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KIT: Kraftstoff ist alltagstauglich

Bis die Karlsruher Raffinerie MiRO reFuels herstellt, ist noch viel Lobbyarbeit nötig

Synthetischer Sprit funktioniert einwandfrei in bestehenden Diesel- und Otto-Motoren. Das haben Forscher des KIT festgestellt. Bis die MiRO aber zur grünen Raffinerie wird, die den Synthie-Sprit herstellt, ist es noch ein weiter Weg.

Produktion: Die MiRO versorgt weite Teile von Süddeutschland mit Diesel und Ottokraftstoff.
Produktion: Die MiRO versorgt weite Teile von Süddeutschland mit Diesel und Ottokraftstoff. Künftig möchte sie auch synthetischen Sprit herstellen. Foto: Wolfgang Voigt

Die Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie haben geliefert. „Wir konnten tonnenweise reFuels herstellen“, sagt Olaf Toedter vom Institut für Kolbenmaschinen des KIT.

Diese synthetischen Kraftstoffe entsprächen den Normen für Otto- und Dieselkraftstoff und seien in zahlreichen Motoren eingesetzt worden – ohne Beeinträchtigungen bei Leistung und Verschleiß.

Das ist die erfreuliche Botschaft, für die sich an diesem Montag das Land Baden-Württemberg, das KIT und 22 Industriepartner bei der Karlsruher Raffinerie MiRO feiern.

Potenzielle Investoren für reFuel-Projekt wollen Sicherheit

Es ist eine Zwischenbilanz nach dreieinhalb Jahren gemeinsamer Arbeit am reFuel-Projekt. Die „grüne Raffinerie“ sei also möglich. Diese könne Flugzeuge, Laster, Schiffe und die Pkw-Verbrenner-Bestandsflotte mit klimafreundlichem Sprit versorgen.

Doch all die Festreden und Schautafeln können nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viel Lobbyarbeit in Brüssel und Berlin notwendig ist, bis eine Großraffinerie wie die MiRO synthetische Kraftstoffe herstellt. Potenzielle Investoren wollen Sicherheit – zum Beispiel, indem ihre synthetischen Kraftstoffe auf CO2-Zertifikate angerechnet werden können.

Ursprünglich war der Plan, der Fachwelt auf dem MiRO-Areal in einer reFuels-Industrieanlage zu zeigen, wie synthetische Kraftstoffe entstehen. Grünes Rohöl sollte dort mittels grünem Strom produziert werden, danach wäre es pro Jahr zu 50.000 Tonnen Kerosin, Diesel und Rohbenzin veredelt worden.

Nun steht fest: Diese Wertschöpfungskette lässt sich wegen der Gesetzeslage für eine solche relativ große Anlage nicht verwirklichen. Die MiRO dürfte, vereinfacht ausgedrückt, nicht einfach grünen Strom nutzen, wenn sie diesen braucht.

reFuels-Team blickt für Herstellung in sonnenreiche Länder

Doch das reFuels-Team gibt nicht auf. Nun ist der Plan, dass in sonnenreichen Ländern mit viel Solar- oder Windstrom transportfähiges E-Methanol hergestellt wird. Dieses soll dann in der MiRO veredelt werden. Nach Andalusien habe man dafür schon Kontakte aufgebaut, so Berthold Frieß, Ministerialdirektor im Verkehrsministerium Baden-Württemberg.

„Wir wollen Klimaschutzland werden“, erinnert er für den Südwesten. Synthetische Kraftstoffe könnten in bestehenden Tanklastern an vorhandene Tankstellen geliefert werden.

Vor allem für Lkw, Schiffe und Flugzeuge brauche es reFuels, weil bei denen Elektro-Motoren nicht in großem Stil funktionierten. Auch um die bestehende Pkw-Verbrennerflotte klimafreundlich zu machen, könnte der synthetische Sprit einen Beitrag leisten.

Erforderliche Entscheidungen werden vertagt und aufgeschoben.
Andreas Krobjilowski , MiRO-Chef

Trotz des Hochlaufs der Elektromobilität geht MiRO-Chef Andreas Krobjilowski davon aus, dass in acht Jahren noch 35 Millionen Verbrenner-Pkw auf deutschen Straßen unterwegs sein werden. Handlungsbedarf bestehe in Sachen reFuels, „erforderliche Entscheidungen werden vertagt und aufgeschoben“.

Der strombasierte Synthie-Sprit hat’s schwer: In Deutschland seien bisher nur bis zu 33 Prozent Beimischung von reFuels erlaubt, schüttelt KIT-Forscher Toedter den Kopf.

Zwei Pilot- und weitere Technikanlagen des KIT lieferten bislang regenerative Kraftstoffe, die aufbereitet und in Fahrzeugen getestet wurden.

Die ambitionierten Klimaziele könne man nur erreichen, wenn man auf mehrere Technologien setze, unterstreicht KIT-Vizepräsident Thomas Hirth. Die Synthetischen und eine entsprechende Raffinerie gehören für ihn dazu. „Toll wäre es, wenn das aus ,The Länd’kommt.“

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