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„Critical Zones“ im ZKM Karlsruhe

Warum ein virtueller Museumsbesuch besser sein kann als ein echter

Ein digitale Führung durch die Ausstellung „Critical Zones“ im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) zeigt: Die Kuratoren haben es geschafft, aus der Not eine Tugend zu machen. Sechs Gründe, warum ein virtueller Besuch dem Museumsbesuch überlegen sein kann.

Digitale Führung in der Ausstellung „Critical Zones“ im ZKM per Zoom: Der Screenshot zeigt das Werk „Future Fossile Spaces“ des Schweizer Künstlers Julian Charrière. Foto: Screenshot Wiedemann

Wer regelmäßig das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) besucht, weiß, dass das Museum seinen Besuchern immer einiges abverlangt. Zuallererst Konzentration, dann aufgrund labyrinthähnlicher Ausstellungsaufbauten eine ordentliche Portion Orientierungsvermögen - und schließlich den Willen, sich auf gedankliche Experimente einzulassen.

Letzteres trifft insbesondere auf die aktuelle Ausstellung „Critical Zones“ zu, die nichts weniger will, als dem Betrachter eine neue Sichtweise auf unseren Planeten und das Leben darauf zu vermitteln.

Wie funktioniert so etwas bei einer digitalen Führung über „Zoom“? Die Antwort ist: erstaunlich gut. Sicherlich kommt dem Zentrum für Kunst und Medien hier sein von jeher stark auf digitale Inhalte ausgerichtetes Konzept zugute.

Aber auch die Ausstellung selbst eignet sich hervorragend für das Wohn- oder Arbeitszimmer. Sechs Vorteile eines digitalen Besuchs:

1. Individueller Weg durch die Ausstellung

Riesige Räumlichkeiten, unendlich viele schwarz umkleidete Kabinen, Treppen, die nicht immer dahin führen, wo man es erwartet: Im ZKM gehört das Umherirren zum Gesamtpaket des Ausstellungsbesuchs. Da helfen auch Wegweiser nicht immer weiter.

Wer „Critical Zones“ digital besucht, spart sich dies komplett. Die virtuelle Plattform der „Gedankenausstellung“ von Bruno Latour und Peter Weibel ist so konzipiert, dass jeder seinen eigenen Weg hindurch findet.

Digitale Führung in der Ausstellung „Critical Zones“ im ZKM. Foto: Screenshot Wiedemann

Los geht es mit einer kleinen Einführung in die „kritische Zone“ der Erde, der Schicht, in der sich vereinfacht gesagt das Leben abspielt. Allerdings auch der Schicht, die durch den Menschen beeinflussbar ist und sich deshalb in einem kritischen Zustand befindet. Nun darf der Besucher aus unterschiedlichen Stichworten eines auswählen, das den Anfang seiner individuellen Reise darstellt. „Das Ziel ist, dass der Besuch der Ausstellung jedesmal anders verläuft“, sagt Moritz Thinnes, der digital durch die Schau führt.

2. Freiheit für die eigenen Gedanken

Da die Schau an das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen Besuchers appelliert, ist es nur konsequent, dass nicht jeder zwingend an denselben Werken vorbeikommt. Wer den emotionalen Zugang wählt, dem bleiben vermutlich zahlen- und evidenzbasierte Werke erstmal erspart. Und der Statistiker muss sich nicht unbedingt von philosophischen Abhandlungen begleitete Filmaufnahmen von Korallen anschauen.

3. Unmittelbare Kunsterlebnisse

Wer sich die gerade erwähnten Filmaufnahmen gerne von Anfang bis Ende anschaut, der weiß, wie ärgerlich es ist, wenn man im Museum eben so die erste Minute verpasst hat.

Digitale Führung in der Ausstellung „Critical Zones“ im ZKM. Foto: Screenshot Wiedemann

Das heißt dann nämlich im Zweifelsfall neun Minuten warten, bis die Videoschleife wieder am Anfang angelangt ist. In dieser Zeit kann man sich vortrefflich darüber ärgern, dass man nun bereits zahlreiche Spoiler für den Neustart gesehen hat. All das fällt weg, wenn man Kurator seines eigenen Ausstellungsbesuchs ist.

4. Geräuschkulisse nach Wahl

Okay, die zuhause herumtobenden Kinder oder den mit Geschirr klappernden Mann kann man vielleicht nicht komplett ausblenden. Aber dafür bleiben beim digitalen Ausstellungsbesuch die Gespräche anderer Kunstbetrachter sowie die Geräusche benachbarter Medien-Exponate außen vor. Das ist nicht nur der Konzentration förderlich.

Davon profitieren auch Werke, die eher auf leise Klangnuancen abzielen. Etwa die Installation „Critical Zone Observatory Space“, die den Betrachter lehren will, der Erde zuzuhören.

5. Keine langen Expertengespräche

Eine digitale Führung lohnt sich unbedingt. Nicht nur profitieren die Einzelwerke davon, wenn sie von einem kompetenten Guide in einen Gesamtzusammenhang gebracht und erklärt werden - es entsteht auch im besten Fall eine Art Dialog.

Digitale Führung in der Ausstellung „Critical Zones“ im ZKM. Foto: Screenshot Wiedemann

Das ist Sinn der Sache, erklärt Moritz Thinnes, der während der Führung immer wieder ermuntert, die Chatfunktion für Fragen und Meinungen zu benutzen. Mikrofone werden eher selten genutzt - je nach Internetverbindung funktionieren die mal besser, mal schlechter, manchmal auch mit erheblicher Zeitverzögerung. Deshalb entstehen auch keine langen Expertengespräche, die für andere Führungsteilnehmer häufig sowieso nur mäßig interessant sind.

6. Snack und Wein

Wein und Kunst - diese sympathische Kombination gibt es meist höchstens bei Vernissagen, und auch da muss das Glas häufig in der Lobby bleiben. Hier kann die Online-Führung absolut punkten - denn was es dabei zu essen und trinken gibt, entscheidet jeder selbst. Und wer dabei nicht beobachtet werden möchte, macht einfach die Kamera aus.

Service

Die virtuelle Ausstellungsplattform der ZKM-Ausstellung „Critical Zones“ ist unter der Adresse critical-zones.zkm.de zu erreichen. Man kann die Ausstellung selbst erkunden oder eine digitale Führung buchen. Jeden Freitag gibt es per Zoom eine digitale Tour durch die Ausstellung mit Kuratoren oder Kunstvermittlern in englischer Sprache (in geraden Kalenderwochen um 13 Uhr, in ungeraden Kalenderwochen um 18 Uhr). Weitere Führungen in deutscher Sprache gibt es immer mittwochs um 18 Uhr. Wer noch etwas tiefer eintauchen will, kann außerdem an einer virtuellen Exkursion teilnehmen, die in unregelmäßigen Abständen stattfindet. Alle Vermittlungsangebote findet man im Kalender des ZKM. Anmeldung jeweils unter fuehrungen@zkm.de.

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