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Ernstfall-Probe am Neujahrstag

Die Sirene ist bis nach Karlsruhe zu hören: Katastrophenalarm lässt Ettlingen aufhorchen

Da ist auch der Letzte im neuen Jahr angekommen: Als am Mittag des Neujahrstag alle Sirenen in Ettlingen die Bevölkerung warnen, sind alle wach. Wir erklären, warum der bis nach Karlsruhe hörbare Probealarm am Feiertag über die Bühne ging.

Weithin hörbar: Die Sirenen auf den Ettlinger Dächern, wie hier beim Textilunternehmen Ettlin im Gewerbegebiet Spinnerei, sollen die Bevölkerung flächendeckend bei Gefahr warnen. Foto: Sonnenburg Electronic AG

Als am Neujahrstag um 12.15 Uhr in ganz Ettlingen die Sirenen heulen, blickt man in der Altstadt in nicht wenige verdutzte Gesichter. „Was ist jetzt los?“, denkt sich etwa Christian Tomm, der mit Frau und Kind in der Fußgängerzone unterwegs ist. Nein, er habe keine Ankündigung mitbekommen, so der Ettlinger. Weitere Menschen hätten sich während des Alarm fragend angeschaut, berichtet er. Dass die Bürger so etwas sicherer vorher mitbekommen, fände er schon wichtig.

Menschen denken an die Ahrtal-Katastrophe

Wie Tomm findet auch Kerstin Schmidt die Alarmketten „sehr wichtig“. Man habe ja im Ahrtal gesehen, was passiert, wenn sie nicht funktionieren.

Sie erinnert sich an den angekündigten Probealarm. 1. Januar hin oder her: „Es gibt Schlimmeres.“ Teenager Felicitas aus Ettlingenweier, mit ihrer Freundin Hannah aus Malsch vorm Schloss auf Inline-Skates unterwegs, wusste ebenfalls vom Alarm. Was die Sirenensignale konkret im Ernstfall bedeuten würden? Da müssen sie passen.

Überrascht worden: Das Ehepaar Karl Heck und Bettina Kerth aus Karlsruhe wussten nichts vom Probe-Sirenenalarm in Ettlingen und wunderten sich am Schloss. Foto: Rainer Obert

Ahnungslos waren Bettina Kerth und Karl Heck aus Karlsruhe-Beiertheim. Sie bleiben aber unerschrocken. „Wenn es ein Ernstfall gewesen wäre, hätte man mehr mitbekommen“, schätzt Heck.

Für ihn ist das wichtige Thema Katastrophenalarmierung bei aller deutschen „Regelitis“ ein Versäumnis der Politik. Es fehlten hier bundesweit gemeinschaftliche Lösungen. Am 1. Januar als Alarmtag stören er und seine Frau sich nicht.

Wir haben gesagt, wir wollen es durchziehen.
Sonja Reich, Abteilungsleiterin Sicherheit Ettlingen

Dass ausgerechnet am Feiertag der Aufsehen erregende Probealarm ausgelöst wird, liegt am Alarmierungszyklus, so Sonja Reich, Abteilungsleiterin Sicherheit im Ettlinger Rathaus. Vorgesehen sind diese an den ersten Samstagen der Quartale eins bis drei, zudem am bundesweiten Alarmtag, dem zweiten Donnerstag im September. Nicht begeistert war die SPD-Gemeinderatsfraktion vom 1. Januar als Probealarm-Tag. „Wir haben gesagt, wir wollen es durchziehen“, verdeutlicht Reich.

Stadt hofft auf Rückmeldungen

Das Argument, dass die meisten Menschen an Neujahr daheim einen ruhigen Tag verbringen, könne auch als Punkt für die Probe gesehen werden. Man erwarte so mehr wertvolle Rückmeldungen zur Hörbarkeit des Alarms. Die war jedenfalls auch außerhalb der Ettlinger Gemarkung gegeben. Aus Karlsruhe wird berichtet, dass der Alarm bis in die Südweststadt zu hören war.

„Die Sirenen werden von der Rettungsleitstelle Karlsruhe aktiviert“, erklärte Sonja Reich vorm Probealarm das System. Dies hat zuvor ein Meldeformular für den Sirenentest erhalten, alles ins Programm eingepflegt und steuert die Sirenen. Sobald der Alarm beginnt, blinkt es auf dem Laptop des Krisenstabs in Ettlingen.

Beim Test an diesem Wochenende haben auch neue Sirenen im Netz ihren ersten Einsatz. Am Rathaus Schluttenbach, in der Beierbachstraße 3 in Ettlingenweier und auf dem Eichendorff-Gymnasium. Anfang Dezember hatte der Technikausschuss des Gemeinderats 110.000 Euro freigegeben, um das solarbetriebene Sirenennetz weiter zu komplettieren. Zuvor seien rund 250.000 Euro seit 2020 ausgegeben worden.

Am Rechner des Krisenstabs: Sonja Reich hat das inzwischen nahezu lückenlose Sirenen-Warnnetz in Ettlingen als Abteilungsleiterin Sicherheit mit aufgebaut. Foto: Rainer Obert

Für die Mörscher Straße in Ettlingen-West werde noch ein Wohnhaus für eine Sirenen-Installation gesucht, da dort über schlechte Hörbarkeit des Alarms geklagt wurde. Per Gestattungsvertrag mit Zahlung einer kleinen Entschädigung von 50 Euro im Jahr, da die Anlage auch mal gewartet werden muss, komme man deutlich billiger als mit Mastensirenen. Die kosten laut Sonja Reich das Doppelte bis Dreifache. Die neue Anlage auf dem Gymnasium mit acht Hörnern etwa habe rund 10.000 Euro gekostet.

Sirenennetz wird komplettiert

Komplettieren sollen das Netz bis Februar/März Mastensirenen bei der AWO-Kita in der Lüderstraße und der Waldsaumhalle Oberweier. Je mehr Hörner die Sirenen haben, desto lauter sind sie. „Unsere größten haben 16 Hörner“, so Reich. Es gibt Anlagen mit bis zu 32. Angesprungen sind laut Ettlingens Feuerwehrkommandant alle Sirenen. Dass Karlsruhe so viel mitbekommen hat, könne an Windrichtung und dem stillen Feiertag liegen. Dass viele Menschen mit den Signalen und ihrer Bedeutung nicht viel anfangen können, sei ein Problem. „Vielleicht muss überlegt werden, wie man das Wissen besser an die Menschen bringt.“

Sirenen-Alarm in Ettlingen

Informationen zum Katastrophenschutz und dem Ettlinger Sirenenwarnsystem gibt es auf www.ettlingen.de unter Informieren/Katastrophenschutz. Die Stadt bittet nach der Probe um Rückmeldungen, wie gut der Alarmton wahrgenommen wurde, per E-Mail an sirenen@ettlingen.de.

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