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Was fehlt

Das Kulturzentrum Tollhaus stemmt sich mit Kreativität gegen die Coronakrise

Mit viel Einsatz hat das Tollhaus dem Corona-Jahr relativ viele Veranstaltungen abgetrotzt. Finanziell gelohnt hat sich das allerdings nicht.

Vor leeren Stuhlreihen: Bernd Belschner und Britta Velhagen im Kulturzentrum Tollhaus. Foto: ARTIS - Uli Deck ARTIS - Uli Deck

Veranstalten, solange es nur irgendwie geht – das war das Motto des Tollhaus in diesem Jahr. Es war das erste Haus in Karlsruhe, das nach den Corona-Schließungen wieder Veranstaltungen bot. Nach dem abrupten Ende Mitte März nahm das Tollhaus-Team schon im Mai wieder die Planungen auf.

Unter dem Titel „Lucky 100“ startete im Juni ein Sommerfestival, auf Abstand und mit Hygienekonzept. Zugelassen dafür waren die namensgebenden 100 glücklichen Besucherinnen und Besucher.

Nur knapp zwei Wochen später wurden aus den Lucky 100 ganze 250 Besucherinnen und Besucher und das Festival bekam einen neuen Namen. In Anlehnung an das Zeltival, das das Tollhaus erstmals 1984 veranstaltete, hieß es ab Juli: „Oh, wie schön wär’s Zeltival“. Das Konzept ging auf: Der Außenbereich des Tollhaus wurde zum Biergarten, die Bühne war nach draußen offen, aber mit einer großen Zeltplane überdacht.

Wie eine Parallelwelt inmitten der andauernden Corona-Pandemie, berichten Gäste. Generell habe es sehr viel positive Rückmeldung über das ganze Jahr hinweg gegeben, berichten die beiden Geschäftsführer Britta Velhagen und Bernd Belschner.

Nachdem das Festival endete, konnte das Tollhaus auch noch im September sein beliebtes Atoll-Festival für zeitgenössischen Zirkus durchführen. Auch dieses wurde sehr positiv angenommen. Alleine zum Atoll kamen über 3.500 Gäste.

Wir verdienen nichts an diesem Programm, die Kosten werden von den Einnahmen nicht gedeckt.
Britta Velhagen, Tollhaus-Chefin

Eine Erfolgsstory ist das trotzdem nur bedingt. „Wir verdienen nichts an diesem Programm, die Kosten werden von den Einnahmen nicht gedeckt“, berichtet Britta Velhagen. Problematisch ist auch: Üblicherweise finanziert sich das Tollhaus dank hoher Besucherzahlen zum Großteil selbst. 2019 verzeichnete das Kulturzentrum über 140.000 Besucher.

Fallen diese Ticketeinnahmen weg, gibt es nur wenige Subventionsgelder, um die Erhaltungskosten zu decken. Nur Förderprogramme von Stadt, Land und Bund machten es möglich, dass das Tollhaus noch veranstalten konnte. Dass es viel Programm bei wenig Einnahmen bot, hat viele verschiedene Gründe. Seien es etwa die Künstlerinnen und Künstler, denen das Tollhaus eine Bühne bieten möchte, oder auch das treue Publikum.

Gerade diese Verbindung zum Publikum ist es, die das Tollhaus dazu veranlasst im ersten und zweiten Lockdown, diverse Ersatzangebote zu liefern. Und das nicht nur online. „Wir kommen zu unserem Publikum, wenn es nicht zu uns kommen darf“, so Bernd Belschner. So gab es im April und Mai in mehren Auflagen Corona-Carebeutel. Darin enthalten waren unter anderem ein Gutschein für das Tollhaus, Getränke, Essen und CDs. Der genaue Inhalt konnte individuell angepasst werden.

Das Tollhaus Team brachte die Beutel persönlich vorbei. Von der Aktion profitierte nicht nur das Tollhaus selbst, sondern auch verschiedene Zulieferer des Tollhaus und die Künstlerinnen und Künstler, deren Produkte im Beutel waren. Im zweiten Lockdown gibt es nun eine Winter-Edition des Beutels. Bernd Belschner sagt dazu: „Die Nachfrage ist riesig. Nach zwei Wochen haben wir schon so viele verkauft wie in den sieben Wochen im Frühjahr“.

Auch digital gibt es gerade etwas ganz Neues: Mit Tollhaus TV hat das Tollhaus seit dieser Woche eine Onlineshow. In kompletter Eigenproduktion durch die Techniker des Tollhaus bietet Tollhaus TV eine rund 40-minütige Sendung inklusive Musik und Interviews. In diesem Jahr gibt es davon zwei Ausgaben, im nächsten Jahr soll es damit weitergehen.

Dort zu Gast sind beispielsweise auch die Künstlerinnen und Künstler, die jetzt im Dezember hätten auftreten sollen. In der ersten Ausgabe der Sendung waren das Sparks of Christmas, zusammen mit Sandie Wollasch, die eigentlich am 13. Dezember im Tollhaus aufgetreten wären.

Fragt man den Geschäftsführer Bernd Belschner danach, was sein Veranstaltungshighlight dieses Jahr war, dann ist er sehr zwiegespalten. „Mein persönliches Highlight ist vor Corona. An diese Zeit erinnere ich mich am liebsten, wenn das Tollhaus voll war“, sagt er zuerst. Beim zweiten Blick auf die vergangenen Monate empfinde er aber doch jedes einzelne Mal, wenn sie geöffnet hatten, als besonders. Vor allem habe er in diesem Jahr sehr viel Dankbarkeit gespürt.

Selbst ist er aber auch seinem engagierten Team dankbar, das betont Belschner besonders: „Viele haben mehr getan, als eigentlich ihr Bereich ist. Tollhaus TV, die Carebeutel und vieles anderes seit März, wäre ohne sie nicht möglich gewesen.“

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