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Comeback für Ludwig

Die Neugestaltung des Karlsruher Marktplatzes kommt voran

Während momentan vieles ruht, geht auch einiges voran: So zeichnet sich der Endspurt bei der Neugestaltung des Karlsruher Marktplatzes ab. Die Pflasterer nehmen die Südhälfte der insgesamt 7.000 Quadratmeter großen Stube der Fächerstadt in Beschlag.

DAS ACHTECK aus Beton ist auf dem Marktplatz direkt vor der Stadtkirche über dem Deckel der U-Strab gegossen. Es ist das Fundament für den Ludwigsbrunnen. Die Pflasterarbeiter haben sich bis vor das Kirchenportal nach Süden vorgearbeitet. Bis zum Herbst will das Tiefbauamt den Platz neu versiegelt haben. Die Nordhälfte (links) ist schon fertig. Foto: jodo

Im Sommer soll die Fürst Ludwig wieder auf hohem Sockel im historischen Marktbrunnen stehen, berichtet Tiefbauamtschef Martin Kissel. Schon ist das neue Fundament, eine Achteckplatte, über dem Betondeckel der Untergrundstation „Marktplatz“ gegossen. Ludwig wird erneut vom Zentrum der Südachse des Marktplatzes nach Norden gen Residenz zu seinem Vater Großherzog Karl Friedrich, dem Pendant als Brunnenfigur auf dem Schlossplatz, schauen.

NACH SIEBEN JAHREN kehren Ludwig und sein Brunnen auf den Marktplatz zurück. Ein Wiedersehen mit der Straßenbahn wird es dort aber nie mehr geben. Foto: jodo

Besprechungen im Freien statt im Container

Der Brunnen von 1833 mit den vier Wasser speienden Löwenmäulern steht exakt auf der Spiegelachse des Karlsruher Klassizismus. Diese gedachte Linie teilt das Rathaus und die Stadtkirche in symmetrische Hälften. So symbolisiert der Wiederaufbau dieses Ludwigs auch noch genau über der U-Strab – übrigens das Verdienst des Nahverkehrskönigs Dieter Ludwig – die Vollendung des Stadtumbaus: Die Wunden, welche die Kombi schlug, werden wieder geschlossen und verpflastert.

Der Tiefbau läuft gut.
Martin Kissel, Chef des Tiefbauamts Karlsruhe

Dies gilt allerdings nur, wenn die Corona-Krise sich nicht doch noch stark auf den Baufortschritt bei Arbeiten in Regie des Tiefbauamts auswirkt. „Der Tiefbau läuft gut“, bestätigt Martin Kissel. Auf den Baustellen im Freien „werden die Abstandsregeln eingehalten“, betont er. Inzwischen seien auch die Arbeiter aus dem Elsass nach zwei Wochen Pause wegen Corona zurück auf Karlsruhes Kombi-Großbaustellen. Auch die Bau-Besprechungen laufen laut Kissel im Freien und „nicht im Container“.

„Mitte Mai kommt die Rathaustreppe dran“, erklärt Kissel. Nacheinander werde eine Hälfte des historischen Stufengangs wieder eingebaut. „So bleibt das Rathaus vom Marktplatz auch während der Bauphase immer erreichbar“, versichert er. Nur in den Sommerferien wird laut Stadtverwaltung der Haupteingang des Rathauses „kurz gesperrt sein, um den Mittelteil der Treppe bauen zu können“.

Marktplatz soll im Oktober fertig sein

Insgesamt gilt derzeit trotz Corona unverändert: Im Oktober zum Stadtfest soll der Marktplatz mit dem neuen Pflaster, den neuen Bänken (aber nun doch nicht aus Tropenholz) und dem alten Ludwig mit Brunnen fertig sein und von den Bürgern feierlich wieder nach der U-Strab-Bauperiode in Besitz genommen werden. „Wir liegen nach wie vor gut im Zeitplan“, sagt Kissel. Mittlerweile haben die Pflasterer schon die Hälfte der Säulenreihe vor der Stadtkirche erreicht. Rund ein Viertel der Südhälfte ist also zugepflastert.

„Das einzige Risiko“ bestehe darin, dass die Pflastersteine ausgehen, räumt der Tiefbauamtschef ein. Die Lieferung des Granits aus einem portugiesischen Steinbruch sei auf Grund von Grenzschließungen wegen der auch auf der iberischen Halbinsel wütenden Pandemie ins Stocken geraten. Das Karlsruher Pflaster wird per transkontinentalem Lkw-Transport von Portugal durch Spanien und Frankreich nach Baden gebracht

„Von den 7.000 Quadratmetern des Marktplatzes sind jetzt schon 4.500 Quadratmeter verlegt.“ Rund 700 Quadratmeter Pflastersteine habe man schon auf Vorrat. „Es müssen also noch Steine für rund 2.000 Quadratmeter geliefert werden“, erklärt Kissel.

Wasserspiele bleiben vorerst aus

Würde nicht wegen der Corona-Krise der Ausnahmezustand herrschen, könnten die Karlsruher jetzt bei Frühlingssonnenschein mit über 20 Grad die Nordhälfte ihres Marktplatzes wieder in Besitz nehmen. Um die Pyramide sind alle U-Strab-Wunden verpflastert. Zwei Cafés haben ihre Stühle auf den Platz gestellt. Doch niemand darf dort in dieser Osterzeit bewirtet werden.

Wir dürfen jetzt nicht für Attraktionen sorgen, sonst halten die Bürger nicht die wegen des Coronavirus gebotene Distanz ein.
Klaus Weindel, Vizechef des Gartenbauamts

Auch die neuen Karlsruher Wasserspiele bleiben vorerst aus. Keine Fontänen schießen aus 31 Düsen im Pflaster zwischen Pyramide und Kaiserstraße. „Wir dürfen jetzt nicht für Attraktionen sorgen, sonst halten die Bürger nicht die wegen des Coronavirus gebotene Distanz ein“, erklärt Klaus Weindel, Vizechef des Gartenbauamts.

Immerhin sind der Blumen- und der Abendmarkt an die Pyramide zurückgekehrt. Auch die alten Bänke und die Oleander in Majolika-Kübeln erlebten noch vor dem Ludwigsbrunnen ein Revival, erklärt die Stadt. Erst wenn der ganze Marktplatz im Frühherbst fertig ist, werden demnach die neuen Sitzelemente und Leuchten aufgestellt.

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