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Landkreis trennt Rest- und Biomüll

Die Biotonne bleibt im Kreis Karlsruhe Gesprächsthema: Vielen ist sie zu teuer

Im Landkreis Karlsruhe bringen fast 70.000 Haushalte ihren Biomüll lieber selbst weg, als die Gebühr für eine Tonne und deren Leerung zu bezahlen. Das Ergebnis müssen die Sammelstellen aushalten.

Deckel auf, Bananenschale rein: Rund 19.000 Haushalte haben ihre Biotonne beim Landkreis Karlsruhe bereits bestellt, vor vielen Haustüren steht sie auch schon. Bioabfall soll künftig nicht mehr im Restmüll landen. Foto: Martha Steinfeld

Die Gemüsereste kommen im Landkreis Karlsruhe seit Anfang des Jahres nicht länger in die Restmülltonne. Bioabfall hat jetzt seinen eigenen Behälter. Während einige Bürger die Mülltrennung unterstützen, ist bei anderen bereits nach wenigen Tagen Unmut zu spüren.

In den sozialen Medien berichten Nutzer von ersten Problemen auf den Sammelstellen oder ausstehenden Biotonnen-Lieferungen, die Kosten führen oft zu zusätzlicher Kritik.

Mit ihrem Eimer auf dem Arm machte sich eine Frau aus Blankenloch erstmals mit ihrem Biomüll auf den Weg zum dortigen Wertstoffhof, wie sie auf BNN-Anfrage erzählt. Loswerden konnte sie den Inhalt allerdings nicht. Grund dafür: Die Behälter seien voll, erzählt sie. Ähnliches erlebte auch ein Mann aus dem Umkreis von Ettlingen. Die Mülltrennung sei grundsätzlich eine „tolle Sache“. Seinen Bioabfall nahm er jedoch wieder mit nach Hause.

19.000 Biotonnen sind beim Kreis bestellt worden

Anstatt einer Biotonne haben sich beide für das kostenfreie Bringsystem entschieden – so wie landkreisweit 69.500 weitere Haushalte. Für die Biotonne seien 700 neue Anmeldungen seit Dezember hinzugekommen, teilt Martin Zawichowski, Sprecher des Landkreises Karlsruhe, mit. Somit erhöhe sich die Zahl auf 19.000, das Ziel liege bei 20.000 Biotonnen.

Die hohe Zahl derjenigen, die sich für eine getrennte Sammlung ihrer Bioabfälle entschieden haben, spreche für eine erfreulich hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung, betont Zawichowski. Über 70 Prozent der Bürger nutzen künftig das Bringsystem oder die Biotonne. Bis Weihnachten habe man die Starter-Sets und Tonnen ausgeliefert, die zwischen Juni und September 2020 bestellt wurden. Anfang Februar gehe es mit den Lieferungen weiter.

Öffnungszeiten der Sammelstellen wurden angepasst

Einen zu großen Andrang auf die Sammelstellen habe es zumindest bei den kreiseigenen bislang nicht gegeben, sagt Zawichowski. Der Landkreis betreibt die Kreismülldeponie in Bruchsal mit Annahmestellen in Ettlingen, Bretten und Waghäusel. Diese hätten mit Blick auf die Entsorgung von Biomüll ihre Öffnungszeiten Anfang des Jahres ausgeweitet. Den Städten und Gemeinden, welche die Sammelstellen selbst betreiben, habe der Landkreis dasselbe empfohlen.

Das ist eine richtig gute Sache.
Clemens Bader, Bürger aus Ettlingen

Zwischen die Kritik am neuen Müllsystem mischen sich auch positive Erfahrungen. Weniger Restmüll und ein unkompliziertes Abgeben, findet etwa Clemens Bader aus Ettlingen. Aus Kostengründen habe er sich gegen die Tonne und für das Bringen entschieden. „Da wir einmal die Woche zum Hofladen fahren, ist das kein zusätzlicher Weg“, sagt er.

Er habe anfangs mit dem Schlimmsten gerechnet, den Wertstoffhof daher erst am Nachmittag aufgesucht. Doch die Sorge war unbegründet, sagt Bader im Nachhinein. „Das ist eine richtig gute Sache.“ Die Restmülltonne des Drei-Personen-Haushalts werde jetzt seltener geleert. Damit spare er sogar noch Geld.

