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Sommerrätsel 2021 - Auflösung 6

Das Beffchen sollte den Talar vor gepuderten oder gefetteten Bärten der Pfarrer schützen

In Teil 6 des Sommerrätsels ging es um die Kleidung evangelischer Pfarrer. Die Frage drehte sich um das Beffchen, das aus praktischen Gründen zum Teil der Dienstkleidung wurde. Und das für Frauen lange tabu war.

Pragmatisch: Uta van Rensen, Pfarrerin der evangelischen Matthäus-Paul-Gerhardt-Gemeinde in Karlsruhe, wählte einen Talar aus leichtem Wollstoff für alle Gelegenheiten. Foto: Andrea Fabry

Uta van Rensen bringt ihren Talar im Rucksack mit. Die Pfarrerin der evangelischen Matthäus-Paul-Gerhardt-Gemeinde in Karlsruhe hält an verschiedenen Orten Gottesdienst und kann ihre Dienstkleidung, anders als früher üblich, nicht mehr einfach im Schrank in der Sakristei lassen.

„Es ist aber ein sehr praktisches Kleidungsstück, das nicht knittert und auch einiges aushält“, erklärt sie, während sie in den Talar schlüpft und die Knöpfe schließt. „Bei Flusstaufen steige ich mit ihm in die Alb.“

Der Talar ist ein sehr praktisches Kleidungsstück.
Uta van Rensen, Evangelische Pfarrerin

Aus einem leichten Wollstoff ist das schwarze Gewand, das sie sich während ihres Lehrvikariats 2004 schneidern ließ. Nicht ganz so pflegeleicht ist das Beffchen, die Halsbinde mit den beiden Leinenstreifen, das in den meisten Regionen Deutschlands zum Talar getragen wird. „Das sollte man mal wieder bügeln“, sagt die Pfarrerin schmunzelnd, ehe sie das Beffchen anknöpft.

Die badische Version ist ein Riegelbeffchen mit einer breiten Lasche, in die zwei Knopflöcher eingearbeitet sind. In anderen Landstrichen werden die Beffchen gebunden, mit Gummibändern befestigt oder mit einer Lasche eingesteckt.

„Im Prinzip könnte man sich da aber auch einmal etwas Neues einfallen lassen“, findet Uta van Rensen. „Ursprünglich war das Beffchen ein Bartschutz – den wollen manche Pfarrerinnen nicht tragen“, weiß sie.

Pfarrer sein war früher reine Männersache

Noch vor ein paar Jahrzehnten durften sie es nicht: Die Dienstkleidung evangelischer Geistlicher war Frauen lange verwehrt. Äußerlichkeiten sind eben auch Äußerungen: Zwar hatten sich Frauen um 1900 das Theologie-Studium erkämpft, Pfarrstellen waren aber noch lange ausschließlich Männersache.

Das musste im Badischen beispielsweise Doris Faulhaber erleben, als sie nach ihrem Abschluss, anders als ihre Examenskollegen, eben keine Ordination erhielt. „Nicht möglich“, lautete stets die Antwort auf ihre wiederholten Anträge auf Aussendung.

Zur Pfarrgehilfin in Mannheim-Waldhof wurde sie 1931 bestellt – faktisch aber ausschließlich als Gemeindehelferin eingesetzt. Nach ihrer Dissertation 1935 gab sie Religionsunterricht an verschiedenen Schulen und war Seelsorgerin in Krankenhäusern.

Zwar hielt sie dort Andachten und Predigtgottesdienste, noch 1941 aber wurden ihr Antrag, zumindest in der Karwoche das Abendmahl spenden zu dürfen, abgelehnt. „Die Sakramentsspendung ist den ordinierten Geistlichen der Landeskirche vorbehalten“, so der Badische Oberkirchenrat.

Erst ein Jahr später, als der kriegsbedingte Mangel noch größer war, gab es aus Karlsruhe „unter ausdrücklicher Begrenzung auf die Kriegsdauer“ für Doris Faulhaber und zwei weitere Theologinnen im Kirchenbezirk Mannheim, Felicitas Feuerstein und Gudrun Giltscher, die Erlaubnis, Gemeindegottesdienste abzuhalten und das Abendmahl zu reichen.

Doris Faulhaber - die Mutter des Talars

Das schwarze Kleid, in dem sie bislang ihren Dienst versah, erschien Doris Faulhaber nun unangebracht. Sie lieh sich zunächst einen Talar und ließ sich dann einen eigenen schneidern – mit einem Stehkragen und ohne Beffchen.

Ihr Dekan nahm dies wohlwollend zur Kenntnis. Gudrun Glitscher, die in Waldhof im Vikariat war, hörte davon und entwarf eine Version mit Umlegekragen.

