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Ein Kronleuchter aus Nancy

Die Schatzkammer im Karlsruher Rathauskeller

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Das gilt auch, wenn sich Städte begegnen. Im Karlsruher Rathaus ist deshalb ein Raum für Gaben reserviert - für solche, die die Stadt in die Welt trägt. Und für Überraschungen, die Karlsruhe selbst bekam.

Der Herr der Geschenke: Hauptamtsleiter Martin Wiederkehr bewahrt Gaben auf, die Karlsruhe von Besuchern von außerhalb bekommt, darunter zum Beispiel ein Teppich aus der Türkei. Foto: Jörg Donecker

Die Schatzkammer befindet sich im Keller des Karlsruher Rathauses: Es ist ein Raum, der für Gaben reserviert ist. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – das gilt auch, wenn sich Städte begegnen. Deshalb reisen städtische Delegationen nicht mit leeren Taschen in die Welt. Und auch offizielle Besucher aus dem Ausland bringen in der Regel kleine oder größere Überraschungen mit. „Rund 40 Geschenke kommen im Schnitt im Jahr bei der Stadt an”, sagt Hauptamtsleiter Martin Wiederkehr.

Nicht zu schwer, nicht zu sperrig

Er ist von Amts wegen für den Gabentisch zuständig. Seine Mitarbeiter steigen in den Keller, wenn etwas neu ankommt und aufbewahrt werden muss. Und er packt den Geschenkekoffer, wenn Karlsruher Delegationen reisen. „Oftmals tragen wir den Koffer auch”, berichtet Wiederkehr.

Er weiß: Zu schwer oder zu sperrig darf die Gabe nicht sein, wenn Bürgermeister ins Ausland fliegen. Wiederkehr hat mit dem Thema im Lauf der Jahre Erfahrungen gesammelt. Da war zum Beispiel ein Brieföffner, den er im Flieger von Karlsruhe in die Partnerstadt Krasnodar schaffen wollte – und im Eifer des Gefechts im Handgepäck verstaute. An der Kontrolle in Wien wurde das Geschenk kassiert.

Schreck beim Auspacken

Im Koffer verstaut war dagegen eine Karlsruher Straßenbahn in Miniatur. „Die hatte die Lehrwerkstatt der Verkehrsbetriebe extra für Krasnodar angefertigt. Der Zug stand auf einem kleinen Holzsockel hinter Glas”, erzählt Wiederkehr. Noch heute, 25 Jahre später, erinnert er sich an den Moment, als er am Zielort auspackte. „Der Koffer wurde am Flughafen in Moskau offenbar herumgeworfen. Der Zug stand nicht mehr auf seinem Sockel...”

Wiederkehr saß später in Krasnodar am Rande des Festakts und versuchte mit einem Taschenmesser den Schaden zu richten. „Am Ende stand der Zug wieder. ”Eigens angefertigte Geschenke wie die Modellbahn trägt Karlsruhe in der Regel zu besonderen Anlässen in die Welt, Jubiläen der Städtepartnerschaften etwa. Halle und Nancy erhielten so Holz-Draisinen, wie sich auch eine im Karlsruher Rathaus findet.

Diese Draisine steht im Karlsruher Rathaus. Baugleiche Modelle schenkte Karlsruhe den Partnerstädten Halle und Nancy. Foto: Jörg Donecker

Bäume in Ecuador

Oft werden Bildbände, Majolika Fliesen, Schals oder auch Wein vom Durlacher Turmberg überreicht. Kugelschreiber gehören zum Sortiment. Ebenso Handtücher. „Die sind nicht schwer, nicht sperrig und nicht zerbrechlich”, so Wiederkehr. Seit einiger Zeit verschenkt Karlsruhe Bäume in Ecuador aus dem Projekt der Karlsruher Klimaagentur. „Damit überrascht wurden beispielsweise die Stadträte von Nancy geschenkt, als sie zusammen mit unserem Gemeinderat tagten“, berichtet Wiederkehr.

Die früher beliebten CDs seien hingegen etwas aus der Mode. Sie und einige Bildbände verkaufte Karlsruhe zuletzt beim Tag der offenen Tür des Rathauses bei einer Art Flohmarkt. „Der Keller wird ja immer voller“, so der Hauptamtschef. Immer wieder bietet er dem Archiv Stücke an. Denn vieles will die Stadt aufbewahren.

Das gilt zum Beispiel für einen Teppich, den im Juli 2019 die Bürgermeisterin der türkischen Stadt Van, Bedia Özgökce Ertan, nach Karlsruhe brachte. Kurz darauf wurde sie wie weitere kurdische Politiker des Amtes enthoben. Der Teppich wird nun verstaut neben einer Holzmaske, die Bürgermeister Albert Käuflein in Südkorea bekam. Im Regal steht ein Räuchermännchen, das 2009 eine Delegation aus Sachsen bei einer Schulmusikbegegnung nach Karlsruhe brachte. Da gibt es zudem eine Wodka-Karaffe und einen auf Leder gezogenen Stich aus Krasnodar...

Kronleuchter im Haus Solms

Grundsätzlich freut sich Wiederkehr, wenn etwas sinnvoll verwendet wird. Ein Baccarat-Kronleuchter, den Nancy 2005 Karlsruhe zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft schenkte, hängt im Haus Solms. Bekommt ein Bürgermeister Schokolade geschenkt, darf er sie natürlich essen.

Diesen Kronleuchter erhielt Karlsruhe aus Nancy. Er hängt im Haus Solms. Foto: Jörg Donecker

Teure Geschenke mit nach Hause nehmen, wäre dagegen tabu. „Es kommt aber auch keine Rolex an“, so Wiederkehr. Man weiß, was man schenkt. Und grübelt auch mal. „Man kann mit Geschenken viel richtig oder viel falsch machen“, so Wiederkehr. Schon eine falsche Farbwahl sei je nach Region ein Problem.



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