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80.000 Kits gibt es vom Land

Kaum Stationen mit Corona-Schnelltests in Baden – woran liegt das?

Das Land Baden-Württemberg bietet vor Heiligabend Corona-Schnelltests an. In Baden gab es dabei aber offenbar ein größeres Missverständnis: Dort haben viele Rettungshelfer gar nicht von der Möglichkeit erfahren, sich zu beteiligen.

Das Land Baden-Württemberg bietet Schnelltests an. Den Großteil davon aber nicht in Baden. Woran liegt das? Foto: Roland Weihrauch/dpa

Das Sozialministerium in Baden-Württemberg bietet zur Weihnachtszeit in über 120 Städten oder Gemeinden im Südwesten Schnelltest an. So können sich Menschen vor Heiligabend auf das Coronavirus testen lassen.

Etwa 150 Teststationen sind es, die von Seiten des Landes mit Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), den Maltesern, dem Arbeiter-Samariter-Bund oder der Johanniter-Unfall-Hilfe durchgeführt werden. 80.000 solcher Schnelltests können am 23. und 24. Dezember durchgeführt werden - von Esslingen über Ravensburg nach Karlsruhe, Bretten und Heilbronn.

Die Aktion „Stille Nacht, einsame Nacht? Muss nicht sein!“ des Sozialministeriums ziele darauf ab, ein möglichst sicheres Weihnachtsfest für besonders gefährdete Personengruppen zu ermöglichen. Doch ein Blick auf eine Übersicht mit allen Stationen zeigt: Ein Großteil davon liegt in Württemberg.

Denn wer die vom Sozialministerium ausgefertigte Tabelle genauer studiert, stellt fest: In Nord- und Mittelbaden haben lediglich Karlsruhe (zwei Stellen) und Offenburg (eine Stelle) solche Stationen. Dazu kommen im Badischen noch Teststellen in Bretten oder Pforzheim, sowie mehrere im Schwarzwald und im Odenwald.

Kuriosum des Ministeriums in Ettlingen

Eine Teststation in Ettlingen hat bereits seit Donnerstag geöffnet. Diese wurde jedoch von einem dort ansässigen Medizintechnik-Unternehmen ins Leben gerufen und entstand nicht durch die Aktion des Landes. Außerdem kostet ein Test dort 25 Euro und wird nicht gratis angeboten.

Kurios: In Ettlingen werden noch zwei weitere Stationen vom Sozialministerium in der Tabelle aufgeführt. Dabei gibt es lediglich eine zentrale Station vor einer Pflegeeinrichtungen in Ettlingen. Und bei dieser dürfen sich am 23. Dezember nur Menschen checken lassen, die Angehörige besuchen. Diese Tests zahlt zu großen Teilen die Stadt.

Besonders die stark betroffene Stadt Mannheim mit einem Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von 304 (Stand 18. Dezember), oder der Rhein-Neckar-Kreis (Wert von 251) haben keine Teststation in ihrer Nähe. Auch Heidelberg taucht in der Tabelle nicht auf. Ebenso wenig Städte und Gemeinden im Landkreis Karlsruhe. Und auch der Landkreis Rastatt mit den Zentren Rastatt, Baden-Baden und Gaggenau hat keine Schnellteststation, die vom Land organisiert wird, auf seiner Gemarkung. Die ganze Liste finden Sie hier.

Woran liegt das? Profitieren die Schwaben? Werden die Badener gar benachteiligt?

Das Sozialministerium verneint das auf Anfrage. Und erklärt auch wieso: Man habe bei den Landesverbänden der Hilfsorganisationen angefragt, wer sich wie beteiligen kann und auch das Maximum von 80.000 Tests erwähnt. Die Hilfsorganisationen hätten demnach selbst festgelegt, „welche Standorte sie bespielen können“, so die Stellungnahme einer Ministeriumssprecherin. Eine flächendeckende Abdeckung für alle Bürgerinnen und Bürger sei nicht das Ziel gewesen.

So weit ist das Geschehen unstrittig. Allerdings ergab eine Rundfrage, dass speziell in Südbaden manche Helfer gar nichts von der Möglichkeit erfahren haben, sich an der Aktion zu beteiligen. Vertreter der DRK-Kreisverbände in Müllheim und Freiburg etwa sagten, sie seien von ihrer Landesvertretung nie gefragt worden.

DRK: Verbände vor Ort haben entschieden

120 Teststationen im Südwesten werden allein vom Roten Kreuz vor Weihnachten betreut. Die teils massiven Unterschiede regionaler Art sind dem DRK bekannt. Absicht stecke da jedoch nicht dahinter. „Wir haben alle Kreisverbände angefragt. Diese entscheiden dann vor Ort, ob sie eine Station anbieten können“, so der Sprecher.

