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Viele Leser erinnern sich

„Erkennen Sie Karlsruhe“: Erinnerungen an ein Traditionslokal aus Karlsruhe

Das „Krokodil“ war jahrzehntelang eine Institution in Karlsruhe. 2008 machte das „Krokodil“ dicht, doch es gibt viele Geschichten. So manche Liebe begann dort.

06.12.2023 Gaststätte Krokodil "Kroko", Wohn- und Geschäftshaus an der Waldstraße, Ecke Blumenstraße
Wo einst das „Krokodil“ war, befindet sich heute ein Wohn- und Geschäftshaus. Foto: Rake Hora

Das Eckhaus mit der markanten Jugendstilfassade haben viele Leserinnen und Leser sofort erkannt, auch wenn die historische Abbildung für die 18. Folge unserer Rätselserie „Erkennen Sie Karlsruhe?“ fast 50 Jahre alt ist.

Der Fotograf Host Schlesinger hat das Foto am 20. November 1976 aufgenommen. Zu sehen ist das Gebäude, in dem bis zu Beginn des Jahres 2008 die legendäre Kneipe „Krokodil“ residierte. Das „Krokodil“ war über Jahrzehnte eine Institution in Karlsruhe und viele verbinden mit dem Gebäude schöne Erinnerungen.

Doch nicht alle Teilnehmer lagen mit ihren Tipps richtig: Einmal wurde vermutet, dass es sich bei dem Gebäude um den „Wiener Wald“ in der Yorckstraße handelt. Aber auch das Achathotel am Mendelssohnplatz wurde als mögliche Lösung genannt.

Charlie Müller eröffnete den Szenetreff

Viele Karlsruherinnen und Karlsruher können sich jedoch noch gut an Charlie Müller erinnern, der den Szenetreff „Krokodil“ im Jahr 1979 eröffnete. Die Einrichtung mit Café, Restaurant, Bar und Jazzkeller galt bald als Treffpunkt der Kulturszene.

Stars wie Benny Waters, Marianne Faithfull, Tony Sheridan oder Helen Schneider gaben Konzerte. In dem Gebäude, das von 1914 bis 1915 für den Bauherrn Jakob Möloth errichtet wurde und das in den Anfangsjahren eine „Münchner Bierstube“ beherbergte, wurden in den 1980er Jahren auch viele legendäre Faschingspartys mit Live-Musik gefeiert.

So manche Liebesgeschichte begann im „Krokodil“

An diese Faschingspartys erinnert sich unter anderem Bernd Priester und schreibt von „vielen tollen Erinnerungen“. Schöne Erinnerungen an die Faschingsveranstaltungen im „Krokodil“ hat auch Melanie Schwarz, die bei einer solchen Veranstaltung ihren späteren Ehemann kennengelernt hat.

Auch Ute Told hat im „Krokodil“ ihren späteren Ehemann getroffen, auch wenn es kein so positives Erlebnis war, welches zum Kennenlernen führte: „Der Abend war sehr schön, nur leider hatte ich viel getrunken und musste mich übergeben und so hat er mich kennengelernt“, schreibt sie.

Altes Gebäude an Straßenkreuzung
So sah das Gebäude im November 1976 aus. Foto: Horst Schlesiger/Stadtarchiv Karlsruhe

Und noch eine Kennenlerngeschichte gibt es zu berichten: Gertrud und Norbert Erbes trafen erstmals im „Krokodil“ aufeinander – im Juli 1977. Sie und ihre Freundin saßen an der Bar, er und ein Freund kamen hinzu und fanden nur noch Plätze neben den beiden jungen Frauen. „Die heirate ich, wenn sie noch keinen hat“, das waren die ersten Gedanken, die Norbert Erbes durch den Kopf gingen, als er Gertrud sah. Ein Jahr später wurde tatsächlich geheiratet. Die beiden haben zwei Töchter und zwei Enkelkinder.

So mancher konnte dort sein Können präsentieren.
Klaus Rastätter
über das Klavier im „Krokodil“

Der frühere Bürgermeister Harald Denecken hat als Student ebenfalls gerne im „Krokodil“ gefeiert: „Nach Blutspendeaktionen, die im Klinikum mit 40 Mark honoriert wurden, konnte ich damals mit Freundinnen und Freunden den Verlust des ‚roten Lebenssaftes‘ in geselliger Runde wieder mit Bier und gutem Essen ausgleichen“, schreibt er.

Klaus Rastätter erinnert sich daran, dass in seinem damaligen Stammlokal ein Klavier stand. „So mancher konnte dort sein Können präsentieren“, meint er.

Eine besondere Erinnerung an die 1940er Jahre, als das Gebäude auch als Luftschutzkeller diente, teil Margit Kleiber mit, die als Kind in der Blumenstraße 27, also direkt neben dem Eckgebäude lebte. Bei jedem Alarm suchten sie und ihre Mutter Schutz im Keller: „Einmal kamen wir zu spät und der Türschließer hat uns nicht mehr reingelassen“, schreibt sie.

„Die Bomben prasselten schon herunter und meine Mutter drückte mich im Flur zu diesem Keller in eine Nische und beugte sich über mich, um mich zu schützen, denn der Einschlag war in direkter Nähe.“

Ursula Hartmann erinnert sich an die Nachkriegszeiten, die sie in dem Gebäude verbrachte. Sie lebte mit ihren Eltern und Geschwistern im dritten Stock des Gebäudes. Der Vater war Schneidermeister und betrieb im Erdgeschoss einen Laden. „Das letzte Stockwerk war ausgebombt, das Haus ohne Dach“, schreibt sie. 1954 musste der Vater ein neues Ladengeschäft suchen, da das Lokal erweitert wurde.

Durchtanzte Nächte

Immer wieder ist in den Geschichten vom „angesagten ‚Krokodil-Keller‘“ die Rede, von durchtanzten Nächten, aber auch von der Trauer darüber, dass es das „Krokodil“ nicht mehr gibt. Durch das Rätsel „Erkennen Sie Karlsruhe“, werden viele Leserinnen und Leser an längst vergangene Zeiten erinnert, wie die Anekdoten zeigen, die sie an die Redaktion schicken.

Möglich wird das alles durch die Unterstützung des Stadtarchivs: Diplom-Archivar Eric Wychlacz wählt die alten Aufnahmen für die Serie aus, aber auch die Leiterin des Stadtarchivs, Katrin Dort, unterstützt die Aktion mit Rat und Tat und mit Preisen für die Gewinner.

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