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Herz-Kind

Eine neue Chance: Baby Lisa ist nach einer Operation über den Berg

Wie könnten wir den außergewöhnlichen Heiligabend des Jahres 1992 je vergessen? Kurz zuvor, am 3. November, waren wir Großeltern geworden. Unser erstes Enkelkind Lisa kam in Freiburg auf die Welt. Die Freude in der ganzen Familie war groß.

Ein großes Geschenk: An Heilig Abend konnte die kleine Lisa nach einer schweren Herzoperation endlich die Intensivstation verlassen. Foto: Privat

Zwei Tage später stellte sich heraus, dass Lisa einen schweren Herzfehler hatte, der zeitnah operiert werden musste. Der Blutkreislauf war entgegengesetzt angelegt, die Aorta und die Lungenschlagader waren vertauscht, so dass eine so genannte „Switchoperation“ notwendig wurde, die in spätestens vier Wochen am Uni-Klinikum in Aachen durchgeführt werden sollte.

Also fuhren unsere Tochter und unser Schwiegersohn mit dem Neugeborenen dorthin. Lisa wurde am 7. Dezember operiert. Der Eingriff mit Herz-Lungen-Maschine dauerte sieben Stunden und Lisa bekam einen kleinen Herzschrittmacher in der Größe eines alten 2-Mark-Stücks eingesetzt, um zu überleben. Weihnachten kam immer näher, aber Lisa lag immer noch in bedenklichem Zustand auf der Intensivstation.

Dann kam die gute Nachricht kurz vor Weihnachten: Lisa sollte zu Heiligabend aus der Intensivstation entlassen werden und wir sollten sie besuchen können. Also fuhren wir mit Sohn, Tochter und Freund ab nach Aachen. Um 15 Uhr am 24.12. sollte der Besuch bei Lisa möglich sein.

Es sollte das größte Weihnachtserlebnis unseres Lebens werden: Als wir das Krankenzimmer betraten, prangte über Lisas Bett ein Riesen-Luftballon mit der Aufschrift „Merry Christmas“ und Lisa schaute uns mit großen Augen an und formte ihren kleinen Mund zu einem O, als wollte sie ,,Oh, Du Fröhliche“ anstimmen.

Die Musik bekam sie auch, als unsere zweite Tochter mit ihrem Freund ein kleines Weihnachtskonzert mit Violine und Gitarre im Krankenzimmer veranstalteten. Das sorgte in der ganzen Kinderabteilung für Aufsehen und bald war das Krankenzimmer voll von Ärzten, Klinikpersonal und anderen größeren Kindern. Die Konzertanten spielten Weihnachtslied um Weihnachtslied und so verging die Zeit wie im Flug. Leider verpassten wir so auch unser reserviertes Weihnachtsessen in einem schicken Restaurant. Stattdessen gab es an Heilig Abend Spaghetti und Tomatensauce von der Tankstelle.

Es schmeckte köstlich, und zeitlich hat es dann sogar noch für die Christmette im Aachener Dom gereicht. Eine wahre Weihnachtsbotschaft für eine gebeutelte Familie: Gott ist Mensch geworden und Lisa hat eine neue Chance bekommen.

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