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Christopher Street Day in Karlsruhe: Die Regenbogenfahne war das prägende Symbol in der Innenstadt

Die Stimmung hat unter dem kurzen Schauer nicht gelitten. Hunderte Menschen gingen in Karlsruhe auf die Straße, um ein Zeichen für Toleranz zu setzen. Mit dabei war bei den meisten die symbolische Regenbogenfahne.

Die Parade zum Christopher Street Day zog durch die Stadt: Zu den 320 gemeldeten Personen gesellten sich noch viele weitere hinzu, um in Karlsruhe am Samstag für Toleranz zu demonstrieren. Foto: Tanja Mori Monteiro

Die Farben des Regenbogens haben am Samstagmittag die Karlsruher Innenstadt geprägt. Der Himmel war zwar zwischenzeitlich grau.

Für reichliche Farbe sorgten jedoch die Teilnehmer des Christopher Street Day (CSD). Der Parade gingen symbolisch sechs Menschen voraus: bekleidet in Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Lila.

„Pride must go on!“ lautete das Motto der Veranstaltung. Mit dieser setzte der CSD Karlsruhe ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans-, Inter- und queeren Menschen.

Teilnehmerzahl der Parade war begrenzt

320 Personen durften an der Parade teilnehmen, so Thomas Ehlies aus dem Vorstand des CSD Karlsruhe. Die Anzahl war aufgrund der Corona-Pandemie begrenzt. Man habe sich daher auf offizielle Gruppen und Vereine beschränkt.

„Wir waren überbucht“, betont er. Zuschauer waren jedoch entlang der Strecke, die am Schlossplatz begann und nach einer Runde über die Markgrafen- und Kaiserstraße endete, erlaubt. Und die kamen zahlreich hinzu.

So bekommen Passanten Denkanstöße und sehen unser Anliegen.
Thomas Ehlies, aus dem Vorstand des CSD Karlsruhe

Die Parade und die anschließende Kundgebung wurden live über die sozialen Medien übertragen. 2020 konnte der CSD nur in einer kleineren Version online stattfinden. „Es ist wichtig, dass wir öffentlich sichtbar sind“, freut sich Ehlies über den Termin am Samstag.

„So bekommen Passanten Denkanstöße und sehen unser Anliegen.“ Üblicherweise ist Ehlies für das anschließende Familienfest zuständig. Das aber falle in diesem Jahr erneut aus.

Polizei lobt friedliche Stimmung

Die Polizei berichtete von einer friedlichen und schönen Stimmung. Die Anzahl an angemeldeten Personen sei zwar überschritten worden. Der Maskenpflicht seien aber fast alle Demonstrierenden nachgekommen. Bei der Kundgebung am Schlossplatz sei zuletzt nur schwer zu überschauen gewesen, wer zum CSD gehöre und wer nicht, so die Polizei.

Für Asil ist der CSD eine Möglichkeit, Sichtbarkeit für die queere Gemeinschaft zu schaffen. Der 18-Jährige nahm mit dem queeren Jugendzentrum La Vie bei der Parade teil. Weitere Gruppen, wie etwa die Klimaliste Baden-Württemberg, Amnesty International oder der Bund der Deutschen Katholischen Jugend, reihten sich dahinter ein.

„Ich bin hier um meine Freunde zu unterstützen“, erzählt Hilka, die gemeinsam mit Asil eine große Regenbogenfahne trug.

Ich bin hier, weil es schön ist, wenn Menschen sich lieben.
Finja, 17-jährige bisexuelle Frau

Entlang der Strecke versammelten sich zur Parade zahlreiche Zuschauer. Einigen von ihnen waren ebenfalls in die bunten Flaggen gewickelt, die symbolisch als Zeichen für Toleranz und Vielfalt stehen. Eine von ihnen ist Finja. „Ich bin eine bisexuelle Frau“, erzählt die 17-Jährige offen. „Ich bin hier, weil es schön ist, wenn Menschen sich lieben.“ Nirgendwo fühle sie sich so aufgenommen wie beim CSD.

Begleitet wurde sie von ihrem Freund. Doch in einer vorherigen Beziehung mit einer Frau habe sie bereits erlebt, wie schwer gleichgeschlechtliche Paare es noch immer haben. „Wir wurden mit Glasflaschen beworfen, als wir uns geküsst haben“, sagt Finja. „Es fehlt noch viel, bis wir offen leben können.“

Auch für Pierre-Andre war es wichtig, zumindest am Rand dabei zu sein. Der 19-Jährige habe sich erst vor gut einem Jahr geoutet. „Beim CSD kann man der ganzen Stadt zeigen, dass man nicht alleine ist und die Gemeinschaft zusammenhält“, betont er.

Auch Kirche St. Stephan bekannt Farbe

Die Teilnehmenden des CSD machten nicht nur optisch auf sich aufmerksam. Tanzend und mit Musik bewegten sie sich durch die Innenstadt. So wurden sie beispielsweise auch vor der Katholischen Kirche St. Stephan bejubelt. Dort wehte an jeder der Säulen eine Regenbogenfahne. Bunte Sticker und Karten wurden an Passanten verteilt.

„Wir wollen zeigen, dass wir für Vielfalt und Buntheit stehen“, erklärt Achim Kaltwasser, Sakristan von St. Stephan. Nach dem Nein von Rom für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, sei es umso wichtiger ein Zeichen dafür zu setzen, dass man für alle Menschen offen sei.

Es gibt noch genügend Gründe, für Toleranz zu demonstrieren.
Karsten Krämer, Vorsitzender des CSD Karlsruhe

„Es gibt noch genügend Gründe, für Toleranz zu demonstrieren“, betont später Karsten Krämer, Vorsitzender des CSD Karlsruhe, bei der Kundgebung auf dem Schlossplatz.

Im Hintergrund wehte die Regenbogenfahne, die vom Badischen Landesmuseum auf dem Schloss gehisst wurde. „Diskriminierung ist noch alltäglich“, so Krämer. „Aber die Stadt war so bunt heute.“

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