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Sommerrätsel 2021 - Auflösung 1

Ein Kostümbildner aus Karlsruhe entwarf die Roben der Bundesverfassungsrichter

Im ersten Teil des Sommerrätsels 2021 war der Schöpfer der Roben der Bundesverfassungsrichter gesucht. Auf die Lösung kommt man gar nicht so einfach: Der Entwurf stammt aus dem Badischen Staatstheater.

Die roten Roben des Bundesverfassungsgerichts wurden der traditionellen Richtertracht der Stadt Florenz aus dem 15. Jahrhundert nachempfunden. Foto: Tanja Starck

Schnelllebige Trends gibt es in der Juristenmode nicht. Hingucker aber schon. Die wohl auffälligste und berühmteste Amtstracht Deutschlands tragen 16 Richterinnen und Richter in Karlsruhe. Die scharlachroten Roben mit weißem Jabot sind das Markenzeichen des Bundesverfassungsgerichts – und Thema der ersten Runde des BNN-Sommerrätsels 2021.

Im September 1951 hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe seine Arbeit aufgenommen. Schon damals trugen die Richter Rot. Aber einen dunkleren, dezenteren Ton wie auch ihre Kollegen vom Bundesgerichtshof. Das scharlachrote Modell legten die Hüter der Verfassung erst 1963 an.

„Sie schlüpften in rote Talare von operettenhafter Opulenz, die ein Kostümschneider des Badischen Staatstheaters (...) für sie entworfen hatte“, so hat es der Staatsrechtler Christoph Schönberger einmal beschrieben.

Stammen die Roben aus Karlsruhe? Oder doch aus München?

Schönberger wusste natürlich nichts von der ersten Quizfrage im BNN-Sommerrätsel 2021, als er diesen Satz verfasste. Aber er hätte sie richtig beantwortet. Die Frage ist knifflig, denn in Internetquellen und der gedruckten Literatur werden häufig andere als Schöpfer der scharlachroten Roben genannt.

Vor allem ein „Kostümbildner aus München“ taucht häufig auf und hat manchen Sommerrätsel-Teilnehmer ins Grübeln gebracht. Aber das letzte Wort hat Karlsruhe.

Und die Auskunft des Bundesverfassungsgerichts, die man auch in einem Flyer nachlesen kann, lautet: „Die Roben, die der traditionellen Richtertracht der Stadt Florenz aus dem 15. Jahrhundert nachempfunden wurden, hat ein Karlsruher Kostümbildner entworfen.“

Bei der Eröffnung einer mündlichen Verhandlung: Die Bundesverfassungsrichter tragen ihre roten Roben - samt Jabot und Barett sowie aktuell mit Maske. Foto: Uli Deck/dpa

Kleider machen Leute: Mit dem Wechsel ihrer Roben und dem Umstieg auf das scharlachrote Erfolgsmodell made in Karlsruhe haben die Hüter der Verfassung 1963 ein Zeichen gesetzt.

Das Gericht, das sich für die Mächtigen in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn schon bald nach seiner Gründung als höchst unbequem erwiesen hatte, unterstrich damit seine Rolle als „mit höchster Autorität ausgestattetes Verfassungsorgan“. Diesen Status haben sich die Richter in erbitterten Auseinandersetzungen erst erkämpfen müssen.

Jahrelang rauchen die Köpfe auf der Suche nach einer Tracht für die Richter

Leicht haben sich die Richter die Suche nach einer angemessenen Amtstracht nicht gemacht. In einem 1992 erschienenen Büchlein mit dem vielsagenden Titel „Was müssen die Zeit haben in Karlsruhe“ plaudert ein gewisser „Robert Weinrodt“ über die Residenz des Rechts.

Auf die Entstehungsgeschichte der scharlachroten Roben geht er dabei ebenfalls ein: „Mit äußerster Gründlichkeit, heißen Köpfen nach langen Debatten im Richterverein und im Plenum sowie mit umfangreichem Schriftwechsel und Materialsammlungen im In- und Ausland wurde diese Frage mehr als drei Jahre geprüft, gedreht und gewendet“, schreibt er.

Mit Amtskette oder ohne? Seide oder Wolle? Rot, schwarz oder vielleicht doch besser blau oder violett? Gegen fünf Stimmen für Schwarz sei schließlich Rot zur gewünschten Farbe erklärt worden, weiß „Robert Weinrodt“.

Richter bestellten zuerst Roben-Entwürfe in Wiesbaden

Dieser Autorenname ist freilich ein Pseudonym. Dahinter stecken Christoph Klaas, früher Rechtsanwalt beim Bundesgerichtshof, und seine Frau Christa Klaas. Das Ettlinger Ehepaar hat das humorvolle Büchlein gemeinsam verfasst.

