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Kürzere Öffnungszeiten

Corona nimmt Karlsruhern die Lust am Einkaufsbummel

In Zeiten der Corona-Krise vergeht vielen Karlsruhern die Lust am Einkaufsbummel. In der Kaiserstraße ist weniger los als sonst. Einige Geschäfte schließen ab kommendem Montag in der Folge früher als bisher. In den Supermärkten hingegen sind viele Regale leer.

Keineswegs leergefegt ist die Karlsruher Kaiserstraße in Zeiten der Corona-Krise. Dennoch kommen weniger Menschen als sonst in die City. Foto: Sandbiller

Kinos, Bäder und Theater sind zu in Karlsruhe. Und in Zeiten der Corona-Krise vergeht vielen offenbar auch die Lust am Einkaufsbummel. Die Kaiserstraße ist am Samstagmittag alles andere als leer. Doch es sind weniger Menschen unterwegs als sonst.

Unter der Woche war dieser Rückgang zuletzt noch deutlicher zu spüren. Einige Geschäfte – darunter Peek und Cloppenburg, das Modehaus Schöpf und der Herrenausstatter Hirmer – reduzieren ab Montag ihre Öffnungszeiten. Statt um 20 Uhr ist dann schon um 19 Uhr Schluss.

Ich habe alle Lieferungen gestoppt

„Es kommen eindeutig weniger Kunden in die Stadt“, berichtet Melitta Büchner-Schöpf vom Modehaus Schöpf. „Wer kommt, kauft auch. Aber wir haben dennoch Rückgänge“, sagt die Unternehmerin.

Petra Lorenz, die im Gepäckraum Taschen verkauft, verzeichnete in der vergangenen Woche Umsatzrückgänge von 60 Prozent. „Ich habe alle Lieferungen gestoppt.“ Am Samstag ist in dem Geschäft mehr los als die Tage zuvor. „Viele sind pragmatisch. Sie sagen: Das Leben geht weiter“, so Lorenz. Auch Peter König aus der Pfalz sagt: "Ich kann doch nicht nur daheim sitzen und mich verrückt machen." Er bummelt mit seiner Tochter durch die Geschäfte.

Von einem normalen Samstagsbetrieb kann jedoch keine Rede sein. Bei Karstadt, Breuninger und Peek und Cloppenburg herrscht wie im Ettlinger Tor spürbar weniger Andrang. Das ist auch so bei der Buchhandlung Thalia in der Kaiserstraße. Doch auch dort gilt: Wer kommt, greift zu.

„Viele kaufen mehrere Bücher, ganze Reihen. Das gilt ebenso bei den Kinderbüchern“, bilanziert Julia Weßbecher. Stärker als sonst gefragt seien Brettspiele und elektronische Lesegeräte. „Viele überlegen, wie sie ihre Kinder in den nächsten Wochen beschäftigen“, so Weßbecher.

Mehr Hamsterkäufe in Supermärkten

Meterweise leere Regale in den Supermärkten: Die Hamsterkäufe nehmen offensichtlich zu. Im Karlsruher Osten eilen am frühen Samstagmittag die Kunden von Aldi zu Lidl, dann zu dm und zu Alnatura und von dort zu Rewe – doch in jedem der Märkte im Bereich der Käppelestraße ist beispielsweise Toilettenpapier ausverkauft. Gleiches gilt für Scheck-In am Mendelssohnplatz, wo Kunden am Eingang Reinigungstücher aus einer Box ziehen können, um die Griffe des Einkaufswagens zu desinfizieren.

Im Westen der Stadt ist schon um 10 Uhr das Regal mit Toilettenpapier leer. „Die Hamsterkäufe werden mehr, sie sind krass“, sagt Marktleiter Milos Maric. Waren vor zwei Wochen noch Desinfektionsmittel ausverkauft, sind nun auch Seifen weg. „Besonders gefragt sind zudem Zucker, Reis, haltbare Milch, Mehl und Thunfisch in Dosen“, berichtet Maric. Nachschub sei nicht immer so einfach zu bekommen. „Da gibt es zum Teil schon Engpässe.“

Inzwischen würden von den Kunden verstärkt auch Süßwaren und Alkohol gehamstert, sagt der Chef des CAP-Marktes, der einen Lieferservice anbietet. „Da bemerken wir eine leicht steigende Nachfrage“, so Maric.

