Skip to main content

Schöne Ecken vor der Haustür

BNN-Ausflugstipps: Kleine Fluchten aus dem Alltag

Weil die schönsten Ecken oft vor der eigenen Haustüre liegen, gibt es hier die BNN-Ausflugstipps – fürs Wochenende, aber auch für den Urlaub. Es geht nach Speyer, Bad Wimpfen, aber auch zum Wandern auf die Murgleiter und den Glücksweg.

Blick in die Kristallkugel: Was wird aus den Sommerferien, fragen sich viele Familien. An Pfingsten ist wohl nur Urlaub in Deutschland möglich. Viele reizvolle Ziele liegen direkt vor der Haustüre. Foto: Erdniss/stock-adobe.com

Reisefans muss es wie eine gefühlte Ewigkeit vorgekommen sein. Kein Wochenendtrip an die Seine, kein Wellnessurlaub im Schwarzwald, kein Sonnetanken in fernen Gefilden. Die Corona-Pandemie hat den weltweiten Reiseverkehr innerhalb weniger Tage zum Erliegen gebracht.

Jetzt blitzt ein Licht am Ende des Tunnels auf; zwar ein kleines, aber ein Hoffnung schürendes. Nach wochenlangem Lockdown können Reisefans zumindest auf einen Hauch von Normalität hoffen. An Urlaub im nahen Ausland ist zwar noch nicht zu denken, schon gar nicht an Reisen zu fernen Gestaden. Doch zumindest in Deutschland sind jetzt wieder kleine Fluchten aus dem Alltag möglich. In Hessen und Sachsen öffnen an diesem Wochenende die ersten Hotels, die übrigen Bundesländer folgen in den nächsten beiden Wochen. Weil die schönsten Ecken oft vor der eigenen Haustüre liegen, gibt es hier die BNN-Ausflugstipps – fürs Wochenende, aber auch für den Urlaub.

An der Murgleiter: der Friedrich-Luisen-Brunnen. Foto: Ralf/stock-adobe.com

Ausflugstipp Nr. 1: die Murgleiter

Wer kommt schon auf die Idee, eine Treppe rauf- und runterzusteigen? Noch dazu mehrfach? Die Antwort ist einfach: all jene, die dem landschaftlichen Liebreiz des Murgtales verfallen sind und dafür gerne einige Höhenmeter zurücklegen. Über deren genaue Zahl schweigt die Autorin lieber, es könnte Hobbywanderer abschrecken. Muss es aber nicht, denn die Murgleiter im Nordschwarzwald bietet so viel atemberaubende Ausblicke, dass man die verhärteten Waden und die schmerzenden Fußsohlen glatt vergisst.

Premiumwanderweg über 111 Kilometer

Der Premium-Wanderweg durch die Landkreise Rastatt und Freudenstadt hält was der Name verspricht: 111 Kilometer himmlisches Wandervergnügen, mit ständigem Wechsel zwischen „düsterem“ Schwarzwald und lieblichen Auen, garniert mit mittelalterlichen Burgruinen und bildhübschen Städten.

111 Kilometer sind kein Pappenstiel, aber dank Wanderpauschalen mit Gepäcktransport ist der Premium-Wanderweg bequem in einer Woche zu meistern. Die fünf Etappen zwischen Gaggenau und dem Schliffkopf müssen auch nicht am Stück absolviert werden: Dank öffentlicher Bahnen und Busse lässt sich die Murgleiter auch etappenweise meistern.

Ein Netz aus Radwegen durchzieht den Naturpark Stromberg. Foto: Kraichgau-Stromberg Tourismus/ Ernst

Ausflugstipp Nr. 2: der Naturpark Stromberg

Es gibt hierzulande viele hübsche Fleckchen, auf denen man Urlaub jedweder Art machen kann. Im Land der 1.000 Hügel ist nicht nur der Kraichgau beheimatet, sondern auch das Gebiet Stromberg. Die waldreiche Region, die unter anderem vom Kraichgau, dem Zabergäu und dem Alb-Pfinz-Plateau begrenzt wird, bildet seit 1980 zusammen mit dem ebenfalls angrenzenden Heuchelberg den Naturpark Stromberg-Heuchelberg .

Mit einer Fläche von 330 Quadratkilometern ist dieser Naturpark zwar relativ klein, doch hier ist jede Menge geboten. Als Leitmotiv für das Gebiet mit seiner traumhaft schönen und abwechslungsreichen Landschaft wurde „Wein – Wald – Wohlfühlen“ gewählt. Der Stromberg ist überzogen mit einem breiten Netz gut ausgebauter Wander- und Radwege, was ihn als Naherholungsgebiet für die umliegenden Zentren wie Karlsruhe, Stuttgart und Heilbronn zu einem beliebten Ausflugs- und Urlaubsziel macht.