Augenzwinkernd, aber aus verlässlichen Quellen schöpfend, erzählen Christa und Christoph Klaas, wie es weiterging: 1958 bestellten die Richter bei einer Schneiderin des hessischen Staatstheaters in Wiesbaden drei Entwürfe: „Doch die hohen Herren taten sich noch immer schwer mit ihrer Wahl.“

Getreu dem Motto „Wozu in die Ferne schweifen“ habe sich das Bundesverfassungsgericht nach drei Jahren des Bedenkens an die Kostümabteilung des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe gewandt. Der dort gefertigte Entwurf fand – „Gott sei es gedankt“ – mehrheitlich Zuspruch.

Verfassungsrichter tragen Secondhand

Die lange Zeit des Nachdenkens hat sich gelohnt: Die scharlachroten Roben erwiesen sich als Volltreffer. Allerdings können die Richter nicht alleine „hineinschlüpfen“. Beim Anlegen muss ein Justizbediensteter helfen. Zudem trägt man im Bundesverfassungsgericht „Secondhand“: Die roten Roben werden von Richter zu Richter vererbt.

Da sie nur bei mündlichen Verhandlungen und Urteilsverkündungen zum Einsatz kommen – der Pressestelle zufolge etwa zehn bis zwölf Mal pro Jahr – wird das Material nicht allzu sehr strapaziert. Erst einmal, im Jahr 1997, wurde die Garnitur ausgewechselt. Das heute nicht mehr existierende Karlsruher Atelier Zangl besorgte die zweite Auflage.

Nachhaltig ist die Wirkung: Wer die scharlachroten Roben einmal gesehen hat, erkennt sie sofort wieder. Das Wissen darum, wer sie trägt, tut ein Übriges. Selbst ein Bekleidungsprofi wie Kerstin Brandt kann sich diesem Effekt nicht entziehen.

Die Karlsruher Maßschneiderin erinnert sich noch wie heute an den Tag, als eine Justizbeamtin zu ihr in den Laden kam und fragte: „Können Sie das?“ Was? „Meine Augen wurden groß und mein Mund trocken, als ich sah, was die Frau in ihrem Paket hatte: eine rote Robe“, erzählt Kerstin Brandt.

Seit über 21 Jahren ist sie nun die Schneiderin des Bundesverfassungsgerichts. Wird ein neuer Richter gewählt, passt Brandt die geerbte Robe auf seine Körpergröße und Statur an und kümmert sich ums Jabot sowie das Barett, damit vom Kopf bis zum Saum alles perfekt sitzt.

Schließlich sollen die Richterinnen und Richter eine gute Figur machen, wenn im Sitzungssaal „das Bundesverfassungsgericht“ angekündigt wird. Und die scharlachroten Roben ihren nächsten großen Auftritt mit bundesweiter Strahlkraft haben.

Das sind die Gewinner von Teil 1 des Sommerrätsels

Fast wäre sie einer falschen Spur gefolgt. Doch dann ist sich Silvia Heuer sicher, dass die roten Roben der Verfassungsrichter nicht von einem Atelier in Florenz entworfen wurden, wie sie anfangs glaubt. So gibt die Rheinstettenerin „Karlsruher Kostümbildner“ als Lösung an – und gewinnt den Hauptpreis des Sommerrätsels Teil eins.

Glückliche Gewinnerin: Silvia Heuer freut sich auf einen Aufenthalt im Südschwarzwald. Foto: privat

„Ich habe eine ganze Weile recherchiert“, sagt Silvia Heuer, als sie von ihrem Glück bei der Verlosung erfährt. Die langjährige BNN-Leserin kann sich nun auf einen Aufenthalt in Höchenschwand im Schwarzwald freuen.

Ihr Gewinn: zwei Übernachtungen im dortigen Bio- und Wellness-Hotel „Alpenblick“ mit Frühstück. Der Gutschein gilt für zwei Personen, Silvia Heuer will ihren Mann mitnehmen.

Preis zwei – eine Fahrt mit der Aaglander-Motorkutsche von Bietigheim aus zu den Rheinauen – geht an Elvira Fischer-Walter aus Karlsruhe. Sie darf zu dem Ausflug, bei dem Ulrike Gärtner am Steuer sitzt, zwei weitere Personen einladen.

Einen Geschenkkorb, den Pamina Vita mit badischen Spezialitäten gefüllt hat, erhält Petra Soliga aus Ettlingen. Je eine Picknickdecke haben Michael Lehmann aus Achern, Gertrud Stipp aus Bruchsal und Siegfried Clauß aus Pforzheim gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Wer dieses Mal kein Glück hatte, gewinnt vielleicht in einer der nächsten fünf Runden. Die BNN verlosen jedes Mal attraktive Preise. Es lohnt sich also mitzuraten.

Das sind die Teilnahmebedingungen zum BNN-Sommerrätsel.

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