bfv) als sein Home Office. Video- und Telefonkonferenzen und viel Ungewissheit – so sieht der Alltag des DFB-Vizepräsidenten aus.

Unser Redaktionsmitglied Gerhard Wolff sprach mit dem 59 Jahre alten Funktionär über die Szenarien eines Saison-Abbruchs im Amateurfußball und die finanziellen Folgen der Corona-Krise.

Herr Zimmermann, wagen Sie eine Prognose: Wird im Amateurfußball in dieser Saison der

Ball noch einmal rollen?

Nein. Ich spekuliere nicht, und das müsste ich ja hier. Wir entscheiden auf Basis der jeweils aktuellen Lage, das heißt: Wir fahren bis auf Weiteres auf Sicht. Klar ist in diesem Moment lediglich, dass vor dem 20. April kein Ball rollt. Die Verlegung der EM auf den kommenden Sommer bringt uns aber auch im Amateurbereich etwas Luft nach hinten raus.

Wann müsste spätestens wieder angefangen werden, damit die Saison zu Ende gespielt werden kann?

Das kann man nicht pauschal sagen. Wir prüfen derzeit für jede Spielklasse, wann der spätmöglichste Zeitpunkt wäre, zu dem man die Saison noch mal aufnehmen könnte. Das ist in den einzelnen Klassen unterschiedlich, von den Junioren-Kreisligen bis zur Männer-Verbandsliga. Aber sagen wir mal so: Sollte der Wiedereinstieg in den Mai fallen, dann wird es schon eng.

Und dann? Wenn nicht mehr gespielt werden kann?

Daran sitzen wir ebenfalls bereits. Die Frage ist: Welche Abbruchszenarien gibt es überhaupt? Definitiv ist dabei jetzt schon eines: Egal, was wir dann machen – es wird nicht jedem gefallen.

Der leere Fußballplatz des FV Ettlingenweier. Foto: GES

Auch bei einem Saisonabbruch kann es verschiedene Szenarien geben. In der einen Klasse liegt der Tabellenführer uneinholbar vorne, in der anderen liegen die Clubs an der Spitze eng beisammen…

… ja, das ist richtig. Deshalb müssen wir das prüfen. Alle diese Szenarien gilt es nun, durchzuspielen und zu bewerten. Dazu gehört ebenfalls die Frage, ob es möglich ist, unterschiedliche Lösungsansätze je nach Staffelsituation zu wählen. Es muss schlichtweg alles durchdacht werden.

Wäre es möglich, im Amateurbereich ohne Zuschauer spielen zu lassen?

Nein, das halte ich für ausgeschlossen. Allein schon aufgrund der Rahmenbedingungen, den Plätzen – wie sollte das in der Praxis gehen? Auch hielte ich es für ein fatales Zeichen.

Werden die Vereine mit einbezogen?

Versammlungen können wir aktuell nicht machen. Daher wollen wir in absehbarer Zeit die verschiedenen Modelle vor- und zur Diskussion stellen, das ist ja digital zum Glück heute kein Problem mehr.

Wie sind die aktuellen Rückmeldung der Clubs?

Da findet sich das ganze „Gemüsebeet“: Die einen möchten morgen wieder spielen, die anderen gar nicht mehr. Und der Dritte macht sich finanzielle Sorgen.

Was bedeutet die Aussetzung des Spielbetriebs für Amateurclubs?

Pauschal kann man das nicht bewerten. Die Vereine, die finanzielle Aufwendungen zahlen für ihre Spieler, trifft das auf jeden Fall. Und natürlich fehlen die Einnahmen vom Spieltag durch Eintritt und Bewirtung. Wie sich Partner und Sponsoren der Vereine verhalten, das ist nicht abzusehen.

In der Bundesliga könnten hunderte Millionen TV-Gelder wegbrechen, wenn nicht mehr gespielt wird. Würde das den Amateurbereich treffen?

Nicht direkt. Aber den Amateurbereich trifft es indirekt: Die Landesverbände partizipieren von den Zuschauereinnahmen der jeweiligen Bundesligisten. Da sprechen wir in Baden von rund einer Viertelmillion. Sollte es also nur noch Geister- oder gar keine Spiele mehr geben, reduziert sich dieser Betrag deutlich. Das bedeutet für den Verband: Auch wir müssen uns strecken. Und natürlich könnte ich mir vorstellen, dass in diesem Fall die freiwilligen Leistungen wie etwa die Ausbildungsentschädigung der Deutschen Fußball-Liga für spätere Profis nicht mehr gezahlt werden könnten.

Gab es in der Historie nach dem Zweiten Weltkrieg eine annähernd vergleichbare Situation?

Für den Fußball sicher nicht. Aber der ist nur ein kleiner Teilbereich des Lebens, der gerade deutlich in den Hintergrund rückt. Auch wenn ich noch nicht ganz so alt bin, ich habe noch keine annähernd vergleichbare Situation erlebt. Daher hoffe ich umso mehr, dass die Menschen nun zusammenhalten und sich solidarisieren.

Beim Verbandstag im Juli steht die Präsidentenwahl an. Kann der Termin gehalten werden?

Die Wahlen des ganzen Präsidiums stehen dann an, nicht nur des Präsidenten. Der Kreistag in Pforzheim fand nicht statt, die kommenden in Mannheim, Sinsheim und Mosbach mussten vorerst abgesagt werden. Es kommt darauf an, wann diese nachgeholt werden können. Daraus ergibt sich das weitere Vorgehen, das prüfen wir alles nach unserer Satzung. Aber all das ist nachrangig. Im Moment ist es nur wichtig, die Bedrohung durch diesen Virus in den Griff zu bekommen.

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