Entdeckungen zu Fuß oder per Rad

Ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad, ganz gleich ob Touren- oder Mountainbike – der Stromberg ist ein Ziel für Tagestouristen und Mehrtagesurlauber gleichermaßen. Neben dem individuellen Wandern in der Natur kann man das Gebiet auch auf geführten Entdeckungstouren erleben und in die ereignisreiche Geschichte eintauchen. Daneben bietet die Region weitere Ausflugsziele wie den Barfußpfad Ötisheim, den Illinger Kletterwald, den Waldfühlpfad Eppingen, das Weinplateau rund um Oberderdingen oder den Freizeitpark Tripsdrill bei Cleebronn.

Wer sich kompakt und ausführlich über diese Region und ihre Geschichte sowie über den Naturpark Stromberg-Heuchelberg informieren möchte, der sollte unbedingt dem Naturparkzentrum am Zaberfelder Stausee einen Besuch abstatten. Auch der Genuss kommt keineswegs zu kurz, denn kulinarisch ist rund um den 477 Meter hohen Stromberg ebenfalls viel geboten. Vor allem für seine vollmundigen Weine, die im Zabergäu angebaut werden, ist das Gebiet bekannt.

Schmuckstück im Allgäu: das Schroth-Heilbad Oberstaufen. Foto: Frei

Ausflugstipp Nr. 3: Oberstaufen

Ein wenig schüchtern kommt die kleine Gemeinde Oberstaufen im westlichen Allgäu daher. Der Ort schmiegt sich unscheinbar in die sanfte Hügellandschaft am Fuß der Nagelfluhkette. Er ist touristisch nicht so überlaufen wie der „große Bruder“ Oberstdorf, hat aber  das ganze Jahr über für Natur- und Wanderfreunde einiges zu bieten.

Wenige Kilometer südlich überragt nahe der Grenze zu Österreich der gut 1.800 Meter hohe Hochgrat die Landschaft, die höchste Erhebung des Westallgäus mitten im Naturpark. Solange die fast 50 Jahre alte Seilbahn Corona-bedingt stillsteht, verlangt der zweistündige Anstieg zum Gipfel Wanderern einiges ab. Doch vor allem für ambitionierte Bergfreunde lohnt sich die Kraxelei: Eine Gratwanderung mit imposanten Ausblicken führt über sechs weitere Gipfel bis nach Immenstadt im Allgäu. Rund um Oberstaufen erstreckt sich für weniger konditionsstarke Wanderfreunde ein weites Netz von mehr oder weniger anspruchsvollen Wegen, beispielsweise zu den Buchenegger Wasserfällen.

Viele Angebote für Familien

Der Kurpark Oberstaufen ist vor allem für Familien mit Kindern eine beliebte Anlaufstelle. Das weitläufige Grüngelände verfügt unter anderem über zwei neu angelegte Spielplätze. Auch von hier lassen sich kurze Wanderungen auf die nahen Hügel starten. Wenige Kilometer entfernt lockt die Alpsee Bergwelt kleine und große Besucher mit Sommerrodelbahn, Kletterwald und einer Alpaka-Zucht. Im Tal ist der namensgebende Große Alpsee nicht nur ein Blickfang.

Oberstaufen versprüht den Charme eines kleinen Bergdorfes, verfügt aber über zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geldbeutel. Restaurants und Biergärten gehören wie überall in Bayern ohnehin zum guten Ton. Wer ein bisschen über den Tellerrand schauen möchte, hat es zu den großen Ausflugszielen auch nicht weit. Sowohl Oberstdorf als auch der Bodensee sind in einer guten halben Stunde zu erreichen.

Glücksmomente gibt es auf dem gleichnamigen Weg bei Bermersbach im Murgtal. Foto: Mori Monteiro

Ausflugstipp Nr. 4: der Glücksweg

Lauschige Bächlein, nur kleine Steigungen und alle paar Meter etwas Sehenswertes. Für wen das nach einem schönen Spaziergang klingt, der ist auf dem etwa vier Kilometer langen Glücksweg in Bermersbach im Murgtal an der richtigen Adresse. Der Weg ist ausdrücklich für Kinderwagen und Rollstühle geeignet. Kostenfreie Parkplätze gibt es an der L 79 gegenüber der Feuerwehr. An Wochenenden kann es hier aber eng werden.

