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7.400 warme Mittagessen in 29 Tagen

Corona-Variante der Vesperkirche Karlsruhe endet mit einem Gottesdienst

Die Karlsruher Vesperkirche war auch während der Corona-Krise für die Bedürftigen da. Nach vier Wochen Ausnahmezustand mit strengem Hygienekonzept und warmem Mittagessen zum Mitnehmen ziehen die Organisatoren ein positives Fazit.

Positives Fazit: Am Sonntagnachmittag ging die Vesperkirche Karlsruhe mit einer Andacht für wenige Besucher zu Ende. Foto: Jörg Donecker

Die selbstgestrickten Socken, die auf einer Bierbank im Kirchenhof zum Mitnehmen für die Bedürftigen ausliegen, sind am Wochenende gleichzeitig auch das Symbol der Vesperkirche Karlsruhe.

„Wir hatten alle kalte Füße“, sagt Lara Pflaumbaum. Die Doppeldeutigkeit dieser Aussage wählt die Pfarrerin der Johannis-Paulus-Gemeinde bewusst. Die sprichwörtlich „kalten Füße“ hatten die Organisatoren der Vesperkirche wegen der Corona-Pandemie. Schließlich wusste niemand, ob das Hygienekonzept auch funktioniert. Außerdem waren kalte Füße in den vergangenen vier Wochen der ständige Begleiter von mehreren Hundert Stammgästen und den ehrenamtlichen Helfern.

Doch Regen und Kälte konnten die Gäste ebenso wenig vom Gang in die Südstadt abhalten wie Maskenpflicht oder das tägliche Schlange stehen bei der Essensaufgabe an den beiden Weihnachtsmarkthütten im Innenhof des Gemeindezentrums.

Mit Kalbsgulasch und Andacht endet die Corona-Vesperkirche

Als die Vesperkirche Karlsruhe am Sonntagnachmittag nach der Ausgabe von über 200 Portionen Kalbsgulasch mit einer kurzen Andacht und Dankesworten von Bürgermeister Albert Käuflein und dem evangelischen Stadtdekan Thomas Schalla vor nur wenigen angemeldeten Besuchern zu Ende geht, ziehen die Organisatoren von der Kirchengemeinde am Werderplatz und dem Diakonischen Werk ein rundum positives Fazit.

Wir hatten alle kalte Füße.
Lara Pflaumbaum, Pfarrerin Vesperkirche

„Alles hat überraschend gut geklappt“, sagt Vesperkirchen-Pfarrerin Pflaumbaum. Außerdem habe der rege Andrang im Kirchenhof sowie an den beiden Außenstellen des Diakonischen Werks, dem Tagestreff für Wohnungslose in der Kriegsstraße und dem Trinkerraum in der Schützenstraße, einen klaren Beleg für die Notwendigkeit einer karitativen Essensausgabe in Krisenzeiten geliefert.

900 Kilogramm Brot und 450 Kilogramm Wurst

Über 7.400 warme Mittagessen wurden an den 29 Vesperkirchen-Tagen von der evangelischen Stadtmission zubereitet und von den Helfern an Bedürftige ausgegeben. Außerdem wurden für die Vesperbeutel zum Mitnehmen noch 1.000 Kilogramm Brot, 470 Kilogramm Wurst und 380 Kilogramm Käse verarbeitet.

An manchen Tagen waren die 200 Mittagessen im Kirchenhof schon um 13 Uhr verteilt. Damit niemand hungrig nach Hause gehen musste, sind die Mitarbeiter der Vesperkirche an solchen Tagen zum Wohnungslosentreff in der Kriegsstraße gefahren und haben von dort noch einige nicht benötigten Portionen an den Werderplatz gebracht.

Alles war anders

Bis auf das warme Mittagessen war im Corona-Jahr aber fast alles anders als bei den vorherigen Auflagen. Der Aufenthalt und das gemeinsame Essen im Kirchenschiff waren wegen der Corona-Verordnungen ebenso untersagt wie das traditionelle Rahmenprogramm mit Andachten und dem Karlsruher Kneipenchor. Und vor dem Einlass in den Kirchenhof stand zunächst einmal Fiebermessen auf dem Programm.

Die Besucher hätten sämtliche Vorgaben mitgemacht und dadurch zum Gelingen der Frischluft-Vesperkirche beigetragen, betont Pflaumbaum. An einem Tag, als es Hähnchenschlegel gab und diese eigentlich zu sperrig für die Einwegverpackungen aus Zuckerrohr waren, gab es wegen des zeitintensiven Umfüllens bei strömenden Regen eine fast hundert Meter lange Menschenschlange auf dem Werderplatz. „Die Leute haben auch das ohne Murren ertragen“, erzählt Pflaumbaum.

Rocker-Friseure wurden am meisten vermisst

Gefehlt hat bei der achten Auflage der Vesperkirche vor allem der intensive Kontakt zwischen Mitarbeitern und Besuchern im warmen Kirchenraum. „Das waren in diesem Jahr vor allem Zaungespräche. Aber die waren teilweise sehr tiefgründig“, so Pflaumbaum. Vermisst hätten die Besucher allerdings das traditionelle kostenfreie Haareschneiden von den Rocker-Friseuren. Aber auf einen ordentlichen Haarschnitt müssten derzeit in Karlsruhe alle Menschen verzichten.

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