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Neues aus dem Elternleben

Bloß keine Erbsen-Prinzessin

Wer sich Mühe gibt, die eigene Tochter abseits von Geschlechterklischees zu erziehen, sieht seine Bemühungen des öfteren vor den eigenen Augen verpuffen. Ein rosa-glitzerndes Beispiel lesen Sie in der neuesten Ausgabe unserer Kinderkram-Kolumne.

Kinderkram Foto: Dolgachov - Fotolia

Es gibt Momente im Elternleben, da hat man das Gefühl, versagt zu haben. Bei mir war es vor einer Woche wieder mal soweit: „Aber Mama“, sagte da die Vierjährige zu mir, „Mädchen können kein Ritter sein!“ Dieser Ausspruch war ihre Antwort auf meinen Vorschlag, sich bei der Kita-Faschingsfeier zum Thema „Mittelalter“ mal nicht als Prinzessin zu verkleiden. Leider war das nicht das erste Mal, dass ich mir von meinem eigen Fleisch und Blut gendermäßig unsensible und misogyne Sprüche anhören musste. So verkündete sie vor einiger Zeit, ihr rot-grün-blau gestreiftes T-Shirt nicht mehr anzuziehen, das sei nämlich „nicht mädchenfarben“. Ein andermal beschwerte sie sich, dass keiner ihrer Kita-Freunde sie heiraten wolle. Auf mein entschiedenes „Du musst nicht heiraten! Nur, wenn du willst“ kam ein ebenso überzeugtes „Doch! Ich muss einen Mann finden bevor alle weg sind.“

Es ist einfach frustrierend. Da achtet man penibel darauf, dem Kind starke und positive Frauenvorbilder zu geben – kleine Mädchen, die Pferde tragen können; Prinzessinnen, die sich selbst retten; Piratinnen, die über die Weltmeere segeln. Und dann das. Werden Frauen als hilfsbedürftige Wesen dargestellt, halte ich dagegen. Zum Beispiel bei klassischen Märchen, bei deren Inhalt mir des öfteren die feministische Hutschnur hochgeht.

Bestes Beispiel: Die Prinzessin auf der Erbse. Ein Geschichte, nach deren Vorlesen ich der mich mit verständnislosen Augen anblickenden, damals Dreijährigen einen minutenlangen Vortrag darüber hielt, dass Mädchen weder zart sein müssen, noch so empfindlich, eine blöde Erbse durch zehn Matratzen hindurch zu spüren.

Und nun wollte sie also kein Ritter sein. Geknickt berichtete ich abends dem Kindsvater von dem Rückschritt in der töchterlichen Emanzipation und lamentierte, dass manche Mädchen wohl einfach lieber Glitzerkleider trügen, als Drachen zu töten. „Aber Mama“, meldete sich plötzlich die Vierjährige zu Wort, die uns zugehört hatte, „ich kann doch ein Glitzerkleid tragen und Drachen töten. Und damit – kann ich dann doch wieder leben.

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