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Kultur

Edward Hopper zieht: Ausstellung in der Fondation Beyeler bei Basel widmet sich US-Maler

Edward Hopper zieht: Ausstellungen mit seinen Werken sind immer Publikumsmagneten. Jetzt widmet sich die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel dem Maler, der mit seinen Bildern aus dem US-amerikanischen Alltag etliche Regisseure beeinflusst hat.

Was erwartet sie? Der Blick auf etwas, was sich dem Betrachter des Bildes entzieht, ist ein wesentliches Merkmal der Malereien von Edward Hopper auch auf dem Gemälde "Cape Cod Morning" (Morgen in Cape Cod) von 1950. Foto: Smithson American Art Museum, Washington

Die Rückkehr war ein Schock. Dreimal war Edward Hopper seit 1906 über den Atlantik gereist. Hatte den Dampfer Richtung Europa bestiegen, um an das Ziel seiner Künstlerträume zu gelangen. Der junge Maler hatte in New York bei Realisten wie William Merritt Chase und Robert Henri studiert. Aber ihn interessierte der Impressionismus.

Also ging er dorthin, wo Künstler wie Monet, Pissarro, Renoir ihre Ideen in flirrende Malerei umgesetzt hatten. Hopper zog es nach Paris. An den Ort, an dem das Neue brodelte. Ein Amerikaner in Paris wurde Hopper dennoch nicht.

1910 beschloss er, der Stadt endgültig den Rücken zu kehren. Schiffte sich ein nach New York und erlebte eine rüde Ernüchterung: „Alles hier kam mir entsetzlich grob und ungeschliffen vor, als ich zurückkam“, erinnerte er sich später.

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Der Maler der "American Scene"

Aussagen wie diese machen es umso erstaunlicher, was aus Hopper wurde. Auch wenn andere mit ähnlich schnörkelloser Sachlichkeit ihre modernisierte Umwelt in Bilder fassten, so wurde ausgerechnet er, der bei seiner Ankunft die USA als roh empfand, zum Maler der „American Scene“ schlechthin.

Sicher, ein Charles Demuth (1883 bis 1935) hat mit plakativer Exaktheit Fabriken gemalt, die wie Leuchtmarken des Fortschritts in der Landschaft stehen. Und ein Charles Sheeler (1883 bis 1965) malte Motive, die sich auch bei dem ein Jahr älteren Edward Hopper finden: verstörend coole Innenräume, Industrielandschaften, Häuserschluchten.

All diese Zeitgenossen haben heute ihren Platz in der Kunstgeschichte, aber richtig populär wurde von ihnen einzig Hopper. Nach seinem Tod noch mehr als zu seinen Lebzeiten: Als 2004/2005 ein Querschnitt durch sein Werk zunächst in London und dann in Köln gezeigt wurde, zählte die Ausstellung insgesamt fast 780.000 Besucherinnen und Besucher.

Hopper zieht. Und so dürfte sich auch die jüngste Würdigung des amerikanischen Künstlers zum Publikumsmagneten entwickeln. Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel hat ein Landschaftsbild, das ihr als Dauerleihgabe überlassen wurde zum Anlass genommen für eine Präsentation, die 65 Werke Hoppers umfasst und mit einem außergewöhnlichen Akzent endet: Eigens für die Schweizer Werkauswahl hat Wim Wenders einen 15-minütigen 3-D-Film gedreht, der nur im Museum gezeigt wird.

Für Wim Wenders war Edward Hopper "der tollste Maler"

Der Clou ist schlüssig. Haben doch die Bilder des Malers etliche Regisseure beeinflusst, unter ihnen Michelangelo Antonioni, Jim Jarmusch, Roman Polanski. Ein wechselseitiger Austausch. Denn umgekehrt war Hopper vom Medium Film beeinflusst.

Wenn er eine seiner Blockaden hatte, sich leer fühlte und mit dem Malen nicht weiterkam, ging er ins Kino. Egal, was gerade auf dem Programm stand. Weshalb Wenders bei der Vorstellung seiner Produktion zu dem Schluss gelangte: „Ich finde, dass er gemalt hat, als ob er erwarten würde, dass daraus ein Film wird.“

Zu den Regisseuren, die sich in ihrer Bildsprache von Hopper anregen ließen, gehört Wenders selbst. Er hat die Werke des Amerikaners während der 1970er Jahre in New York kennengelernt. Für ihn war klar: „Das ist der tollste Maler, den ich je gesehen hatte.“ Eine ästhetische Erschütterung, die ihn nachhaltig in ihren Bann gezogen und dazu gebracht hat, den Geheimnissen nachzuspüren, die die Anziehungskraft der Bilder Hoppers ausmachen.

Ein Hauch von Hitchcock

Deren suggestive Wirkung ergibt sich aus der eigenartig angespannten Atmosphäre, die von den Malereien ausgeht, selbst wenn da nur eine Straßenecke oder ein Haus wiedergegeben ist. Die Stimmung erinnert nicht selten an die Filme Alfred Hitchcocks – auch er einer von denen, die sich vom Hopper-Look angezogen fühlten. Von Hitchcock wurde einmal gesagt, er sei vom „vorletzten Moment“ gefesselt gewesen. Auf diesen Augenblick, kurz bevor etwas passiert (oder nach einem einschneidenden Ereignis), scheint Hopper abzuzielen.

Die Ruhe vor dem Sturm, das Innehalten vor der Katastrophe. Alles sieht ruhig aus und atmet doch Gefahr: „High Noon“ (1949) nennt Hopper ein Bild, das ein weißes Haus in hellem Sonnenlicht vor fast wolkenlosem Himmel zeigt. Im offenen Hauseingang steht fast türhoch eine blonde Frau.

Ihr ärmelloser Morgenrock ist vorne offen und offenbart ihre Nacktheit. Die Vorhänge im Giebelfenster über ihr sind ähnlich weit auseinandergezogen wie ihr Überwurf, und so entsteht jene unterschwellig erotische Aura, die viele Bilder Hoppers kennzeichnet. Diese rätselhafte Ungewissheit birgt die Verlockung, die Geschichten, die Hopper andeutet, weiterzudenken. So wie das Wim Wenders in seinem Film vorführt.

Weshalb sich in der Fondation Beyeler die cineastische Fortsetzung eines Gemäldes mit filmischen Mitteln erleben lässt: Der Mann, den man eben noch einsam auf dem Tankstellenbild „Gas“ sah, tritt als Akteur vor Augen: Ist er das Opfer eines Beziehungsdramas? Ganz nach der Art seines Vorbilds Hopper bleibt auch bei Wenders alles auf faszinierende Weise offen.

Service

Vom 26. Januar bis 17. Mai in der Fondation Beyeler, Riehen bei Basel. Geöffnet: täglich 10 bis 18 Uhr.

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