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Knielinger richtet Becken für Pflegefische ein

Ein Karlsruher baut Deutschlands erstes Tierheim für Fische

Was tun, wenn der niedliche Zierfisch wächst und wächst, bis er schier das Aquarium sprengt? Wenn jemand wegen Umzug oder Krankheit das Hobby aufgeben muss? Der Knielinger Oliver Knott hat eine Idee. Er richtet eine Wohngemeinschaft für Pflegefische ein

Auffangstation: Der Karlsruher Oliver Knott richtet Deutschlands erstes Tierheim für Fische ein. Foto: okaquadesign

Südamerikanische Buntbarsche faszinieren. Das Farbenspiel ihrer Schuppen und ihre kapitale Größe beeindrucken. Letzteres bringt unerfahrene Aquarianer in die Klemme. Denn Augen auf beim Kauf: Nur Zwergbuntbarsche beschränken sich auf zehn Zentimeter Körperlänge. Andere Arten strecken sich auf 25 Zentimeter. Das verträgt sich nicht mit Wasserbecken fürs Wohnzimmer, die maximal 100 Zentimeter lang sind.

Sprengt ein heranwachsender Exot sein Becken, baden oft organisierte Zierfischhalter das Missgeschick aus. Bevor ein Fisch untergeht, greifen Jörg Kultscher, der Vorsitzende des Karlsruher Vereins Gasterosteus für Aquarien- und Terrarienkunde, oder seine Mitstreiter ein. „Einmal habe ich Buntbarsche direkt mit ihrem Becken in unser Vereinsheim geholt“, berichtet Kultscher.

Letzte Chance für große Kaliber

Auch das Veterinäramt bittet die Gasterosteus-Aktiven bei Bedarf um Hilfe, um Zierfische aus schlechter Haltung aufzunehmen. Ganz große Kaliber können nur auf eine Chance in einem Zoo oder bei Experten wie im Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe hoffen.

Der stellvertretende Gasterosteus-Vorsitzende Norbert Gloser kann ein Lied von heimatlosen Zierfischen singen. „Wenn ich auf mein größtes Becken gucke, sehe ich zur Hälfte Fische, die ich nie wollte“, erklärt er. Zu südamerikanischen Panzerwelsen hat er notgedrungen Skalare und Black Mollys aus aufgelösten Hobbyhaltungen gesetzt: „Die taten mir leid.“

Für Pflegefische wird es ganz eng

Jetzt aber wird es eng wie nie für Pflegefische. Das Coronavirus vermasselt Vereinen ihre Tauschbörsen. Erst am Samstag vor Nikolaus fiel so ein Termin des Karlsruher Gasterosteus-Klubs wieder ins Wasser. Noch stehen die Termine fürs kommende Jahr 2021 im Internet. Ob sie realisierbar sind? Das kann Gloser nicht abschätzen. Nur so viel sagt er: „Wir haben noch Hoffnung.“

Wegen der Zwangspause sind die Notaufnahmen gestoppt. Ein Lichtblick ist da, dass ein weiterer Karlsruher Aquarianer just in diesen Tagen Deutschlands erstes Tierheim für Fische einrichtet. Im Odenwald zieht der international tätige Aquariengestalter Oliver Knott aus Knielingen derzeit eine Wohngemeinschaft für Zierfische hoch. Knott hat schon mehrfach für das Staatliche Naturkundemuseum Karlsruhe gearbeitet. Bis Neujahr will er nun sein Fisch-Tierheim nach professionellen Standards fertigstellen.

18 Becken mit je 100 bis 300 Liter Volumen richtet Knott ein, dazu zwei 1.800-Liter-Bottiche für größere Fische und mobile Aquarien. Ein Extrablock wird für Quarantäne oder zur Behandlung aufgesetzt. Als Hauptsponsor finanziert die Firma Jöst Aquaristic das Projekt, das auf Spendenbasis laufen soll.

Das Haus wird ein Umschlagplatz, zum Austauschen.
Oliver Knott, Initiator des Fisch-Tierheims

„Das Haus wird ein Umschlagplatz zum Austauschen“, erklärt Knott. Sein Radius reicht von Heidelberg bis in den Schwarzwald, rund um Knotts Firmensitz in Straubenhardt und die Adresse des bundesweit ersten Tierheims für Fische in Abtsteinach.

„100 Kilometer sind für Aquarianer kein Thema“, weiß der Karlsruher. Einmal pro Woche, freitags oder samstags, will er das Haus mit Platz für 600 bis 800 Fische öffnen: „Zum Anschauen und auch zum Abholen. Da steht dann ein Kässchen, um für die Fische zu bezahlen. Kinder bekommen sie umsonst.“

Kontakte

Ratsuchende können sich per E-Mail an die Adresse info@gasterosteus.de an den Verein Gasterosteus für Aquarien- und Terrarienkunde Karlsruhe wenden.

Oliver Knott kann per E-Mail an die Adresse info@oliverknott.com kontaktiert werden.

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