Als ich vor Kurzem von Rastatt nach Bruchsal gezogen bin, bin ich regelrecht erschrocken.
Jochen Senger, Bürger aus Bruchsal

Für Jochen Senger hängt an den Gebühren auch der Erfolg der Mülltrennung. „Als ich vor Kurzem von Rastatt nach Bruchsal gezogen bin, bin ich regelrecht erschrocken“, sagt er. Da er regelmäßig zum Grünschnittplatz fahre, habe er sich genau wie Bader für das Bringsystem entschieden. Eine Kostenfrage, wie er sagt. Wäre die Biotonne günstiger, würde er sofort umsteigen.

Den Müll nicht ordnungsgemäß zu trennen, das stehe für ihn nicht zur Debatte. „Wie sich das Geschehen auf den Sammelstellen weiterentwickelt, werden wir spätestens im Sommer sehen“, meint Senger. Derzeit könne man aufgrund der winterlichen Temperaturen den Biomüll problemlos ein paar Tage länger lagern.

Kosten der Biotonne treffen auf Unverständnis

Fabian Ganz aus Eggenstein-Leopoldshafen sorgt sich indes darüber, ob aufgrund der Kosten nicht das Ziel verfehlt werde. „Es gibt keinen Anreiz, den Müll besser zu trennen“, kritisiert er. „Wer es richtig macht, bezahlt am meisten.“ Auch er habe sich für das Bringsystem entschieden. Für einen Alleinstehenden würde sich eine Biotonne nicht lohnen – vor allem finanziell. Umweltschonend sei das Bringsystem jedoch nicht: „Den Eimer kann man kaum auf dem Fahrrad transportieren“, sagt er. Also bleibe nur das Auto. Der Weg zur Sammelstelle sei zu weit, um zu Fuß „mal eben den Müll zu entsorgen“.

Vermutlich werden einige ihren Biomüll weiter in der Restmülltonne unterbringen.
Fabian Ganz, Bürger aus Eggenstein-Leopoldshafen

Fabian Ganz ärgert sich über die Kosten im direkten Vergleich zur angrenzenden Stadt Karlsruhe. Hier gibt es für rund 200 Euro im Jahr eine 80-Liter-Restmülltonne – Biomüll und Wertstoff inbegriffen. Im Landkreis Rastatt bezahlen Bürger sogar nur rund 76 Euro bei 14-tägiger Leerung. Die 60-Liter-Biotonne gibt es dort für rund 47 Euro im Jahr dazu.

Im Landkreis Karlsruhe kommt man bei denselben Maßen schnell auf insgesamt 300 Euro für alles. Ganz befürchtet: „Vermutlich werden einige ihren Biomüll weiter in der Restmülltonne unterbringen, weil sie sich keine weitere Tonne leisten können und es nicht regelmäßig schaffen, ihn wegzubringen.“

Kleinere Restmülltonne führt zu Ersparnis

Die Bevölkerung trenne ihre Restabfälle und Wertstoffe bereits seit vielen Jahren sehr vorbildlich, bewertet Zawichowski die Situation. Die hohe Anzahl an bestellten Sets für das Bringsystem und an Tonnen stimme den Landkreis positiv. Wer seinen Biomüll trenne, spare zudem bei den Abfallgebühren, da eine kleinere Restmülltonne notwendig oder weniger Leerungen bezahlt werden müssten. Ob es Sanktionen bei falscher Entsorgung geben wird, darüber macht der Landkreis auf BNN-Anfrage keine Angaben.

Erst Anfang 2020 waren die Abfallgebühren im Landkreis Karlsruhe gestiegen. Zuvor waren sie rund zehn Jahre konstant geblieben. Sie seien aber nur schwer etwa mit denen der Stadt Karlsruhe zu vergleichen, da sie sich anders zusammensetzen würden, sagt Zawichowski. Im Landkreis hänge die Höhe der Abfallgebühren erheblich von den jeweils in Anspruch genommenen Leistungen ab. Man könne die Höhe der Kosten in einen bestimmten Umfang also selbst beeinflussen.

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