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Bad im Epplesee

Eisige Einheiten: Lions-Profi Pechacek schwört auf Kältetherapie

Weil die Kältesauna zu ist, geht Basketballer Pechacek seit Wochen regelmäßig in den Epplesee. Dieser Tage ist das eine besonders erfrischende Angelegenheit.

Bad in der Epple-Eistonne: Adam Pechacek, Basketballprofi der PSK Lions, geht regelmäßig ins eiskalte Wasser und wenn nicht gerade Lockdown ist, auch in die Kältesauna. Foto: Markus Gilliar/GES

Bedächtig, Schritt für Schritt, aber ohne auch nur einen Moment des Zögerns geht Adam Pechacek ins Wasser. Bis nur noch sein Kopf mit der roten Mütze zu sehen und sein gleichmäßiges Schnaufen zu hören ist.

Der Sonntagmorgen beginnt für den Basketballprofi der PS Karlsruhe Lions mit einem Bad in der Eistonne. In diesem Fall: dem Epplesee.

Minus sechs Grad sind es draußen, dazu ein ekliger Ostwind. Aber wenigstens die Sonne scheint – und das Wasser des Sees hat immerhin „drei, vier Grad“, schätzt Pechacek.

Das Rauskommen ist „richtig hart“

Zehn, 15 Sekunden – Sekunden können lang werden im eisigen Nass.

Das Reingehen – kostet Überwindung. „Aber das Rauskommen ist richtig hart, vor allem bei diesen Bedingungen“, sagt der 25-Jährige. Vor und nach dem Bad wärmt sich der durchtrainierte 2,06-Meter-Mann am schneebedeckten Strand auf. Bloß nicht direkt aus dem See ins warme Auto, „da kriegt dein Körper einen Schock“.

Raus aus der Komfortzone rein in den See

30, 40 Sekunden – Pechacek atmet ruhig, rudert sachte mit den Armen.

„Ich mache das, um aus der Komfortzone rauszukommen“, sagt der Tscheche, „es hilft dir und deinem Körper in vielen Bereichen.“ Es stärke die physische und mentale Kondition, sagt Pechacek: „Wenn du rauskommst, fühlst du dich erfrischt. Es ist wie ein Restart für deinen Körper.“

80, 90 Sekunden – Pechaceks beständiges Schnaufen dringt ans Ufer.

An diesem Tag schwimmt das 100-Kilo-Kraftpaket nicht. Wenn, dann zieht er seine Bahn auch nur direkt in Ufer-Nähe, „das Risiko ist zu groß“, sagt Pechacek, der vor einigen Monaten mit der Kältetherapie begonnen hat. Eine Therapie, auf die mehr und mehr Sportler in Bezug auf Leistungssteigerung und Regeneration schwören.

Lockdown versperrt Weg in die Kältekammer

100 Sekunden.

Vor dem Lockdown ging Pechacek jeden Tag in die Kältekammer, minus 118 Grad sind es dort. „Aber das ist viel einfacher, als das hier, weil es trockene Kälte ist“, sagt der Center, der aktuell mit durchschnittlich etwa 14 Punkten der Top-Performer der Lions ist und abseits des Parketts auf die Wim-Hof-Methode setzt.

Durch bewusstes Atmen soll man dem Niederländer zufolge etwa Hitze ebensogut ertragen können wie Kälte. So solle die eigene Widerstandskraft gestärkt werden. Pechacek ist überzeugt: „Du lernst, besser mit schwierigen Situationen umzugehen.“

Mindestens einmal die Woche geht es in den See

130, 140 Sekunden – ruhig steht Pechacek in der Epple-Eis-Tonne.

Seit die Kältesauna aufgrund der Corona-Verordnung im Herbst schließen musste, geht der Prager im Rheinstettener See baden. Üblicherweise am trainingsfreien Tag. Wenn aber, wie an diesem Wochenende, mal wieder eine Partie ausfällt, auch öfter. Am Sonntag war Pechacek schon das dritte Mal binnen einer Woche im Epplesee.

Für Anfänger sei das bei den derzeitigen Temperaturen nichts, warnt er. „Du musst zuhause anfangen, zum Beispiel jeden Morgen kalt duschen, dass sich dein Körper dran gewöhnt.“ Das kontrollierte Atmen müsse geübt sein, ebenso das „Runterfahren“ des Herzschlags.

160 Sekunden.

Das Schnaufen wird etwas lauter. Die Kryotherapie (vom griechischen Wort kryo für kalt) helfe auch beim Stressabbau, sagt Pechacek. „Wenn du da im Wasser bist, dann denkst du an nichts anderes mehr“, berichtet der frühere tschechische Nationalspieler.

Ohne Hast kommt er aus dem Wasser

190 Sekunden.

Pechacek kommt ohne Hast aus dem Wasser, die Haut gerötet. Ohne sich abzutrocknen, beginnt er mit einer speziellen Aufwärmübung, so gleichmäßig-ruhig, wie er kurz zuvor im Wasser stand.

Die Zeit im Wasser ist immer unterschiedlich, „das kommt drauf an, wie du dich fühlst“, sagt er. Wenn es so kalt ist wie jetzt, dann sind es mal vier, mal fünf Minuten – an diesem Sonntag etwas weniger. „Es war heute sehr kalt, und das war mehr als genug“, sagt Pechacek, als er sich anzieht. Genug aber nur für diesen Moment.

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