Die Aktion sei kurzfristig auf die Beine gestellt worden und manche Verbände hätten einfach nicht die Kapazität gehabt, Teststellen anzubieten. „Das ist ein Zusatzservice, wo es möglich ist, dank der Arbeit vieler, ehrenamtlicher Helfer“, erklärt der Sprecher. Manche Kreisverbände seien vor der Aufgabe gestanden, mit wenig Test-Kits möglicherweise viel Andrang zu bewältigen.

Es sei auch nicht möglich gewesen, eine Teststation von einem Kreis mit vielen Stellen in einen Kreis mit wenigen umzusiedeln. „Wenn woanders eine weggenommen werde, entsteht keine neue an einem anderen Ort“, sagt der DRK-Sprecher.

Umgekehrt wirkt sich die höhere Anzahl in einer Region nicht negativ auf andere aus. Denn: Wer viele Stationen in seinem Gebiet hat, müsse seine Testkapazitäten eben verteilen.

Ehrenamtliche Helfer oft Mangelware

Sprecher der Landesverbände von Arbeiter-Samariter-Bund, Johannitern und Maltesern waren auf Nachfrage sicher, dass es in ihrer Kommunikation keine Lücken gab. Allerdings betonten alle drei, dass sie sich nur dort beteiligen könnten, wo sie genügend ehrenamtliche Helfer verfügbar hätten. Viele seien bei vielfältigen anderen Corona-Maßnahmen schon stark gefordert, nicht zuletzt der Vorbereitung der neuen Impfzentren.

„Im badischen Raum war unser Ehrenamt im Moment gebunden“, berichtet zum Beispiel Pressesprecherin Sabine Zeller vom Johanniter-Landesverband. In Freiburg und dem Kreis Breisgau-Hochschwarzwald hätten die Johanniter bis zuletzt mit dem Helmholtz-Institut an dessen Studie zu Corona-Antikörpern mitgearbeitet. Gleiches sei im schwäbischen Reutlingen der Fall. Die Malteser in Mannheim gehören ebenfalls zu denjenigen, die sich bewusst gegen eine Teilnahme entschieden haben: „Die Organisation war in der Kürze der Zeit nicht zu stemmen“, sagte Zugführer Hermann Nahm unserer Redaktion.

Das DRK unterhält im deutschen Südwesten zwei Landesverbände, das DRK Baden-Württemberg und das DRK Baden. Beim DRK Baden-Württemberg ist Sprecher Udo Bangerter sicher: „Bei uns haben es alle Kreisverbände mitbekommen.“ Von den 34 würden bis auf sieben oder acht auch alle mitziehen. Große Lücken hat Bangerters Gebiet etwa in der Rhein-Neckar-Region. Beim Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg war am Freitagnachmittag niemand für ein offizielles Statement erreichbar.

Beim Landesverband Baden dagegen bestätigt Pressesprecherin Karin Bundschuh, dass viele ihrer Ortsverbände nicht informiert wurden. „Bei der Planung vor etwa zwei Wochen wurden wir vom Sozialministerium gefragt, ob wir in den Gebieten mit besonders hoher Inzidenz vor Weihnachten Testmöglichkeiten schaffen können“, berichtet sie.

Städte wie Lörrach und Waldshut hätten damals zu den Krisengebieten gehört. Die Metropole Freiburg hingegen habe einen der niedrigsten Inzidenzwerte im Land gehabt. „Danach hat es vom Sozialministerium nie eine Nachforderung gegeben“, beteuert Bundschuh. „Es wurde nie angefragt, das noch anderswo zu machen.“

Da der Verband Baden nichts von der Ausweitung der Aktion gewusst habe, habe er anderen Ortsgliederungen seither auch nicht anbieten können, daran teilzunehmen. So kommt es, dass in Baden nun zwar in Lörrach und Waldshut Tests angeboten werden sollen, nicht aber in Freiburg oder in den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald. „Überall dort, wo wir vom Ministerium angefragt wurden, wird auch getestet“, so Bundschuh.

Das Ministerium sah auf Nachfrage keine Bringschuld bei sich: „Das DRK Baden war von Anfang an den Gesprächen beteiligt und konnte eigenverantwortlich Standorte festlegen, die geringe Inzidenz aufweisen“, teilte eine Sprecherin mit.

Die Liste mit den Standorten der Impfzentren in Baden-Württemberg gibt es hier.

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