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Kontrollen und leere Regale

Coronavirus beeinflusst Samstags-Shopping in Karlsruhe

Leere Regale, Eingangskontrollen, Hamsterkäufe: Die Krise wegen des Coronavirus hat auch beim Einkauf von Lebensmitteln zu Veränderungen geführt. In Karlsruhe kommen die meisten Menschen mit den veränderten Rahmenbedingungen gut zurecht.

Warten wegen des Coronavirus: Schlange stehen gehört für viele Leute in Karlsruhe zum samstäglichen Einkauf dazu. Foto: jodo

Auf ihre Osternester müssen die Enkel von Inge Gauß-Seiter auch in diesem Jahr nicht verzichten. Am Samstagvormittag hat die achtfache Großmutter im Durlach-Center gleich ein ganzes Bataillon Schoko-Hasen sowie süße Eier gekauft.

Außer den Süßigkeiten für die Enkelschar liegen aber nur noch ein paar Pakete Butter und zwei Packungen Margarine im geräumigen Einkaufswagen. „Damit werden Osterlämmer gebacken“, sagt Gauß-Seiter. Mehl habe es keines mehr gegeben, aber das kaufe sie als passionierte Hobbybäckerin ohnehin in Halbzentnersäcken direkt bei der Mühle. Stress bereite ihr das Einkaufen während der Corona-Krise nicht.

„Die meisten Sachen sind in den Läden ja vorhanden“, sagt Gauß-Seiter. „Und wenn man etwas nicht auf Anhieb bekommt, muss man eben improvisieren. Das sehe ich ganz entspannt.“

Vor den Läden bilden sich wegen Coronavirus lange Schlangen

Auch sonst herrscht in den meisten Einkaufsläden eine entspannte Atmosphäre. Doch neben der Bereitschaft zur Improvisation ist mancherorts noch Geduld gefragt.

In den dm in der Käppelestraße werden maximal 47 Kunden gleichzeitig gelassen, beim Bio-Supermarkt von Alnatura direkt gegenüber sind es sogar nur 40. „Wir haben uns schon gedacht, dass man heute etwa mehr Zeit braucht als sonst“, sagt Bettina Weinbarg, die sich mit ihrer Tochter Katharina in die Schlange vor der Alnatura-Tür eingereiht hat.

Dort halten die wenigen Wartenden kurz nach der Ladenöffnung um 10 Uhr sogar weit als die geforderten 1,50 Meter Abstand.

Nur 150 Kunden erlaubt: Bauhaus in Karlsruhe verriegelt mitunter Eingangstür

Zum Geduldsspiel wird der Einkauf nur wenige Schritte entfernt im Bau- und Gartenmarkt von Bauhaus. Maximal 150 Leute dürfen sich gleichzeitig in den weitläufigen Gängen aufhalten. Ist die Grenze erreicht, wird die Eingangstür vorsorglich verriegelt.

Bereits um 11 Uhr stehen deshalb gut drei Dutzend Baumarktbesucher in der Warteschlange. Einer davon ist Joachim Herold, der Blumenerde zum Bepflanzen seiner Balkonkübel kaufen will. „Das lange Warten nervt schon ein bisschen. Auf der anderen Seite habe ich heute keine anderen Termine und kann noch nicht mal Fußball schauen“, sagt Herold mit einem Schulterzucken.

Nicht alle Läden setzen wegen Covid-19 auf Einlassbeschränkungen

Doch nicht in allen Läden gibt es strikte Einlassbeschränkungen. Während die Kundenzahl sowohl im Bio-Supermarkt Füllhorn in der Erbprinzenstraße als auch im Hofladen Kraut und Rüben in Durlach-Aue streng kontrolliert wird, erinnert im Scheck-in-Center am Mendelssohnplatz nur wenig an die derzeitige Krise.

Am Eingangsbereich stehen zwar Tafeln mit Hinweisen zum Schutz vor Infektionen, und an den Feinkosttheken gibt es derzeit keine Probier-Häppchen. An den Kassen und in den Gängen herrscht jedoch der gewohnte Betrieb. Die Durlacher Discounterfiliale von Aldi darf dagegen nur mit Einkaufswagen betreten werden. Sind alle Einkaufswagen belegt, heißt es warten.

„Das wollen nicht alle Leute akzeptieren“, sagt eine Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes an der Einlasskontrolle. „Aber bei mir beschweren bringt nichts, da ich nur die Vorgaben umsetze.“

Auch Großfamilien kommen in der Krise gut zurecht

Die großen Märkte bewusst meiden, ist die Strategie von Diana Jäkel, die im Durlacher Rewe ein paar Osterleckereien besorgt. „Meine Großmutter wollte meinen Kindern unbedingt was Süßes schenken. Und weil sie schon 94 Jahre alt ist, gehe ich derzeit für sie einkaufen“, berichtet Jäkel.

Obwohl sie auch noch für ihre Tante und den eigenen vierköpfigen Haushalt einkauft, habe sie während der Corona-Krise bislang noch keine versorgungstechnischen Engpässe erlebt. „Ein paar Vorräte hat man ohnehin zu Hause“, sagt Jäkel. „Und wenn mal was fehlt, ist das nicht weiter schlimm.“

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Für manche Großfamilien bedeutet der Einkauf während der krisenbedingten Ausnahmesituation allerdings eine logistische Herausforderung. „Normalerweise brauchen wir 30 Liter Frischmilch pro Woche. Als wir einmal nur zwei Liter kaufen durften, war das schon eine komische Situation“, erzählt Mariacristina Nicola.

Trotzdem hat die Mutter von sechs Kindern im Alter zwischen sechs und 20 Jahren bisher noch alles erhalten. „Man muss halt etwas öfters einkaufen gehen als sonst“, sagt Nicola. Um so wenig Stress wie möglich zu haben, erledigt Bärbel Richter den Einkauf für ihren Mann und ihre vier Kinder seit dem Beginn der Krise werktags in Waldbronn. „Dort gibt es eigentlich noch alles und es gibt weniger Gedränge als in Karlsruhe“, sagt die Stupfericherin. Auf den Wochenmarkt gehe sie nicht mehr, dort herrsche ihr trotz der behördlichen Vorgaben zu viel Trubel.

Auf dem Wochenmarkt am Gutenbergplatz herrscht viel Trubel

So ist am sonnigen Samstag beim Wochenmarkt auf dem Gutenbergplatz das Einhalten des Mindestabstands nur schwer zu bewerkstelligen. Immer wieder huschen Marktbesucher zwischen den diszipliniert Schlange stehenden Standkunden hindurch, und auch rund um den Krautkopfbrunnen haben sich einige Leute versammelt.

Diszipliniert geht es in der Schlange vor der Metzgerei Zehnbauer zu, wo die Leute geduldig warten, bis sie an der Reihe sind.

Weinlade schützt Kunden durch Corona-Tür

In der Weinlade daneben sorgt eine spezielle Corona-Tür für den perfekten Schutz von Mitarbeitern und Kunden. Aus Plexiglas und einer Sperrholzplatte hat Sommelier Guntram Fahrner eine schützende Barriere gebaut.

Durch die kleine Öffnung in der Plexiglaswand können Lebensmittel und Weinflaschen herausgegeben werden, durch eine größere Klapptür am Boden eine ganze Sechserkiste mit Weinflaschen.

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