Schlangen auf dem Wochenmarkt

Die Schlange am Putenstand ist lang. Auch beim Bäcker warten viele Menschen geduldig auf Brot und Brezel. Der Andrang auf dem Wochenmarkt auf dem Gutenbergplatz in der Weststadt ist am Samstag minimal geringer als in den Zeiten vor der Corona-Krise. „Das Geschäft läuft gut“, berichtet Michael Pillmann, der Obst und Gemüse anbietet. Dabei gibt der Händler zu: „Ich habe mir schon überlegt, ob ich herkomme. Aber die Leute warten ja auf uns.“

Auch Bono Gargolov hatte gezögert, seine mobile Kaffeebar aufzubauen. „Ich wurde von einer früheren Mitarbeiterin überredet. Sie sagte, man darf keine Panik machen. Und in der Gastronomie arbeitet man ohnehin mit hohen Hygienemaßstäben.“ Gargolov fühlt sich wohl am Rande des Marktgeschehens. Doch an seinen Tischen verweilen weniger Kunden als sonst.

Französische Händler sind nicht da

Im Herzen des Gutenbergplatzes leuchten am Blumenstand Tulpen um die Wette. Drum herum klaffen Lücken in den Reihen. Weder der französische Flammkuchenstand noch sein Landsmann mit der Salami sind da. Auch der Wagen der Bäckerei "La Minzbrueck" fehlt.

Antonio Raiolo verkauft seine italienischen Spezialitäten. „Ich lebe seit 40 Jahren in Stuttgart.“ Er habe nicht gezögert, seinen Stand aufzubauen, sagt der Mann, der ursprünglich aus Kalabrien stammt. „Da ist die Lage wie hier“, berichtet er.

Viele halten keinen Abstand

Kunden schlendern umher, genießen die Sonnenstrahlen am Krautkopfbrunnen, stehen bei den Stände an. „Ich versuche Abstand zu halten, viele tun das aber nicht“, berichtet Sabrina Weiß, die aus Freiburg zu Besuch in Karlsruhe ist. „Wenn ich in der Schlange 50 Zentimeter Abstand halte, werde ich gefragt, ob ich auch anstehe.“

Rückgabeschalter bei Bibliothek überlastet

Albert Camus erlebt in Zeiten der Corona-Krise ein Comeback bei breiterem Publikum. Sein 1947 erschienener Roman „Die Pest“ ist derzeit wieder stark gefragt, berichtet Julia Weßbecher von der Thalia-Buchhandlung in der Kaiserstraße. Möglicherweise habe da aber auch die Besprechung im jüngsten Literarischen Quartett dazu beigetragen. Ebenso gerne gekauft werde das Werk Blackout von Marc Elsberg.

Bein einem Rundgang am Samstag hat unser Fotograf auch zahlreiche Orte in Karlsruhe gefunden, die zumindest vormittags noch wenig besucht waren. An vielen öffentlichen Einrichtungen wurden zudem Fotos von Hinweisen angebracht, dass der Betrieb vorerst eingestellt ist

Die Stadtbibliothek ist erst einmal bis 19. April zu. Bis dahin fallen für alle, die Bücher oder DVD daheim haben und sie in den nächsten Tagen zurückgeben müssten, keine Versäumnisgebühren an. Dennoch wollte am Samstag offenbar mancher Medien zurückgeben. Beim Rückgabeschalter gab es wegen Überlastung eine technische Störung.

Wenn Regale in den Supermärkten leer sind, sinkt bei manchem offenbar die Moral: Das Restaurant Carpe Diem in der Weststadt informiert inzwischen per Aushang am Eingang, dass niemand Hygieneartikel aus der Toilette oder auch Zucker mitgehen lassen darf.

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