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2021 auf dem Prüfstand

Bleibt das Girokonto bei der Sparkasse Karlsruhe kostenlos?

Die Sparkasse Karlsruhe war im Jahr 2007 bundesweit unter den Sparkassen Vorreiter beim kostenlosen Girokonto. Es kostet das Institut nach Angaben von Sparkassenchef Michael Huber pro Jahr zwischen sieben und zehn Millionen Euro – und kommt 2021 auf den Prüfstand.

Dynamische Zeiten: 2019 liefen vor allem die Geschäfte der Sparkasse Karlsruhe mit Unternehmenskunden hervorragend. Aber die Ertragssituation bleibt wegen der EZB-Zinspolitik herausfordernd. Nun kommt auch noch das Thema Coronavirus dazu. Foto: Hora

Auf Kreditinstitute kommt es in Corona-Zeiten besonders an. Sie müssen Unternehmen in Not mit Liquidität versorgen und sind auch Ansprechpartner, wenn es um staatliche Hilfsprogramme der KfW-Bankengruppe, der L-Bank und Bürgschaftsbank geht. Auch die Sparkasse Karlsruhe weiß das. „Die größte Sorge ist, dass eine ganze Abteilung unter Quarantäne käme“, sagt deren Chef Michael Huber im Bilanzgespräch. Deshalb habe man die Gruppen – auch räumlich – getrennt, um handlungsfähig zu bleiben.

Sparkasse Karlsruhe: Das Corona-Thema überlagert alles

Das Corona-Thema überlagert alles. „Man kann sich kaum über die tollen Kundengeschäfte freuen“, meint Huber. Der Gesamtbestand an Krediten und Darlehen erhöhte sich um 8,1 Prozent auf 6,588 Milliarden Euro. Beim Kreditbestand von Unternehmen sowie Selbstständigen legte die Sparkasse Karlsruhe gar um 11,6 Prozent zu – und das in einer Region, in der viele Geldhäuser um diese Kundschaft buhlen.

Auch im Vergleich zum Wachstum der Südwest-Sparkassen bei Unternehmenskrediten schnitten die Karlsruher hervorragend ab. Die baden-württembergischen Sparkassen kamen hier im Durchschnitt nur auf ein Plus von 4,3 Prozent.

Im vergangen Jahr sagte die Sparkasse Karlsruhe knapp 1,6 Milliarden Euro an neuen Krediten zu (plus 36,2 Prozent). Huber: „So viel haben wir früher in zwei guten Normaljahren gemacht.“

Doch der Zinsüberschuss – die Haupteinnahmequelle der Bank – entwickelt sich wegen der EZB-Politik seit Jahren rückläufig. Deshalb gibt es auch keine Garantie, dass das Girokonto der Sparkasse Karlsruhe kostenlos bleibt. Huber: „Es ist sicherlich Anfang 2021 angezeigt, es auf den Prüfstand zu stellen.“

Es werde schwieriger, es kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nüchtern und ohne ein voreiliges Urteil müssten Wettbewerb und Marktposition analysiert werden, betont der Sparkassendirektor.

Huber war Vorreiter mit dem kostenlosen Girokonto unter den Sparkassen

Huber war bei den deutschen Sparkassen im Jahr 2007 Vorreiter mit dem kostenlosen Girokonto. Das Geldhaus lässt sich dies einiges kosten. „Das ist auf jeden Fall ein Betrag zwischen sieben und zehn Millionen Euro pro Jahr“, zieht Huber einen Vergleich mit ähnlich großen Sparkassen, die Gebühren verlangen.

Eine wesentliche Voraussetzung für das kostenfreie Girokonto ist ein monatlicher Geldeingang von mindestens 1.500 Euro.

Eindeutig ist hingegen Hubers Aussage zum Thema Negativzinsen. „Wir geben an Privatkunden grundsätzlich keine Negativzinsen weiter.“ Das solle auch so bleiben. Das Sparen ist Teil der DNA der Öffentlich-Rechtlichen, steckt schon in ihrem Namen. Huber: „Wir sind als Sparkasse dafür da, das Vermögen zu schützen.“

An Kundeneinlagen hatte die Sparkasse zum Jahresultimo 2019 insgesamt 6,817 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Dies ist ein Zuwachs von 8,1 Prozent. Auch hier zum Vergleich der Durchschnittswert der Südwest-Sparkassen: Dieser liegt bei 4,7 Prozent.

Betongold bleibt gefragt

Betongold bleibt gefragt – und der Immobilienmarkt in der Region entsprechend hart umkämpft. Die Immobilien-Tochtergesellschaft der Sparkasse erhöhte ihren Objektumsatz dennoch auf 109,9 (2018: 77,2) Millionen Euro. 247 Objekte wurden vermittelt, eines mehr als im Vorjahr. Huber: „Die Nachfrage nach Immobilien übersteigt das Angebot um ein Vielfaches.“

Sparkasse baut in Blankenloch und plant Großes in Ettlingen

Die Sparkasse baut auch selbst: Ihr Finanzdienstleistungszentrum Blankenloch soll Anfang kommenden Jahres fertig sein. Das Budget: 4,5 Millionen Euro. Auch die frühere Zentrale der Sparkasse Ettlingen, die mit den Karlsruhern fusionierte, soll bis Mitte 2022 modernisiert werden – für 20 Millionen Euro.

Zur sozialen Leistungsbilanz der Sparkasse: Sie weist laut Huber ein Fördervolumen von 3,4 Millionen Euro aus. Davon flossen 1,3 Millionen Euro an soziale Projekte sowie 1,1 Millionen Euro an Kunst und Kultur. Für Forschung/Umweltschutz gab es eine Million Euro.

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