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Fragen und Antworten

Für den Corona-Impfschutz: Wer soll sich boostern lassen – und wann?

Der Impf-Booster ist in der Corona-Krise für jeden erhältlich. Aber was bringt die Auffrischungsimpfung – und gibt es zurzeit ausreichend Impfstoff? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Großflächiger Hinweis: Politiker und Virologen werben für eine Auffrischungsimpfung. Der sogenannte Booster soll den Impfschutz stärken. Foto: Oliver Berg/dpa

Überall ist die Rede vom Boostern. Das soll angesichts der steigenden Infektionszahlen in der Corona-Pandemie eine der Lösungen sein.

Dahinter stecken Auffrischungsimpfungen, die vor allem älteren und immungeschwächten Menschen empfohlen werden. Aber auch für andere Personengruppen wären diese nach Ansicht von Experten wichtig.

Doch angesichts langer Schlangen bei den Impfaktionen und der aufkommenden Forderungen nach einer Impfpflicht gibt es einige offene Fragen – unser Redaktionsmitglied Sebastian Raviol beantwortet die wichtigsten.

Warum sind die Booster-Impfungen wichtig?

Impfungen schützen effektiv vor schweren oder tödlichen Krankheitsverläufen und mindern die Ansteckungsgefahr für andere. Der Impfschutz nimmt jedoch vor allem bei älteren und immungeschwächten Menschen ab. Für sie ist eine Auffrischungsimpfung besonders wichtig. „Durch Boostern können wir die Wahrscheinlichkeit von so genannten Durchbruchinfektionen erheblich senken“, betont der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). Und er appelliert an alle, die es noch nicht getan haben: „Lassen Sie sich impfen.“ Als Vorbild wird oftmals Israel genannt. Hier schnellten die Infektionszahlen nach oben. Dann bot Israel als erstes Land Auffrischungsimpfungen an und liegt mittlerweile bei einem vergleichsweise niedrigen Inzidenzwert (38,6). „Das Beispiel Israel zeigt eindeutig, dass Booster-Impfungen das alles Entscheidende sind, um die vierte Welle zu bekämpfen“, sagt Intensivmediziner Gernot Marx aus Aachen.

Wem wird zur Auffrischungsimpfung geraten?

Anspruch auf eine kostenlose Booster-Impfung hat laut Impfverordnung grundsätzlich jeder, dessen zweite Impfung sechs Monate zurückliegt. „Boostern nach sechs Monaten sollte die Regel werden, nicht die Ausnahme“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Bei einer Impfung mit dem Impfstoff von „Johnson & Johnson“ wird die Auffrischung schon nach vier Wochen empfohlen. Das baden-württembergische Sozialministerium nennt vor allem ältere Menschen und die Bewohnerinnen und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen. „Aber auch bei bestimmten Berufsgruppen wie Pfleger, Lehrerinnen, Erzieher oder Polizistinnen, die Kontakt zu vielen Menschen haben, werben wir für die Drittimpfung“, heißt es. „Sie alle wurden schon sehr früh geimpft, entsprechend ist davon auszugehen, dass die Immunantwort langsam nachlässt.“ Genesenen wird derzeit keine Booster-Impfung empfohlen.

Warum gibt es lange Wartezeiten beim Hausarzt?

Manche Impftermine liegen tatsächlich erst im neuen Jahr, zum Beispiel im Februar. „Die Ärzte sind sehr stark belastet“, sagt Manfred King vom Hausärzteverband Baden-Württemberg. Sie seien neben den Corona-Impfungen derzeit auch durch Grippe-Impfungen sowie Patienten mit den üblichen Erkältungskrankheiten sehr beansprucht.

Werden die Impfzentren nun doch wieder gebraucht?

In der Schwarzwaldhalle hatte man bis zuletzt 400 Menschen pro Tag geimpft – doch andernorts war die Resonanz deutlich geringer. Daher ließ das Land den Betrieb der Impfzentren Ende September auslaufen. Die Hallen werden wieder anderweitig genutzt, in der Karlsruher Messe etwa finden wieder Veranstaltungen statt. Nun sind mehr als 7.000 Hausärzte und fast 10.000 Fachärzte zusammen mit den mobilen Impfteams die Hauptpfeiler der Impfstrategie in Baden-Württemberg. Bis Ende Dezember finanziert das Land die Kosten für die mobilen Teams mit 24 Millionen Euro. Eine Verlängerung über das Jahresende hinaus ist angedacht.

Kreuzimpfungen sollen beim Boostern besonders effektiv sein. Stimmt das?

Ja. Es habe sich gezeigt, dass bei einer Kreuzimpfung deutlich mehr Antikörper gebildet werden, schreibt das Bundesgesundheitsministerium. Heißt: Der Effekt ist höher, wenn auf einen Vektor-Impfstoff (Astrazeneca) beim zweiten Mal ein mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna) folgt. Um diese Wirkung sicher zu erreichen, wird bei der Auffrischungsimpfung in jedem Fall Biontech oder Moderna verwendet. Die Stiko empfiehlt für Menschen unter 30 Jahren und für Schwangere generell nur noch Impfungen mit dem Biontech-Vakzin.

Gibt es derzeit ausreichende Impfstoff-Mengen?

„Es mangelt nicht an Impfstoff – der ist lieferbar“, sagt Frank Eickmann vom baden-württembergischen Apothekerverband. Der Bund signalisiere, wenn die Liefermengen eingeschränkt werden müssen, und das sei jetzt nicht der Fall. Die Arztpraxen würden derzeit den Impfstoff geliefert bekommen, den sie bei den Apotheken bestellten. Das Bestellverfahren soll nun noch beschleunigt werden. Ärztinnen und Ärzte bestellen Anfang der Woche und erhalten den Impfstoff in der kommenden Woche. Bislang hatte es einen 14-Tages-Rhythmus gegeben.

Die Rufe nach einer Impfpflicht werden wieder lauter. Wie realistisch ist das?

Der Zuspruch für eine Impflicht scheint zu steigen. 53 Prozent der Teilnehmenden einer Forsa-Umfrage sprachen sich zuletzt dafür aus. Im August waren es noch 33 Prozent gewesen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert indes eine „Impfpflicht für Multiplikatoren“ – also für Pfleger, Lehrpersonal und andere Berufsgruppen mit viel Kontakt zu anderen Menschen. Minister Jens Spahn hat eine Impfpflicht mehrmals abgelehnt. Zuletzt im August äußerte er seine Sorge vor einer gesellschaftlichen Spaltung. Die Haltung gilt nach wie vor, wie das Bundesgesundheitsministerium auf BNN-Anfrage bestätigt.

Tabletten kommen auf den Markt. Wie können die helfen?

Die Briten setzen auf die Tablette Lagevrio, die kürzlich zugelassen wurde. Sie soll die Vermehrung des Virus effektiv mindern und damit schwere Krankheitsverläufe verhindern. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat kürzlich ein Verfahren gestartet, das die Zulassung in der EU beschleunigen soll. Zuletzt meldeten mehrere Unternehmen positive Studienergebnisse, darunter Pfizer mit seiner Corona-Pille Paxlovid. Doch erst mit einer Zulassung dürfen diese Medikamente in den Apotheken landen. Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, Mitglied der Leopoldina, fordert eine intensivere Forschung: „Die wenigen vorhandenen Medikamente gegen Sars-CoV-2 reichen nicht.“

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