Der speziell für Familien gestaltete Pfad bietet jede Menge Überraschungen. Zusammen mit Feuersalamander „Amanda“ begibt man sich auf die Spuren des Glücks. Vorbei an der Diebischen Elster mit ihrem Schmuck und ihrer Schatzkiste, dem Reh Bambi oder den Bergarbeitern. Aus Steinen wurden Tierfiguren gestaltet, die die Besucher am Wegrand und sogar in der Luft empfangen.

Steinfiguren weisen den Weg

An warmen Tagen empfiehlt es sich, an der Station im Bach mal die Schuhe auszuziehen und ein paar Schritte durchs kühle Wasser zu gehen oder ein Picknick zu machen mit selbst mitgebrachtem Essen. Eine Geschichte führt den Wanderer vorbei an 22 liebevoll gestalteten Stationen. Aufpassen lohnt sich, denn kurz vor der letzten Station ist ein Quiz ausgelegt, bei dem es sogar einen Preis zu gewinnen gibt.

Auf dem Rückweg führt die Wanderung am Rotwildgehege und einer Mühle vorbei. Auch der von Greenpeace angelegte Stifterhain mit der künstlerisch gestalteten, überdimensionalen Kugel aus Steinen wird passiert. Ein kurzer Abstecher zum Tretbecken verspricht Abkühlung an heißen Sommertagen.

Der Neckarsteig führt bis nach Bad Wimpfen mit seiner turmgekrönten Kulisse. Foto: dpa

Ausflugstipp Nr. 5: Bad Wimpfen

Briten haben mitunter höchst amüsante Ansichten. Als der englische Reiseautor John Gimlette bei seiner Reise auf Mark Twains Spuren durch das Neckartal von fern das Städtchen Bad Wimpfen erblickt, stellt er nüchtern und „very british“ fest: „Mit seinen seltsamen und vom Blitz zerzausten gotischen Türmen erinnert die Silhouette der Stadt an einen frühen Entwurf für die Skyline von Manhattan.“

Bad Wimpfen als mittelalterliches New York City am Neckar? Zugegeben, der Gedanke hat was. Scharf wie ein Scherenschnitt hebt sich die Silhouette des hoch über dem linken Neckarufer thronenden Städtchens vom Himmel ab. Ihr markantester Punkt ist der „Blaue Turm“, der aus einem Meer von spitzgiebeligen Häuserdächern emporragt. Dahinter kratzen zwei Kirchtürme am Himmel, der Rote Turm im Vordergrund wirkt gegen seine schlanken Kollegen ein wenig gedrungen, aber dafür umso wehrhafter.

Kaiser und Könige hielten Hof

Bad Wimpfen, keine 65 Kilometer von Karlsruhe entfernt, ist heute so eine Art Geheimtipp. Den Menschen des frühen Mittelalters dagegen muss der Name der größten Kaiserpfalz nördlich der Alpen ganz sicher ein Begriff gewesen sein. Immerhin – kein anderer als Friedrich I. Barbarossa hatte zu Beginn des 12. Jahrhunderts mit dem Bau der Burg beginnen lassen. Über 200 Jahre lang gaben sich innerhalb der mächtigen Mauern die einflussreichsten Herrscher ihrer Zeit die noch nicht erfundene Klinke in die Hand. Könige und Kaiser hielten in der Pfalz Wimpfen Hof und zeigten den Untertanen ringsum, wer im Stauferreich die Hosen anhat.

Nur gut, dass vom Ruhm alter Zeiten außer dem Glanz nicht viel übrig geblieben ist. Das kleine Städtchen mit seinen rund 7.500 Einwohnern liegt abseits der ausgetrampelten Touristenpfade im toten Winkel von Heidelberg und dem Black Forest.

Wenn die reiselustige globale Travelcommunity wüsste, wie märchenhaft schön es in Bad Wimpfen ist, dann wäre es mit der Ruhe wohl schnell dahin. Hinter der majestätischen Kaiserpfalz verbergen sich romantische Gassen mit malerischen Fachwerkhäusern, geheimnisvolle Ecken und Symbole und verspielte Gärtchen – ein heimeliges, kostbares Kleinod.

