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Krise aus Kindersicht

Schüler der Karlsruher Gartenschule schreiben über Corona

Während des ersten Lockdowns haben sich Kinder der Karlsruher Gartenschule Gedanken über die Krise gemacht. Herausgekommen ist ein 200 Seiten starker Sammelband mit Geschichten und Gedichten aus der Pandemiezeit.

Corona-Tagebuch: 249 Gartenschüler machten sich während des ersten Lockdowns Gedanken über das Leben während der Krise. Foto: Gartenschule

Was würden eigentlich Außerirdische denken, wenn sie ausgerechnet während der Corona-Pandemie zum ersten Mal auf der Erde landeten?

Ganz klar, die Marsmännchen hätten keine Lust auf eine Begegnung mit einem ansteckenden Virus, würden auf der Stelle kehrtmachen und wieder zurück auf ihren Heimatplaneten fliegen, schreiben die beiden Zweitklässler Paula und Felix von der Gartenschule Karlsruhe.

Ihr Schulkamerad Patryk ist da zumindest etwas optimistischer. „Alle Marsmännchen haben sich versammelt und besprochen, den Menschen auf der Erde zu helfen. Sie haben versucht, ein Gegenmittel zu finden. Es hat viele Wochen gedauert, bis sie ein Mittel gefunden haben. Dann sind sie mit der Medizin auf die Erde geflogen. Die Menschen haben sich bei den Marsmännchen bedankt“, steht in seinem Aufsatz geschrieben.

Sammelband mit Gedichten und Geschichten

Zu lesen gibt es diese und weitere Geschichten über den Besuch von Außerirdischen auf der Corona-Erde in dem Sammelband „Was ist hier denn los?“. Dort sind Aufsätze und Eindrücke von 249 Gartenschülern aus den ersten Monate der Corona-Pandemie zu finden.

„Von einem Tag auf den anderen waren die Schulen geschlossen und die Kinder zuhause. Da haben wir uns überlegt, was wir in dieser Krise Kreatives machen können“, erinnert sich Barbara Valentin, die Rektorin der Gartenschule.

Von der Psychologie-Studentin Finja Canzler, die sich im Rahmen ihrer Masterarbeit mit dem Thema „Expressives Schreiben im klinischen Kontext“ beschäftigt, wurden die Kinder nach den ersten Schulschließungen dann zum Niederschreiben ihrer Eindrücke und von kleinen Kurzgeschichten angeleitet und motiviert.

Corona-Tagebuch zum Stöbern

Gedichte sind in dem knapp 200 Seiten starken Sammelband nun ebenso zu finden wie der Blick auf die Krise aus Sicht von verschiedenen Tieren oder Wünsche und Visionen für die Zeit nach der Pandemie.

Illustriert wurde das Buch, das die Gartenschule im Eigenverlag herausgab, von Sylvia Leumann. Dass sich fast alle der rund 260 Gartenschüler an dem Aufruf beteiligt haben, wertet Valentin rückblickend als ein Zeichen für den guten Zusammenhalt in der Schule, und dass das Niederschreiben der Corona-Erlebnisse auch einem gewissen Zeitgeist während des ersten Lockdowns entsprach.

„Es ist ein richtiges Corona-Tagebuch geworden. Da kann man in einigen Jahren noch drin stöbern und die Krise aus Kindersicht rekonstruieren“, sagt Valentin. Auch deswegen sei das Büchlein von vielen Eltern und Großeltern gekauft werden. Verdienen werden die Nachwuchsautoren mit ihrem Sammelband allerdings nichts.

Der Erlös aus dem Buchverkauf wird am 22. April nämlich der Beiertheimer Tafel gespendet. Das hat das Schülerparlament beschlossen. Auch eine schöne Corona-Geschichte.

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