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Ursprünglich 500 Millionen

Chronik einer Kostenexplosion: Wie der Preis für die U-Strab in Karlsruhe sich fast verdreifachte

Die Kosten und die Zeit laufen Karlsruhe beim Stadtumbau per Kombilösung davon. Wie kommt es nur dazu? Eine Chronik der Preis- und Zeitsprünge erklärt die Entwicklung, in deren Verlauf die Kosten für das Projekt von ursprünglich geplanten 500 Millionen auf bislang 1,3 Milliarden Euro stieg.

Die Kosten rennen davon: Der Preis für die U-Strab hat sich mittlerweile fast verdreifacht. Foto: N/A

Vor allem der Bau der U-Strab verschlingt immer mehr Millionen, und es braucht noch ein paar Monate mehr bis zu deren Inbetriebnahme. Auch 1,3 Milliarden Euro sind für die Kombi aus U-Strab und Umbau der Kriegsstraße zum Bahn-Boulevard mit Autotunnel nicht genug.

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Ursprünglich sollte der Stadtumbau mit dem doppelten Stollenwerk für den Schienen-Nahverkehr und die Autofahrer den Steuerzahler nur 500 Millionen Euro kosten. Für den Bau der U-Strab sollten sieben Jahre und für die Umgestaltung der Kriegsstraße mit Autotunnel vier Jahre Bauzeit reichen.

Demnach wäre die Kombilösung bereits Ende 2018 fertig – Straßenbahnen und Autos würden also bereits seit über zwei Jahren durch ihre Tunnel rollen.

2002: 500 Millionen, wenige Störungen für die Bürger

Der Kostenvoranschlag als Entscheidungsgrundlage beim Bürgerentscheid zur Kombilösung vor 18 Jahren spricht von 500 Millionen Euro für das Gesamtpaket aus U-Strab und Autotunnel.

Man verspricht den Karlsruhern, dass die U-Strab-Stationen auf den Plätzen jeweils binnen zwei Jahren mit wenig Störungen für die Bürger eingebaut seien. Für die U-Strab sind insgesamt sieben, für den Umbau der Kriegsstraße zeitversetzt vier Jahre angesetzt.

Die halbe Milliarde gilt noch, als die Stadt den Förderantrag bei Bund und Land stellt. Die Subventionsgeber für Schienenverkehrswege willigen ein und zahlen zusammen 80 Prozent der förderfähigen Kosten.

2010: Negative Überraschungen zum Baustart

Am 21. Januar 2010 ist offizieller Baustart per Spatenstich auf dem Europaplatz. Negative Überraschungen im Untergrund der Kaiserstraße vergrößern den Bauaufwand rasch.

Schnell wird auch klar: Für die U-Strab braucht man viel mehr Bauzeit. Wesentlich zeitraubender als versprochen ist vor allem der Kraftakt, die U-Strab-Stationen in Deckelbauweise von oben unter den Plätzen einzugraben.

2015: Das Pflaster sackt ab und es gibt Streit

Der riesige Tunnelbohrer „Giulia“ muss zwei Mal stoppen, weil das Pflaster der Kaiserstraße absackt. Es bleibt bei kleinen Havarien. Binnen neun Monaten hat „Giulia“ die Röhre unter der Kaiserstraße verlegt. Beim Pokern des Tunnel-Baukonzerns mit der Stadt steigen die Kosten. 2016 werden die Arbeiten am Südabzweig deshalb über viele Wochen eingestellt.

Zum Thema:

Immer wieder gibt es Streit um Nachforderungen und Mehrleistungen. Das Sicherheitsdenken und der drohender Zeitverlust lassen wiederholt die Kosten anschwellen. Der Preis für den Umbau der Kriegsstraße zum Boulevard ohne Durchgangsverkehr mit oberirdischer Straßenbahn zwischen Baumreihen und einem Autotunnel wird unverändert mit 225 Millionen Euro angesetzt.

Davon entfallen 150 Millionen auf den Autotunnel. An dieser Schätzung hat sich bis heute laut Kasig kaum etwas geändert. Der Bundesrechnungshof bezweifelt, dass die auf 900 Millionen verteuerte Kombilösung noch wirtschaftlich ist.

Die Einwände der Ausgabenwächter bleiben letztlich folgenlos. Aber dadurch verschiebt sich der Baustart für den Autotunnel. Der beginnt letztlich im Jahr 2017 mit drei Jahren Verspätung.

Im Jahr 2018 wird dann bekannt: Die Kombi-Kosten steigen erneut, liegen nun bei 1,2 Milliarden Euro.

2019: Die U-Strab verschiebt sich gleich zwei Mal - und die Preise gallopieren

Die nächste Kostenfortschreibung kommt im März 2019. Nun wird die U-Strab-Inbetriebnahme zu Weihnachten 2020 angestrebt. Im Sommer folgt die Korrektur. Jetzt soll es erst im Sommer 2021 so weit sein.

Vor allem Nachforderungen der Baufirma für den bergmännischen Vortrieb der Betonröhre unter der Karl-Friedrich-Straße treiben den Preis um weitere 100 Millionen auf 1,3 Milliarden hoch. Eine große Rolle spielen auch schon die galoppierenden Preise in der Bauhochkonjunktur für die Handwerker beim Innenausbau.

2020: Die Kasig sagt den nächsten Preissprung voraus

Der schleppende Fortgang des Innenausbaus der sieben U-Strab-Stationen lässt für Beobachter wahrscheinlich werden, dass die U-Strab frühestens Ende 2021 mit der Inbetriebnahme des Autotunnels und der Straßenbahnlinien auf der Kriegsstraße rollt.

Offiziell hält die Stadt indessen für den U-Strab-Start an Mitte 2021 fest. Die Kasig bestätigt, dass der nächste Preissprung im Sommer bevorsteht. Der Betrag, den der Konzern Stadt selbst zu berappen hat, wird sich damit weiter der halben Milliarde annähern.

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