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Kultur in Karlsruhe

Das erste Konzert nach sieben Monaten: Das Tollhaus Karlsruhe öffnet seinen Biergarten

Nervös sind am Samstagabend alle: das Tollhaus Karlsruhe, die Band Quarantäne-Quartett, die Zuschauer. Es ist der erste Abend in diesem Jahr, an dem das Haus wieder für Publikum öffnet. Schon von Weitem ist zu hören, dass die Kultur auf dem Gelände beim Schlachthof zurück ist.

Im Hinterhof klingt wieder Musik für Zuschauer: Das Tollhaus Karlsruhe eröffnete am Samstagabend mit dem Format Musical Gardening. Auf der Bühne stand das Quarantäne-Quartett. Foto: © Peter Sandbiller Peter Sandbiller

Die Band hat sich vor dem kleinen holzvertäfelten Quader eingerichtet. Gegenüber der Bühne sitzt ein Paar auf einer Bank. Sie haben freie Sicht, wippen und singen mit. Als das Quarantäne-Quartett im Garten des Tollhaus Karlsruhe ein paar Meter weiter zieht, packt auch das Paar seine Getränke und wandert den Musikern hinterher.

Schlagzeuger Schroeder freut sich: „Dass wir schon nach einem Tag in Karlsruhe ein Following bekommen, das ist selten.“ Die fünfköpfige Band spielt inzwischen ihr drittes Set. Das Publikum klatscht längst nach jedem Lied - 35 davon hat das Quarantäne-Quartett mitgebracht.

Musikalischer Biergarten bleibt über den Sommer

Die Freiburger machen den Auftakt beim Musical Gardening im Tollhaus Karlsruhe. Mit dem musikalischen Biergarten öffnet das Haus erstmals nach sieben Monaten wieder für Zuschauer. Das Konzept war schon 2020 Teil des Sommerprogramms. Auch dieses Jahr gibt es bis Mitte August Konzerte verschiedener Bands unter freiem Himmel im Hinterhof. Ab dem 24. Juni geht es im Tollhaus mit dem Programm im Haus los, dann findet der musikalische Biergarten nur an Sonntagen statt.

Generalprobe für den Einlass unter Corona-Regeln

Der Einlass ist am vergangenen Samstagabend anders als gewohnt, auch für das Team, sagt Britta Velhagen. Leiterin des Tollhaus. Noch müssen die Zuschauer einen Impfnachweis, einen Beleg für die Genesung oder einen negativen Test vorlegen. Ab Montag, 7. Juni, entfällt dieser Mehraufwand. „Wir haben am Abend davor eine Generalprobe gemacht und sind alles durchgegangen“, erzählt sie. „Wir waren nervös vor der Eröffnung.“

Man hat den Eindruck, die Menschen müssen sich wieder anstecken lassen von Kultur.
Britta Velhagen, Leiterin des Tollhaus Karlsruhe

Velhagen spüre bei den Gästen zwar eine emotionale Reaktion auf die Musik. Einige seien jedoch etwas zurückhaltend. Das gebe ihr zu denken. „Wir wird künftig mit Kultur umgegangen?“, so Velhagen. „Man hat den Eindruck, das muss erst wieder gelernt werden und die Menschen müssen sich wieder anstecken lassen von Kultur.“

300 Personen können im Hinterhof Platz nehmen, rund 220 sind an diesem Samstagabend gekommen. Obwohl der Biergarten keinen Eintritt kostet, lohnt es sich für das Tollhaus. „Das hat einen anderen Wert bekommen. Es lohnt sich für die Künstler, Besucher und für uns“, sagt Velhagen. „Das Lohnen ist ideeller geworden.“

Die Stimmung bleibt trotz grauer Wolken

Selbst ein paar Regentropfen bringen die Zuschauer nicht zum Gehen - die prüfenden Blicke zu den Wolken senken sich schnell wieder in Richtung Bühne. Erst nach einer Zugabe, als mit dem Verbaugen der Band ein kurzer Schauer einbricht, springen die Gäste auf und eilen davon.

Zuvor sitzen die Grüppchen, Paare und Einzelpersonen an ihren Tischen, unterhalten sich, essen und trinken. Je rockiger die Töne der Band werden, desto schneller verstummen die Gespräche. Je sanfter die Musik, desto geselliger wird das Publikum. Der Applaus wird aber nie vergessen.

Es ist toll, andere Menschen zu sehen und das soziale Leben wahrzunehmen.
Anna-Elisabeth, Gast im musikalischen Biergarten des Tollhaus Karlsruhe

„Wir nehmen alles ganz anders wahr“, sagt Anna-Elisabeth, die gemeinsam mit ihrem Mann Joachim an einem kleinen Gartentisch sitzt. Aufgrund der noch geltenden Corona-Vorschriften rausche man nicht ganz so ungezwungen hinein. Dennoch ist die Freude über die erste analoge Kulturveranstaltung seit Monaten groß. Im Herbst waren sie das letzte Mal im Tollhaus. Heute seien sie nicht nur wegen der Musik gekommen. „Es ist toll, andere Menschen zu sehen und das soziale Leben wahrzunehmen“, erzählt Anna-Elisabeth.

Für die Band ist die Rückkehr auf die Bühne ebenfalls besonders. „Wir haben wieder was zu tun“, betont Schlagzeuger Schroeder. Die Routine habe etwas gelitten, das Publikum müsse man sich erst wieder erspielen. Aber: „Wir überraschen uns so auch gegenseitig.“

Service

Am Samstag, 12. Juni, und Sonntag, 13. Juni, spielt die Band Miri in the Green im Tollhaus-Biergarten von 17 bis 19 Uhr. Weitere Infos und Reservierung unter tollhaus.de. Der Eintritt ist frei.

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