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Mountainbiker in der Kritik

Downhill – Spaß auf Kosten der Natur?

Mit gefühlt 100 Stundenkilometern donnern die Biker den Berg runter. Und das auf steilen Wegen, die selbst zu Fuß kaum zu schaffen sind. Downhiller erobern immer mehr Wälder für sich – auch in Karlsruhe. Doch diese Leidenschaft teilen nicht alle. Viele Waldbesucher sorgen sich um die Umwelt.

Kein Hindernis wird gescheut. Mit dem Mountainbike geht es über Stock und über Stein. Foto: Julia Weidemann

Mit gefühlt 100 Stundenkilometern donnern die Biker den Berg runter. Und das auf steilen Wegen, die selbst zu Fuß kaum zu schaffen sind. In Karlsruhe toben sich die Mountainbiker am „Strommasten-Downhill“ auf dem Edelberg oberhalb von Grünwettersbach aus. Es ist die Kombination aus Adrenalin, Kraft und Natur, die diesen Sport so reizvoll macht. Doch diese Leidenschaft teilen nicht alle. Viele Waldbesucher sorgen sich um die Umwelt.

Mountainbike-Szene boomt

„Mit dem Bike raus an die frische Luft, die Natur genießen und den Alltag hinter mir lassen. Das ist mein Ausgleich“, sagt Tassilo Schimming. Bereits als kleiner Junge hat er die Wälder auf dem Rad erkundet. Ein Hobby, mit dem er nicht alleine ist. Im Mountainbike Club Karlsruhe engagieren sich mittlerweile über 600 Menschen , davon über 200 Kinder und Jugendliche. „Es gab einen richtigen Boom. Immer mehr Leute wollen fahren“, sagt Franz Puschner, der Trail-Verantwortliche des Mountainbike Clubs.

An guten Tagen werde die Strecke entlang der Strommasten um die 500 Mal befahren. In einer Kooperation mit der Uni Rothenburg und Forstwirtschaftsstudenten hat der Verein im vergangenen Jahr das Nutzungsverhalten analysiert und herausgefunden, dass der Wunsch nach einer weiteren, etwas flacheren und weniger riskanten Strecke unter den Mountainbikern groß ist.

Nicht jeder sieht uns gerne hier im Wald
Tassilo Schimming, Mountainbike-Fan

Aber es gibt auch Stimmen, die dem Ganzen kritisch gegenüberstehen und die Mountainbikestrecken als Eingriff in die Natur wahrnehmen oder sich in ihrer Erholung beim Wandern im Wald gestört fühlen. "Nicht jeder sieht uns gerne hier", sagt Downhiller Schimming. Er selbst hatte schon eine Auseinandersetzung mit einem Wanderer, der auf sein Wegerecht bestand und keinen Platz für den Radfahrer machen wollte.

Außerdem sei es problematisch, wenn die Arbeit der Jagdpächter durch Mountainbiker gestört wird, sagt der örtlich zuständige Forstrevierleiter Bernd Struck. „Wenn die Jagd beeinträchtigt wird, kann das immense Auswirkungen auf den Wald und die umliegende Natur haben. Auch die Arbeit des Forstamts leidet dann darunter“.

Naturschutz durch Legalisierung

Dennoch sei es aufgrund der großen Nachfrage für die Natur besser, einen offiziellen Trail zu bauen, erklärt Struck. Denn nur so lassen sich die für den Naturschutz notwendigen Auflagen umsetzen. Andernfalls entstehe das Problem, dass viele mit dem Mountainbike unkontrolliert durch den Wald rasen und diesem so erst recht schaden.

Aktuell zeichne sich dieses Problem im Waldbiotop Hornklamm ab. Hier ist eine illegale Strecke entstanden. Wichtig sei laut Struck zudem, dass die Strecken parallel zu den Hauptfahrwegen gebaut werden würden, so könnten zusätzliche Störungen des Tierreichs vermieden werden. Der Forstrevierleiter ist deshalb froh, den Mountainbike Club Karlsruhe als Ansprechpartner zu haben. „Sie übernehmen Verantwortung und helfen dabei, illegalen Strecken entgegenzuwirken.“

Im Video erklärt der Trail-Verantwortliche des Mountainbike Clubs Franz Puschner mit welchen Maßnahmen der Verein naturgerechte Trails baut und instand hält.

Der Naturschutz sei ein großes Anliegen des Vereins, sagt Puschner. Mit anderen Vereinsmitgliedern organisiert er Aktionen, die über das Mountainbiken hinausgehen. So unterstützen die Fahrer das Forstamt und Jagdpächter mit ihrer Arbeitskraft bei Waldpflege- und Fegeschutzeinsätzen.

Vor allem Kinder und Jugendliche würden dadurch an den Wald und die Natur herangeführt werden. „Wir zeigen ihnen, was im Wald los ist, was es dort alles gibt. Und auf was wir Mountainbiker achten müssen, damit die Natur erhalten bleibt und wir auch in zwanzig oder dreißig Jahren noch biken können.“

Großteil des Trails ist naturbelassen

Grundsätzlich gibt es einen Gestattungsvertrag zwischen der Stadt Karlsruhe und dem Mountainbike Club. In ihm ist festgelegt, welche Beschaffenheit ein Trail haben darf und welche Arten von Hindernissen erlaubt sind. Der größte Teil der Strecke ist naturbelassen. Laut Trail-Experte Puschner wurden lediglich die Humusschicht oder der Bewuchs teilweise entfernt.

Ebenso prüfe die Dekra die Strecke auf Risikofaktoren und deren Zustand. Dennoch liege das Betretungsrisiko – wie auch bei Wanderpfaden – bei einem selbst. Schließlich entscheide sich der Mountainbiker ganz bewusst für den unbefestigten Pfad. Das sei der Reiz dabei.

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