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Bis zu 50 Prozent mehr

Ärzte in Ettlingen bemerken deutlich erhöhte Nachfrage nach Grippeimpfung

Die Angst vor dem Coronavirus treibt auch die Nachfrage nach Grippeimpfungen in die Höhe: Ärzte in Ettlingen bemerken eine größere Besorgnis in allen Altersgruppen. Sie betonen aber, dass Risikopatienten wie Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen Vorrang haben sollten, da der Impfstoff nur limitiert verfügbar ist.

Information ist Pflicht: Alles wird dem Patienten genau erklärt, bevor die Allgemeinmedizinerin Isabel Bloss eine Impfung vornimmt. Foto: Susanne Garcia

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Garcia

Ettlingen. Speziell Allgemeinmediziner stehen dieser Tage laufend ihren Patienten in der Frage nach der Grippeimpfung Rede und Antwort. Für diese Saison sind der Beratungsbedarf und die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, höher als in den Jahren zuvor. Das nehmen sowohl Kinder- wie Allgemeinmediziner in Ettlingen wahr. Einig sind sich alle darüber, dass Risikopatienten egal welchen Alters sich gegen Grippe impfen lassen sollten – und dass sie Vorrang vor Gesunden haben.

20 bis 30 Prozent mehr Anfragen zur Grippeimpfung als in Jahren zuvor

„Die Situation ist vor dem Hintergrund von Corona sehr angstbesetzt“, sagt beispielsweise Isabel Bloss. In der privatärztlichen Praxis der promovierten Allgemeinmedizinerin gibt es dieser Tage 20 bis 30 Prozent mehr Anfragen bezüglich der Grippeimpfung als in den vergangenen Jahren. „Die Sorge ist viel größer und reicht durch alle Altersgruppen“, so Bloss, die sich auch auf Naturheilverfahren spezialisiert hat. „Die Leute wollen wissen: Wie hoch ist mein Risiko? Das muss man dann für jeden Einzelfall abwägen.“ Eine generelle Impfempfehlung halte sie deshalb für zu undifferenziert. „Es kommt immer auf die Konstitution des Einzelnen an.“

Die Sorge ist viel größer und reicht durch alle Altersgruppen.
Isabel Bloss Allgemeinmedizinerin in Ettlingen

Grundsätzlich versucht Bloss, chronisch Kranke, Tumorpatienten oder anderweitig immunologisch Angeschlagene von der Notwendigkeit einer Grippeimpfung zu überzeugen. „Da ist das wirklich richtig und sehr wichtig. Aber jeder Fall liegt eben anders. Ein gesunder Mensch, der fit und sportlich ist, sich gesund ernährt, bei dem ist das Risiko eher gering.“ Grundsätzlich sei es wichtig, den Menschen mitzugeben, wie sie selbst etwas zu ihrer Gesundheit beitragen können.

„Ich spüre in den Gesprächen oft, dass viele sich dieser unsicheren Situation ausgeliefert fühlen. Da ist es gut, wenn man sagt: Ihr seid selbst kompetent. Jeder kann dazu beitragen, seine Immunkompetenz zu verbessern: Gesunde Ernährung, nicht mehr rauchen, weniger Zucker, Übergewicht reduzieren, Bewegung an der frischen Luft. Das trägt alles dazu bei, dass der Körper auf lange Sicht besser mit Krankheitserregern zurechtkommt.“

Auch in der Praxis der hausärztlichen Internistin Regina Dauwe ist die Grippeimpfung tagtäglich Thema. Seit rund zwei Wochen fragen die Patienten konkret nach der Grippe-Impfung. Mit einigen Tagen Verspätung sei der erste Schwung des Grippe-Impfstoffs jetzt geliefert worden. Dauwe bezeichnet sich selbst als „eher konservativ“ eingestellt.

„Ich gehöre zu den Vorsichtigen und rate den Risikopatienten dringend dazu, sich impfen zu lassen. Wenn man vorerkrankt ist und dann Grippe und Covid-19 aufeinandertreffen – das überlebt man im Zweifel nicht.“ Deshalb mahne sie auch dringend dazu, sich stets an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten und eine Maske zu tragen. Auch, weil der Grippe-Impfstoff rationiert werden müsse, damit alle ihn bekommen, die ihn wirklich brauchen. „Es hängt auch mit dem Umfeld zusammen.“ Wer in der Familie Risikopatienten hat oder in einem Beruf mit viel direktem Kontakt zu anderen Menschen arbeitet, bei dem sei ebenfalls eine Grippeimpfung anzuraten.

Wichtig ist eine vernünftige Verteilung des Impfstoffs an chronisch kranke Kinder und eben auch an ältere Risikopatienten.
Markus Schönauer Kinderarzt in Ettlingen

Was die Impfung von Kindern betrifft, wägen die Mediziner ebenfalls mit Bedacht ab. „Wir haben eben nur, was zur Verfügung steht“, erklärt der promovierte Kinderarzt Markus Schönauer. „Der Impfstoff wird ja lange vorher bestellt. Und wir haben aktuell bestimmt 50 Prozent mehr Anfragen als in den Jahren zuvor.“ Gerade in Bezug auf junge Kinder sei die Nachfrage sehr neu. „Die Eltern haben eben über die Medien viel gehört und gelesen und machen sich verständlicherweise Gedanken. Ich erkläre täglich mehrmals, wie das mit der Grippeimpfung ist. Und ich bremse dann manche Eltern auch etwas aus. Wichtig ist eine vernünftige Verteilung des Impfstoffs an chronisch kranke Kinder und eben auch an ältere Risikopatienten.“

Risikopatienten in der Familie

Seiner Einschätzung nach wäre es fatal, einfach auch jedes gesunde Kind gegen Grippe zu impfen. Aufgrund des aktuell gängigen „Kontaktmanagements“ schätzt Schönauer das Risiko für eine schnelle Ausbreitung einer echten Grippe unter Kindern ohnehin als nicht sonderlich hoch ein. „Die Eltern, denen ich das so erkläre, verstehen das dann auch. Ich empfehle denen dann aber, dass sie dringend die Großeltern zur Grippeimpfung überreden sollen.“

So sieht das auch Jost Schneider. „Wir erleben momentan das Spiel mit der Angst“, sagt der Facharzt für Kinder und Jugendmedizin. Er hat die Erfahrung gemacht, dass sich Eltern mitunter große Sorgen machen. „Ganz klar, es wühlt auf. Aber wenn man sachlich berät, dann nehmen Eltern das auch in den allermeisten Fällen gut an.“ Seine Empfehlung für eine Impfung gilt vorrangig für Kinder mit Asthma, Diabetes, Herzerkrankungen oder besonderer Infektanfälligkeit. „Dann frage ich noch nach dem persönlichen Umfeld. Wer Risikopatienten in der Familie hat. Aber auch, wenn jemand einfach sehr große Angst hat, werde ich ihn gegen Grippe impfen.“ Das könne beispielsweise sein, wenn im Umfeld des Patienten schon jemand an einer Influenza verstorben sei.

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