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Neue Corona-Regeln

Kostenpflichtige Antigen-Tests: Das sagen die Menschen aus Karlsruhe und der Region dazu

Baden-Württemberg macht wieder auf – für Geimpfte. Für Ungeimpfte hingegen kann es teuer werden. Sie müssen in vielen Situationen Tests vorweisen – und die bald selbst bezahlen. Was sagen die Menschen zu den neuen Regeln?

Antigen-Schnelltests sind ab dem 11. Oktober nicht mehr kostenlos. Doch bereits vorab werden in einigen Situationen PCR-Tests von Ungeimpften gefordert, die sie selbst bezahlen müssen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Ab Montag dürfen die Menschen in Baden-Württemberg wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen – sofern sie geimpft, getestet oder genesen sind.

Für Ungeimpfte kann es schon ab kommender Woche teuer werden, denn: Bei kulturellen Veranstaltungen im Innenbereich sowie in Diskotheken brauchen Ungeimpfte einen negativen PCR-Test, den sie selbst bezahlen müssen. Kostenpunkt: 30 bis 50 Euro.

Bei körpernahen Dienstleistungen, bei der Innen-Gastro und bei Friseuren soll ein Antigen-Test ausreichen. Dieser ist derzeit noch kostenlos, allerdings nur bis zum Herbst. Ab 11. Oktober müssen auch Antigen-Schnelltests aus eigener Tasche bezahlt werden. Das gilt mit einigen Ausnahmen für Ungeimpfte und für Leute, die nicht nachweisen können, eine Corona-Erkrankung hinter sich gebracht zu haben.

Was sagen die Menschen aus der BNN-Region zu den neuen Antigen-Test-Regeln?

Lilith Rodenkirchen empfindet den indirekten Zwang durch kostenpflichtige Antigen-Tests als schwierig. Foto: Klaus Müller

„Mein erster Gedanke: Das finde ich gut. Es kann sich ja jeder impfen lassen. Je mehr ich aber darüber nachdenke, desto weniger kann ich mir eine klare Meinung bilden. Testen ist wichtig. Aber man sollte keinen Zwang ausüben. Und indirekt wird das durch die neue Regelung gemacht. Das ist ein ganz schweres Thema“, sagt Lilith Rodenkirchen, eine Passantin in der Karlsruher Innenstadt.

Philipp Eckerle hat eine klare Meinung zu kostenpflichtigen Antigen-Tests. Foto: Julia Trauden

Philipp Eckerle aus Ettlingen ist deutlicher: „Dass Corona-Tests kostenpflichtig werden, finde ich richtig. Jeder hat ein Impfangebot bekommen. Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können oder für die es keine Impfempfehlung gibt, brauchen natürlich eine Sonderlösung. Zu Leuten, die sagen „Ich lasse mich nicht impfen, weil Bill Gates dann meine Gedanken liest“, kann ich nur sagen: Tut mir leid. Die enormen Kosten für die Gratis-Tests kann der Staat nicht die ganze Zeit stemmen.“

Paul Richter findet, Impfverweigerer sollen tief in die Tasche greifen müssen. Foto: Stephan Friedrich

Für Paul Richter aus Rastatt können die Corona-Tests gar nicht teuer genug sein: „Die Leute müssen das richtig im Geldbeutel spüren“, sagt er und spricht sich gleichzeitig für Ausnahmen aus, wie sie auch schon beschlossen sind. So sollen unter anderem Schwangere, Kinder und Jugendliche und nicht zu impfende Personen sich auch künftig kostenlos testen lassen dürfen. „Wer sich aber bewusst gegen eine schützende Impfung entscheidet, der soll künftig für die Tests möglichst viel Geld bezahlen“, sagt Richter und fügt hinzu: „Für mich ist Impfen derzeit erste Bürgerpflicht.“

Hajnalka Schneider lehnt die Impfung ab und verzichtet eher auf den Restaurantbesuch. Foto: Stephan Friedrich

Hajnalka Schneider, ebenfalls auf dem Rastatter Marktplatz auf die neuen Regeln angesprochen, sieht das völlig anders: „Testen macht aus meiner Sicht keinen Sinn, da doch sowieso mehr als 99 Prozent der Tests negativ sind“, behauptet sie. Sollten Tests bald Geld kosten, will sie diese auch weiterhin nicht in Anspruch nehmen. „Da verzichte ich lieber auf einen Restaurantbesuch“, so Schneider, die auch eine Impfung ablehnt und die Schutzmaske als Maulkorb bezeichnet. „Am besten wäre, wenn die Tests komplett abgeschafft werden, denn dann liegt die Inzidenz überall bei null und wir dürfen wieder alles machen wie zuvor“, verdeutlicht Schneider ihren Standpunkt.

Frank Urban aus Karlsdorf-Neuthard will Impfskeptiker überzeugen. Foto: Heike Schaub

„Wir wollen doch alle, dass die Pandemie bald vorbei ist“, meint Frank Urban aus Karlsdorf-Neuthard. Auch er ist geimpft. Nach seiner Meinung sei es an der Zeit, Skeptiker mit „sanftem Druck“ zu überzeugen: „Es muss weh tun“. Dass die Antigenschnelltests für Ungeimpfte dann etwas kosten, hält er nicht fair dem Einzelhandel oder den Gastronomen gegenüber. Mancher könnte es sich überlegen, ob er dann noch ins Kino geht oder einen Kaffee trinkt.

Björn Peeters aus Dettenheim hofft, dass sich durch die neuen Regeln noch mehr Menschen für eine Impfung entscheiden. Foto: Lena Ratzel

„Absolut richtig“ findet Björn Peeters aus Dettenheim die Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz, dass Ungeimpfte zukünftig ihre Tests selber zahlen müssen. „Wenn sich jemand aus bestimmten Gründen nicht impfen lassen kann, dann ist das nachvollziehbar, aber alle anderen sollten sich selbst und andere durch eine Impfung schützen“, sagt der 18-Jährige. Ab dem 11. Oktober werden die Antigen-Tests nun kostenpflichtig. Diesen Zeitpunkt sieht der Kindergärtner als Chance, dass bis dahin auch viele Menschen den vollständigen Impfschutz genießen, die sich erst in den kommenden Tagen für eine Impfung entscheiden. „Durch den getroffenen Beschluss gibt es hoffentlich eine erneute Impfwelle, Aktionen wie das Impfen im Freibad helfen sicherlich.“

(von Lena Ratzel, Heike Schaub, Philipp Fess, Julia Trauden, Klaus Müller, Stephan Friedrich)

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