Die Altstadt mit dem Kopfsteinpflaster und den üppigen Rosenbüschen, die an Fachwerkfassaden emporklettern liefert die perfekte Location für Grimm’sche Märchenerzählungen. Ein hutzeliges Kräuterweiblein, ein schöner Prinz oder eine barfüßige Müllerstochter mit güldenem Haar – alles könnte hier zu jeder Zeit um die nächste denkmalgeschützte Ecke flitzen. Sibylle Kranich

Tipp:

Der romanische Dom ist die größte Sehenswürdigkeit in Speyer. Foto: dpa

Ausflugstipp Nr. 6: Speyer

Was ist beeindruckender? Der salische Kaiserdom, die größte noch erhaltene romanische Kirche der Welt? Oder der „Jumbo Jet“, das begehbare vierstrahlige Großraumflugzeug Boeing 747, jahrzehntelang das größte Passagierflugzeug der Welt? Um ehrlich zu sein, beide beeindrucken auf ihre ganz eigene Art. Und das macht einen Besuch von Speyer so attraktiv. Denn in der hübschen Stadt im Süden von Rheinland-Pfalz liegen der monumentale Kaiserdom mit seinen Kaisergräbern, der schon 1981 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurde, und das Technik-Museum mit seinen zahlreichen Lokomotiven, Flugzeugen sowie der in Deutschland einzigartigen Raumfahrthalle nur ein paar Gehminuten voneinander entfernt. Hier Mittelalter pur, da Technik vom Besten. Speyer hat für jeden etwas zu bieten.

Die Maximilianstraße als „via triumphalis“

In einer - subjektiven - Liste der schönsten Städte Deutschlands liegt Speyer weit vorne, ein Tagesausflug lohnt sich immer. Die Maximilianstraße, die vom wuchtigen Altpörtel, dem 55 Meter hohen westlichen Stadttor, direkt auf den Kaiserdom zuläuft, hat ihren Charakter als „via triumphalis“ bewahrt und kündet bis heute von der einstigen Bedeutung Speyers als Ort zahlreicher Reichstage. Viele Geschäfte, Cafes und Restaurants laden zum Bummeln und Verweilen an.

In der parallel zur Maximilianstraße verlaufenen Ludwigstraße befinden sich die Reste der einst überaus bedeutenden jüdischen Synagoge. Die Mikwe ist nicht nur das älteste erhaltene jüdische Bad für rituelle Waschungen Mitteleuropas, sondern wird noch bis heute mit frischem Grundwasser gespeist. Und in der hübschen Klosterkirche St. Magdalena in der Altstadt wird an die von den Nationalsozialisten ermordete Theologin und Philosophin Edith Stein erinnert, die vom Judentum zum Christentum konvertierte und in Speyer einige Jahre an der Schule der Dominikanerinnen lehrte.

Wenn nunmehr die Einschränkungen als Folge der Corona-Pandemie so allmählich wieder gelockert werden, locken auch die zahllosen Restaurants und Biergärten. Denn dass die Pfälzer auf der anderen Rheinseite gerne gut, deftig und üppig essen, das wissen auch die Badener…

Ausflugstipp Nr. 7: der Hermannshof in Weinheim

Dieser Garten entführt, zumindest gedanklich, auch in Corona-Zeiten in andere Welten. Dabei ist der Weg in diese anderen Welten ein vergleichsweise kurzer. Nur etwa 70 Kilometer von Karlsruhe entfernt liegt der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim. Hier können Besucher die Seele baumeln lassen und sich an der Natur erfreuen. Gerade im Frühjahr gibt es geradezu eine Explosion der Natur und ihrer Farben.

Auf etwa 2,2 Hektar locken rund um eine von Friedrich Weinbrenner errichtete Villa, die dem Unternehmen Freudenberg als Tagungs- und Konferenzhaus dient, jede Menge kleine Sehenswürdigkeiten. Und auch wenn die Tulpen und der Glyzinien-Laubengang schon ihre größte Pracht hinter sich haben, lockt vieles mehr. Über 2500 Staudenarten und –sorten sind beispielsweise zu entdecken und auf dem Gelände wachsen mehrere alte Baumexoten, wie eine 1770 gepflanzte Morgenländische Platane oder ein 1888 gepflanzter imposanter Riesenmammutbaum. Gegliedert ist der Garten nach fünf Lebensbereichen: Gehölz und Gehölzrand, Steppenheide und Felssteppe, Steppenheide und Felssteppe, Wasserrad und Wasser, Beet sowie Freiflächen.

Auf dem weitläufigen Areal können Familien mit Kindern spazieren und immer wieder Neues entdecken. Wer seine Kamera dabei hat, wird imer zahllose Fotomotive finden und vergnügliche Stunden verbringen. Und wer den Garten bereits kennt, kann dort im über die Monate und Jahreszeiten immer wieder andere Dinge finden, die beim letzten Besuch noch verborgen waren.

nach oben Zurück zum Seitenanfang