Beide Modelle mussten letztlich dem Oberkirchenrat als Zeichnung vorgelegt werden und wurden nachträglich abgesegnet – ausdrücklich ohne Beffchen. Allerdings nahm Oberkirchenrat Karl Bender die Zeichnungen mit zu einer Konferenz der Kirchenführer und berichtete von der Einführung des Frauentalars im Badischen. Das hatte Signalwirkung: Bei einer Theologinnen-Tagung ein paar Wochen später wurde Doris Faulhaber als „Mutter unseres Talars“ gefeiert.

Grundsätzlich ist der Talar der evangelischen Pfarrer kein liturgisches Kleidungsstück, sondern ein Lehrgewand und geht auf Martin Luther zurück. Der Reformator trug nur am Altar ein Messgewand und zur Predigt auf der Kanzel meist eine Schaube; den weiten, etwa knielangen Überrock der Gelehrten.

Dieser entwickelte sich zum Talar – der Wortbedeutung nach ein „bis zum Knöchel“ reichender Überwurf. Zur Amtskleidung wurde der Talar 1811: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen führte ihn samt Beffchen per Kabinettsorder für Beamte in Preußen ein. Die galt auch für evangelische Pfarrer, und hier soll sich der König explizit an einem Bild Luthers mit Schaube orientiert haben.

Beffchen für Frauen in Baden erst ab 1959

Das Beffchen wurde für Frauen im Badischen erst 1959 zulässig. Bis zum vollen Ordinariat, für das Doris Faulhaber jahrzehntelang gekämpft hatte, dauerte es nochmal zwölf Jahre.

Erst 1971 nahm die Badischen Landessynode mehrheitlich den – auch da noch entlarvenden – Satz an: „Pfarrer im Sinne der Grundordnung ist auch die Pfarrerin.“ Dies war die gesetzliche Grundlage, dass die Frauen im Dienst der Badischen Landeskirche Gemeindepfarrerinnen werden konnten; mit allen Rechten und Pflichten.

Uta van Rensen lebt diese gerade mal 50 Jahre alte Gleichberechtigung ganz direkt: Ihr Mann Stephan ist ebenfalls Pfarrer, und eine Zeit lang teilten sie sich eine Pfarrstelle. Auch ihre Talare sind nahezu identisch. „Ich habe einmal versehentlich seinen eingesteckt. Er ist mir aber zu lang“, sagt Uta van Rensen.

Für sie zeigt der Talar ihre Rolle als Pfarrerin. Speziell bei Beerdigungen empfindet sie ihn auch als Schutz. Es gibt aber auch Situationen, in denen sie bewusst auf den Talar verzichtet. Beim „anderen Gottesdienst“ etwa, der ein Thema und viele Impulse, aber keine feste Form hat. Vorbereitet wird er von einer Gruppe der Gemeinde – von der sich Uta van Rensen dann nicht abgrenzen will.

Das sind die Gewinnerinnen und Gewinner von Teil 6 des Sommerrätsels

D – diese Antwort erschien Wolfgang Loos am plausibelsten unter den vorgeschlagenen Lösungen der sechsten Frage des Sommerrätsels zu sein. Auch glaubte er sich zu erinnern, schon einmal gelesen zu haben, dass das Beffchen der Pfarrer aus rein praktischen Gründen zum Bestandteil der Kleidung evangelischer Pfarrer geworden war.

Der Gewinner des Hauptpreises: Wolfgang Loos freut sich auf das Nationalpark-Hotel Schliffkopf. Foto: privat

Seine richtige Einschätzung sowie eine Prise Glück haben den BNN-Leser aus Wörth zum glücklichen Gewinner des ersten Preises gemacht: eine Übernachtung für zwei Personen im Hotel Schliffkopf im Nationalpark Schwarzwald, inklusive eines siebengängigen Gourmet-Menüs.

Auf einen BNN-Workshop kann sich Waltraud Hurst aus Karlsruhe freuen. Bei der zweieinhalbstündigen Schulung geht es um die Nutzung von Smartphones und Tablets. Die Teilnehmer lernen, wie sie die mobilen Geräten einsetzen können.

Richtig geraten hat auch Rainer Nitsche aus Stutensee. Er erhält Preis drei. Dabei handelt es sich um eine 8,5 Gramm schwere Silbermedaille aus der Weinbrenner-Serie. Verlost wurden zudem drei Picknickdecken. Sie gehen an Daniela Vogel aus Ettlingen, Elvira Weis aus Achern und Dieter Dilger aus Muggemsturm.

Das BNN-Sommerrätsel zum Thema „Kleider machen Leute“ ist mit dieser Runde zu Ende. Zahlreiche Leserinnen und Leser haben in den vergangenen Wochen eifrig mitgerätselt. Freuen Sie sich auf den Sommer 2022, wenn wieder geraten werden kann.

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