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Großer Wurf

400 Wohnungen in klimaneutralem Quartier in Ettlingen geplant

Ein ökologisches Vorzeigeprojekt soll das neue Baugebiet „Schleifweg/Kaserne Nord“ gegenüber von Neuwiesenreben werden. Bis die Bagger dort anrollen, wird es aber noch dauern.

Bebauung geplant: Auf der Grünfläche rechts vom Schröderkreisel - am nördlichen Stadteingang in Ettlingen von Karlsruhe kommend - sollen bis in ein paar Jahren neue Wohnungen entstehen. Die Planungen für „Schleifweg/Kaserne Nord“ laufen. Foto: Andrea Fabry

Es ist das mit Abstand größte Baugebiet, das die Stadt Ettlingen in den nächsten Jahren entwickeln will und von dem sie sich eine spürbare Entlastung für den angespannten Wohnungsmarkt erhofft: „Schleifweg/Kaserne Nord“. Das rund sieben Hektar (70.000 Quadratmeter) große Gelände schließt sich direkt an das in den 1990er Jahren realisierte Neubaugebiet Rheinlandkaserne/Wohn- und Gewerbepark. an.

Dort entstanden eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe, mit einigen markanten Firmengebäuden entlang der Karlsruher Straße. Bei „Schleifweg/Kaserne Nord“ ist ganz Ahnliches geplant – gewerbliche Nutzung an der Karlsruher Straße unterhalb des Schröderkreisels, Wohnen im Inneren des Quartiers. Allerdings ist wesentlich mehr Geschosswohnungsbau vorgesehen als im Gebiet Rheinlandkaserne.

Insgesamt sollen 400 Wohnungen entstehen und bis zu 450 Arbeitsplätze, so Ettlingens Stadtplaner Wassili Meyer-Buck am Mittwochabend im Gemeinderat. Dort erhielt die Verwaltung von einer großen Mehrheit des Gremiums den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie zur Energieversorgung des neuen Areals zu veranlassen.

Stadt hofft auf Fördermittel vom Bund

Dazu will die Stadt Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Wärmenetz 4.0“ beantragen. Angestrebt wird, Schleifweg/Kaserne Nord kohlendioxidfrei mit Energie und Wärme zu versorgen. Dazu soll unter anderem ausgelotet werden, ob und inwieweit beispielsweise Erdwärme (Geothermie) genutzt werden kann.

Meyer-Buck informierte den Gemeinderat darüber, dass sich die Stadt finanzielle Unterstützung aus einem weiteren Förderprogramm erhofft, das den Namen „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ trägt. Dahinter verbergen sich Zuschüsse sowohl für die Planung als auch die Investition ins Entwässerungs- und ins Grünkonzept im Quartier. „Wir wollen ein lebendiges und ein nachhaltiges Gebiet“, so der Planungsamtschef.

Bis zum Spatenstich wird es noch Jahre dauern

Bis dort die Bagger anrollen, auch das machte er deutlich, wird noch geraume Zeit ins Land ziehen. Es muss ein Bebauungsplan erarbeitet und beschlossen und ein Umlegungsverfahren bei den Grundstücken, die sich fast komplett in Privatbesitz befinden, betrieben werden. Für Letztgenanntes und die Erschließung des Geländes will sich die Stadt einen Erschließungsträger suchen – wie für „Lange Straße Nord“ in Schluttenbach und vor Jahren für „Gässeläcker“ Oberweier.

Da holen wir uns viel Ärger bei den Bürgern.
Lorenzo Saladino, CDU-Stadtrat

Aus dem Gemeinderat kam viel Zustimmung zum Vorhaben Schleifweg/Kaserne Nord, es wurden aber auch kritische Töne laut, die sich vor allem auf die Stellplätze bezogen. So sagte etwa Lorenzo Saladino (CDU), 0,8 Stellplätze pro Wohnung halte seine Fraktion nicht für sinnvoll. Diese knappe Lösung werde den Parkdruck in Richtung Neuwiesenreben und das ältere Kasernengebiet erhöhen. „Da holen wir uns viel Ärger bei den Bürgern“. Reinhard Schrieber (Grüne) sprach von einem „zukunftsweisenden Konzept“ für das neue Baugebiet. Wie er, so fand auch Kirstin Wandelt (SPD) die Idee eines oberirdischen Parkhauses gut, das temporär auf einem der Gewerbegrundstücke errichtet und rückgebaut werden soll, wenn das Auto nicht mehr die größte Rolle bei der Fortbewegung spielt.

FDP und AfD kritisieren Verkehrskonzept

Ganz anders die Position von Martin Keydel (FDP), der das Verkehrskonzept mit den wenigen Stellplätzen ablehnte. Die Stadtbahn sei einfach viel zu weit weg von „Schleifweg Kaserne/Nord“, als dass man aufs Auto verzichten könne. Ein Nein kam auch von Michael Blos (AfD) zum Energie- und Verkehrskonzept. „Wer von Ihnen hat denn nur 0,8 Autos und noch dazu ein E-Auto vor der Tür?“ fragte er in die virtuelle Runde. Den Vorschlag von Stadtrat Gerhard Ecker (FW/FE), bis zu 100 Meter Erkundungsbohrungen nach Erdwärme zu machen, nahm Oberbürgermeister Johannes Arnold als Prüfauftrag für die Verwaltung mit.

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