Skip to main content

Vor dem Lockdown

Auf ein letztes Bier in die Ettlinger Kneipen

Abschiedsstimmung in Ettlinger Kneipen: Am Samstagabend vor dem November-Lockdown genehmigen sich viele Gäste noch ein letztes Bier. Der Kommunale Ordnungsdienst kontrolliert die Einhaltung der Sperrstunde.

Auf Stippvisite: In Ettlinger Gastronomiebetrieben kommen die Mitarbeiter des KOD immer wieder ins Gespräch mit Gästen. Foto: Klaus Müller

Auf ein „letztes Bier“ wollten sie. „In den nächsten Wochen gibt´s ja nichts mehr“, sagt einer der drei jungen Männer, der gerade das „Goldblond“ in Ettlingen betritt. Es ist 22.15 Uhr. Samstagabend. Das mit dem „Letzten“ wird wohl nichts. Ab 22 Uhr darf in den Ettlinger Gaststätten und Kneipen kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden. Nee, einen Kaffee oder so was wollte das Trio nicht. Kaum drin, waren sie auch schon wieder draußen. Etwas motzig. Ob sie weiter gesucht haben, sei dahingestellt.

Die Suche wäre ohnehin vergeblich gewesen. Ab 23 Uhr wären sie nur noch vor verschlossenen Kneipentüren aufgeschlagen: Sperrstunde. Die gilt seit einigen Tagen in Ettlingen. Eigentlich müsste man sagen „galt“. Denn in den kommenden Wochen bleiben die Lokalitäten geschlossen. So will es die Politik. Corona lässt grüßen.

Das ist alles nicht mehr nachvollziehbar.
Roxanne Kampmann, Betreiberin des „Palladio“

Am vorerst letzten Kneipensamstag in Ettlingen begleiten die BNN zwei Mitarbeiter vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) der Stadt bis zur Sperrstunde. Es ist ein Abend vieler Stammgäste, die ihrer Kneipe noch mal zu einigen Einnahmen verhelfen wollen. Zu ihnen gehört Matthias. Er sitzt mit seiner Begleiterin vor der „Kostbar“. „Rein wollen wir nicht. Nicht bei den Zahlen. Bei 19.050 neuen Coronafällen.“ Und Fall 19.051 und 19.052 wollen sie nicht werden. Keine Frage, für die Gastronomen zeigen so gut wie alle Verständnis.

„Dass das Palladio zumachen muss, tut mir in der Seele weh“, sagt Marcel Glaser. So richtig verstehe er das nicht. „Die halten alle Regeln ein.“ Die Folge der Schließung: „Vieles verlagert sich in den privaten Bereich“, pflichtet ihm Max bei. Beide kommen regelmäßig hierher. „Stinksauer“ ist Roxanne Kampmann. Sie betreibt das Palladio. „Viel Geld habe ich in die Hygienevorschriften gesteckt. Und jetzt das. Das ist alles nicht mehr nachvollziehbar.“

Immer wieder machen beim Gang durch die Ettlinger Kneipenszene die Betreiber und ihre Mitarbeiter ihrem Ärger über den „gastronomischen Lockdown“ Luft. „Wir werden zu Grabe getragen“, ärgert sich Florian Ammann vom Goldblond. „Und was ist mit uns? Mit den Mitarbeitern? Was sollen wir denn machen? Ich habe für all das kein Verständnis mehr“, poltert Tanja los, sie arbeitet im „Sternen“. Und sie hat Angst vor der Zukunft. Hygienekonzepte, Regeln einhalten, entsprechend investieren – in der Ettlinger Gastronomie scheint das zu funktionieren.

KOD hat kaum Beanstandungen zu verzeichnen

„Es gibt kaum Beanstandungen. Die Zusammenarbeit mit allen ist echt gut“, berichteten die zwei KODler auf den Weg zwischen zwei Kneipen. Die beiden wollen ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Immer wieder komme es vor, dass sie über die Sozialen Medien angefeindet werden. „Wir können doch gar nichts dafür. Wir sind ja nur das Kontrollorgan.“

Zurück in die Ettlinger Nacht: Es ist kaum was los. Manche Kneipe hat sogar schon vor 22 Uhr geschlossen. Die Kontrollen, dabei wird unter anderem auf die Datenspeicherung geschaut, laufen ruhig und freundlich ab. Datenspeicherung? Die KODler wollen wissen, wie die Zettel mit den erfassten Gästenamen aufbewahrt werden. Etliche Male steht der Name von Melanie Fluck auf so einem Zettel. Sie ist Stammgast im Cubanita: „Alles ist hier korrekt. Das läuft doch hier ehrlicher ab, als bei irgendwelchen privaten Feiern.“ Ihr Begleiter spricht von „Scheiß-Maßnahmen“.

Es ist kurz nach 23 Uhr. Auf die Minute genau schließt Dave Laubenstein vom Vogelbräu zu. Normalerweise – ohne Corona – wäre der Laden noch voll. Jetzt gehen die Lichter aus. Für wie lange? Wann gibt’s wieder das „erste Bier“?

nach oben Zurück zum Seitenanfang