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Häufiger Mangel von Vitamin D

Das Sonnen-Vitamin D als unterschätzte Waffe gegen Infekte

Mit einem Spaziergang ist es nicht getan: Der Vitamin-D-Speicher bleibt bei vielen Menschen im Winter viel zu leer, davon ist zumindest Arzt Stephan Wey aus Lauf überzeugt. Das Vitamin ist zum Schutz vor Infekten auch bei Heilpraktikern hoch im Kurs.

Die Sonne strahlt, aber die Speicher sind leer: Ärzte und Heilpraktiker monieren einen weit verbreiteten Mangel an Vitamin D, der Einfluss auf die Anfälligkeit für Infekte wie Covid-19 hat. Foto: Bernd Thissen/dpa

Die letzten Sonnenstrahlen des Jahres sind im Herbst begehrt. Wer in die Sonne geht, tankt einer Weisheit zufolge Vitamin D. Die Speicher der meisten Menschen seien allerdings viel zu wenig gefüllt, sagt Stephan Wey. Der Internist aus Lauf macht mit einem Appell aufmerksam: „Mit Vitamin D haben wir eine günstige, unterschätzte Substanz in der Corona-Pandemie an der Hand.“

Am Vitamin D verdient die Pharmaindustrie nichts

100 Tabletten für etwa acht Euro, ausreichend für einen ganzen Winter. Die Substanz sei günstig und nicht patentiert. „Daran verdient die Pharma-Industrie also kein Geld“, so Wey. Dabei würden Studien die Wirksamkeit von Vitamin D beim Schutz vor Atemwegsinfekten belegen. „Patienten mit ausreichend Vitamin D im Körper tragen ein viel niedrigeres Risiko, einen schweren Covid-19-Verlauf zu erleben“, fasst er zusammen. In der Corona-Pandemie sei das Vitamin neben Stoffen wie Zink und Selen ein wichtiger Baustein der Prävention, der antivirale Proteine im Stoffwechsel fördert. „Das kann jeder für sich selbst tun.“

Eine große Bedeutung misst auch Heilpraktikerin Claudia Röll-Bolz aus Karlsruhe dem Vitamin zu. „Die meisten Patienten leiden unter einem Mangel“, sagt sie. Das habe zunächst Auswirkungen auf den Stoffwechsel und nachfolgend wiederum auf den Gemütszustand. In ihrer Praxis wolle sie vor allem präventiv Hilfe leisten und Selbstheilungskräfte stärken. Die akute Behandlung von Corona-Fällen, betont Röll-Bolz, sei bei der Schulmedizin in guten Händen.

Ein paar Spaziergänge an der frischen Luft reichen nicht, um den Speicher aufzufüllen, erklärt Wey. „Im Herbst und Winter produziert man so bei uns kein Vitamin D mehr“, erklärt er. Die Sonneneinstrahlung sei viel zu gering, die Haut größtenteils bedeckt.

Wer Heimbewohner in diesen Zeiten nicht mit Vitamin D versorgt, betreibt meiner Meinung nach unterlassene Hilfeleistung.
Stephan Wey / Arzt

800 Einheiten täglich, diese Dosis empfiehlt Wey einem gesunden Menschen. Höchstens zehn Prozent davon erreiche man über die Ernährung. „Man müsste dafür jeden Tag 250 Gramm Lachs essen“, sagt er.

Appell an seine Patienten: Stephan Wey, Internist aus Lauf, sieht im Vitamin D eine unterschätze Substanz für die Gesundheit. Foto: A. Seibert

„Die meisten Menschen starten zwar mit einem gewissen Speicher in den Winter, der reicht aber nicht bis zum Ende aus“, so Wey. Einfache Präparate aus dem Drogeriemarkt seien selbst bei geringerer Qualität besser als gar nichts. Das Maximum von 4.000 Einheiten pro Tag sollte jedoch ohne ärztliche Absprache nicht überschritten werden, ergänzt er. Eine Überdosierung auf Dauer könne toxisch enden.

Besonders gefährlich schätzt er die Vitamin-D-Werte vieler Heimbewohner ein, die er betreut. Mitunter messe er bei ihnen nur 15 Nanomol pro Liter. Seine Empfehlung für gesunde, junge Menschen liegt bei 100 Nanomol pro Liter. „Risikogruppen haben keine Chance, sich auf natürliche Weise einen Speicher aufzubauen“, so Wey, die Versorgung von Heimbewohnern mit Vitamin D sei besonders wichtig.

Die Angst vor einer Ansteckung macht etwas mit den Menschen.
Claudia Röll-Bolz / Heilpraktikerin

Vitamin D gehört in seiner Praxis längst zum Standard-Mittel, etwa bei Infekten. Studien hätten gezeigt: „Wer kaum Vitamin D im Körper hat, der trägt ein überhöhtes Risiko bei einer Corona-Infektion auf der Intensivstation zu landen oder gar zu sterben“, so Wey.

Mangel schadet der Gesundheit

Beobachtungen in der Pandemie: Claudia Röll-Bolz, Heilpraktikerin aus Karlsruhe, erkennt steigende psychische Belastungen. Foto: Studioline Photography Karlsruhe

Röll-Bolz berichtet, dass immer mehr Patienten mit Anzeichen von Erschöpfung zu ihr kommen. „Das hat sich seit der Corona-Pandemie verschärft“, sagt sie. Ein schwaches Immunsystem oder ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus: „Die Angst vor einer Ansteckung macht etwas mit den Menschen.“ Hinzu komme die andauernde Sorge um die Existenz sowie neu entstandene familiäre Konflikte.

Das Immunsystem steht im Fokus

Um dem Stress entgegenzuwirken, rät Röll-Bolz neben Bewegung an der frischen Luft vor allem zu Training für das Immunsystem. „Schon eine gesunde Ernährung kann dabei helfen, die Stresstoleranz zu steigern“, sagt sie.

Wenn es darum geht, aktiv gegen Infekte zu kämpfen, greift die Heilpraktikerin zur Zistrose. „Sie hat einen vorbeugenden Effekt und verhindert mit ihrem Wirkstoff, dass sich Viren andocken können“, erklärt sie. Gerade als Lutschtabletten könne man die Pflanze immer griffbereit haben.

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