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Kampagne läuft bis 21. Mai

Elterninitiative "G9 jetzt!" sammelt neue Unterschriften

In der Corona-Krise fühlt sich die Elterninitiative "G9 jetzt!" klar in ihrer Forderung nach einer verlängerten Gymnasialzeit bestätigt. Sie sammelt jetzt erneut Unterschriften, um beim Land eine möglichst rasche Reform zu erwirken - rennt aber aktuell noch gegen verschlossene Türen.

GEGEN DAS ACHTJÄHRIGE TURBO-GYMNASIUM und für die Rückkehr zum entschleunigten G9-Modell kämpft eine Elterninitiative nun erneut. Die Corona-Krise habe die „gravierenden“ Probleme des G8 noch verschärft, erklären die Kritiker. Foto: dpa Foto: None

Anja Plesch-Krubner gehört zu den Menschen, die sich von der Krise beflügelt fühlen: Die Sprecherin der baden-württembergischen Elterninitiative „G9 jetzt!“ trommelt im Corona-Ausnahmezustand erneut für eine längere Gymnasialzeit. Die Ärztin aus Heidelberg und ihre Mitstreiter haben die Unterschriftenaktion im Internet neu gestartet – unter dem Motto „G9 sofort!“ läuft sie bis 21. Mai.

Eine Reform in Blitzgeschwindigkeit fordern die Eltern: Bereits diesen September solle das entschleunigte neunjährige Gymnasium starten – und zwar für alle Klassen, von der fünften bis zur aktuellen elften Klasse.

Kritiker: Gravierende Probleme von G8 verschärfen sich

„Die Defizite, die während der Schulschließung bei den Schülern entstehen, sind nicht mehr auszugleichen“, davon ist Plesch-Krubner überzeugt. „Die gravierenden Probleme des achtjährigen Turbo-Gymnasiums verschärfen sich in der corona-bedingten Ausnahmesituation noch.“

Zu den generellen Problemen zählen aus Elternsicht: Voller Stundenplan, viel Stress, wenig Freizeit und dicht gedrängte Stofflehrpläne, die dennoch Lücken lassen, die später an der Uni nachgeholt werden müssen. „Mehr Entwicklungszeit für die Kinder“ wünschen sich die G9-Verfechter.

Unterstützung für den neuen G9-Vorstoß kommt von den Gymnasiallehrern des Philologenverbands (PhV), der jedoch nur die Klassen fünf bis zehn, nicht aber die elfte Klasse einbeziehen würde. "Die Elftklässler sind reif genug, die müssten das schaffen", meint PhV-Landesvorsitzender Ralf Scholl. Immerhin strebten sie ja die "Reifeprüfung" an und hätten nächstes Jahr auch alleine an der Universität zurechtkommen müssen.

Lehrerverband empfiehlt freiwilliges Wiederholen

Scholl hätte zusätzlich zum flächendeckenden neunjährigen Gymnasium auch gerne einen G8-„Schnellläuferzug“ mit vollem G9-Lehrplan für sehr begabte Schüler.

Mit einer sofortigen Gymnasial-Reform rechnet der Philologenverband offensichtlich aber nicht. Alternativ schlägt er als Krisen-Lösung ein freiwilliges Wiederholen mit Versetzungsgarantie für schwächere Schüler vor - damit sie ohne Sitzenbleiber-Stigma ihre Wissenslücken füllen könnten. Dass es nur kurzfristig eine Lösung ist, wenn diesen Sommer alle Schüler wegen der Corona-Krise versetzt werden, glaubt auch Plesch-Krubner: "Das dicke Ende kommt noch", sagt sie.

Unterschriften knacken Marke von 41.000

Mehrere Tausend Bürger haben diese Woche schon im Internet ihre digitale Unterschrift unter die G9-Kampagne gesetzt – am Mittwoch hat die Petition die 41.000er-Marke geknackt. 38.141 Menschen aus Baden-Württemberg hatten bereits 2019 die erste Kampagne für ein dreizehntes Schuljahr unterstützt. „Eigentlich wollten wir die Unterschriftenliste im April an die Kultusministerin übergeben“, sagt Plesch-Krubner. Der Termin wurde wegen der Pandemie hinfällig.

Eine Rückkehr zu G9 steht derzeit nicht zur Debatte
Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin

Bei der grün-schwarzen Landesregierung rennt ihr Verein auch beim neuesten Anlauf gegen verriegelte Türen an. „Eine Rückkehr zu G9 steht derzeit nicht zur Debatte“, teilt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf BNN-Anfrage mit. „G8 ist in der Fläche gut etabliert. Die Mehrheit der Eltern ist damit zufrieden und viele Schülerinnen und Schüler haben G8 seither problemlos bewältigt.“

Es gebe einen klaren Konsens zwischen CDU und Grünen, nicht mehr über Schulstrukturen und Parallel-Wege zum Abitur zu debattieren: „Diese immer wieder aufgewärmten Debatten erzeugen Unruhe.“

Klares Nein zu G9 von den Grünen

Die Grünen bekräftigen ihr Nein zum landesweiten G9 und verweisen auf die vielen Angebote an G9-Modellschulen, Beruflichen Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen.

„Erfolgreicher Unterricht auf Distanz entscheidet sich nicht an der Länge der Schulzeit, sondern an pädagogischen Konzepten“, erklärt Sandra Boser, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag – und auf die gute digitale Ausstattung komme es entscheidend an, wie sich in der Krise zeige.

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Beide Faktoren müssten optimiert werden, damit Schüler den versäumten Stoff nachholen können, erklärt Boser – und zwar an allen Schularten. Kultusministerin Eisenmann versichert: „Hier arbeiten wir bereits an Konzepten für Zusatzangebote, die es ermöglichen sollen, versäumten Lernstoff wieder aufzuholen.“

Ein Hintertürchen für G9 in fernerer Zukunft?

Eine winzige Hintertür für die fernere Zukunft lässt Eisenmann jedoch offen. Man werde natürlich beobachten, wie es in anderen Bundesländern läuft, die zum G9 zurückgekehrt sind, teilt sie mit: „Ganz generell wäre das aber ohnehin eine Entscheidung, die man sorgfältig abwägen muss und nicht als Schnellschuss-Antwort auf eine Virus-Pandemie geben sollte.“

Auf der Internetplattform openpetition.de sammelt die Elterninitiative "G9-jetzt!" bis 21. Mai neue Unterstützer-Stimmen.

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