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Kritik an Arzt-Honoraren

Corona-Impfstoff erwartet: So ist die Lage beim Impfzentrum in Karlsruhe vor dem Start

Anfang Januar soll der Impfbetrieb in der Messe Karlsruhe starten. Der Plan, nach dem die Impfungen ablaufen sollen, steht bereits. Kritik gibt es aber auch: Sind die Honorare für die Ärzte im Impfzentrum wirklich „unanständig überzogen“?

Es fehlen nur die Terminsoftware und der Impfstoff: Im neuen Corona-Impfzentrum in Rheinstetten soll Anfang Januar die Massen-Immunisierung der Bevölkerung starten. Foto: Jörg Donecker

Das Wichtigste fehlt noch in Halle 2 der Messe in Rheinstetten: der Corona-Impfstoff. Wenige Tage vor dessen erhofften Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA melden Stadt und Landkreis Karlsruhe jedoch eine hohe Bereitschaft für den Start der Massen-Immunisierung in der Region gegen Sars-CoV-2.

Das neue Zentrale Impfzentrum (ZIZ) auf 12.500 Quadratmeter Fläche steht bereit. Unmittelbar nach Weihnachten ist auf dem Messegelände ein Probelauf geplant. „Wir gehen davon aus, ab Anfang Januar für den „ersten Pieks“ startbereit zu sein“, sagte den BNN die Karlsruher Bürgermeisterin Bettina Lisbach.

Sollte vorher ein Impfstoff für das ZIZ zur Verfügung stehen, könnten die Impfungen auch eher beginnen, machte die Verantwortliche im Corona-Stab der Stadt klar.

Am Anfang wird der Impfstoff nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung stehen.
Bettina Lisbach, Bürgermeisterin Karlsruhe

In Rheinstetten sollen bis Ende April täglich bis zu 1.500 Menschen geimpft werden. Im Idealfall. Nach Informationen der Stadt wird der straff organisierte Impfbetrieb in drei Schichten von 7 bis 21 Uhr diese Leistung zunächst aber kaum erreichen können.

Denn Bürgermeisterin Lisbach rechnet damit, „dass am Anfang nur in sehr begrenztem Umfang Impfstoff zur Verfügung stehen wird“. Das könnte auch die Effizienz der mobilen Impfteams beeinträchtigen, die sich in der ersten Zeit voraussichtlich auf Pflegeeinrichtungen in der Region fokussieren sollen.

Erhält Baden-Württemberg mit dem ersten Schwung 600.000 Dosen?

Die Impfstoff-Zuteilung in der EU basiert auf einem Verteilungsschlüssel nach der Bevölkerungszahl. Deutschland kann mit rund 19 Prozent des Gesamtkontingents rechnen. Auch zwischen den Bundesländern soll die Aufteilung nach Einwohnerzahl erfolgen. Im November ging Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha davon aus, dass der Südwesten zunächst etwa 600.000 Dosen des Biontech-Impfstoffs erhalten wird. Aktuell möchte sich das Ministerium aber nicht festlegen, wann genau und wie viele Dosen nach Baden geliefert werden könnten.

Es ist ohnehin ein komplexer Prozess. Wenn die EMA, wie erwartet, am 21. Dezember den Impfstoff zulässt, muss erst die EU-Kommission seiner Vermarktung zustimmen. Dann muss er für die Verwendung in Deutschland erlaubt werden, zuständig dafür ist das Paul-Ehrlich-Institut in Langen.

Nach der Chargenprüfung und -freigabe wird die Ständige Impfkommission (Stiko) eine offizielle Impfempfehlung abgeben. Schließlich muss noch der Bund den Kreis der priorisierten Personen für die Impfung festlegen. Es wird erwartet, dass zunächst Senioren über 70 oder 80 Jahre, Menschen mit Vorerkrankungen und Mediziner geschützt werden.

Die für das Terminmanagement erforderliche Software fehlt noch

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) könnten die Impfungen in Deutschland mit dem Biontech-Stoff „innerhalb von zwei bis vier Tagen“ nach Weihnachten starten. Im Südwesten sieht man sich dafür gut gerüstet. Nach Angaben der Landesregierung sind heute fast alle neun Zentrale Impfzentren betriebsbereit, es fehle neben dem Vakzin lediglich die für das Terminmanagement erforderliche Software vom Bund. Es habe bereits verschiedene Probeläufe in den Zentren gegeben. Weniger Klarheit gibt es bei deren Personalausstattung.

Es gibt sehr viele Personen, die Interesse an einer Mitarbeit im Impfzentrum bekundet haben.
Bettina Lisbach, Bürgermeisterin Karlsruhe

Das ZIZ in Rheinstätten ist auf einen gleichzeitigen Einsatz von bis zu 20 Impfteams ausgelegt. Landesweit werden für alle solche Zentren bis zu 1.100 Mitarbeiter benötigt und weitere etwa 3.600 Personen für die 50 geplanten Kreisimpfzentren, die ab Januar in Betrieb gehen sollen. Es könne vor Ort noch zu personellen Engpässen kommen, warnt das Sozialministerium.

In Karlsruhe scheint der Corona-Stab dennoch relativ entspannt zu sein. „Den bisherigen Rückmeldungen zufolge gibt es sehr viele Personen, die Interesse an einer Mitarbeit im Impfzentrum bekundet haben“, sagte Bettina Lisbach. Dies betreffe sowohl Ärzte als auch medizinisches Fachpersonal.

Dessen Bezahlung gilt als ein kontroverses Thema. Die Landesregierung in Stuttgart hat einen Stundensatz von 130 Euro für Ärzte vorgeschlagen, die damit täglich für Beratung und Impfung 1.040 Euro verdienen könnten. In Interviews mit dem SWR nannten einige Mediziner diesen Lohn „unanständig und überzogen“.

Die Ärzte werden physisch und psychisch stark beansprucht.
Landesärztekammer Baden-Württemberg

In einer Stellungnahme für die BNN nennt die Landesärztekammer die relativ hohen Honorare jedoch angemessen. „Es geht nicht allein um den Impfvorgang, also den ,Pieks’ an sich“, stellt ein Sprecher klar. „Aufklärung der Impflinge, ärztliche Überwachung nach der Impfung, Nachsorge und Besprechung weiterer Schritte, Eingreifen bei eventuellen Notfällen – dies alles gehört dazu und führt dazu, dass die Ärztinnen und Ärzte physisch und psychisch stark beansprucht werden.“

Acht Stunden Arbeit in Schutzausrüstung ohne Pause

Zu bedenken ist laut Ärztekammer noch die Tatsache, dass Ärzte in den Zentren „voraussichtlich acht Stunden in ihrer persönlichen Schutzausrüstung fast ohne Pause durcharbeiten werden“. Zudem koste beispielsweise im ambulanten Bereich eine Betriebsstunde einer kleineren ärztlichen Praxis bereits etwa 100 Euro. „Ärzte, die in den Impfzentren mitarbeiten, müssen folglich mit einem finanziellen Ausfall rechnen. Die Fairness gebietet, ihn gegenzurechnen.“

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