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Verkehrschaos bleibt aus

B3-Sperrung bei Ettlingen: Nur wenige wissen nicht, wo es langgeht

Erstmals war der Berufsverkehr mit der B3-Sperrung bei Ettlingen konfrontiert. Das prognostizierte Verkehrschaos trat nicht ein.

Abgeschaltet ist die Ampelanlage am Seehof: Der Verkehr lief deshalb zwischen Rüppurr und Wattkopftunnel schneller. Foto: Werner Bentz

Es ist der Tag drei nach der Sperrung der B3 zwischen Seehof-Kreuzung und der Autobahnanschlussstelle Karlsruhe-Süd. Direkt am Freitagnachmittag, als die ersten Absperrungen am Seehof und beim Minidrom am anderen Ende der Baustelle aufgestellt waren, gab es, wie Polizei und Baustellenleitung freimütig bekennen, ein kleines Chaos.

Jetzt am Montagmorgen um 7.30 Uhr läuft der Berufsverkehr, getrennt von Absperrbaken in Steinwurfweite an der Seehof-Aral-Tankstelle vorbei in Richtung Karlsruhe und Wattkopf. Das von vielen erwartete Verkehrschaos rund um Ettlingen bleibt aus. „Das ist ganz erfreulich“, meint Joachim Zwirner, Leiter des Verkehrsreferats des Polizeipräsidiums Karlsruhe und klingt dabei fast ungläubig.

Ampelschaltung geändert

Er ruft kurz eine Zivilstreife seiner Behörde an, die seit dem Morgen unterwegs ist, um zu sehen, wo sich Staus bilden und schnell einzugreifen. Hier und dort, zum Beispiel auf der B3-Zufahrt vor dem Wattkopftunnel, wird dann etwa nochmals kurz das Zeitintervall für die Schaltung von Rot auf Grün nach Ettlingen fahrenden Autofahrer verändert. Maximal nur 15 Autos stehen dort, bevor die Ampel wieder auf Grün schaltet und den Weg in Richtung Zentrum freigibt.

Bürger umfänglich informiert

Der Polizist der Zivilstreife hat eine plausible Erklärung für das Ausbleiben von Rückstaus an der zentralen Stelle: „Das ist wie Wasser, wenn es irgendwo eine Sperre gibt, sucht es sich seinen eigenen Weg und taucht an einer ganz anderen Stelle auf.“ Die Bürger seien umfänglich von den Medien, insbesondere auch den BNN, auf die Sperrung der Bundesstraße 3 informiert worden, sodass sich viele frühzeitig darauf eingerichtet hätten.

Dennoch: In Minutenabständen fahren aus Ettlingen kommende Autofahrer in die Sackgasse Karlsruher Straße. Einige biegen noch vor der Tankstelle nach rechts ab ins „Nirwana“, um übers Rüppurrer Feld nach Karlsruhe zu kommen. „Ich habe einige, die auf dem dortigen Fahrradweg verbotenerweise fuhren, anhalten und zur Rückkehr bewegen müssen“, sagt der Beamte in Zivil.

Knackpunkt am Minikreisel

Er fährt zum nächsten Knackpunkt an dem Morgen am Minikreisel in der Durlacher Straße, wo sich der Verkehr zurück staut. Dort lädt ein Kran für das dortige große Wohnungsbauprojekt der Baugemeinschaft fast eine halbe Stunde lang Stahl von einem Lastwagen ab. Kommentar des Polizisten: „Das sind Behinderungen, die wir jetzt im Berufsverkehr überhaupt nicht gebrauchen können.“

Ältere Menschen tun sich bei Umleitung schwerer

Derweil kurbelt am Seehof eine Autofahrerin, die in der Sackgasse gelandet ist, die Fensterscheibe herunter, und fragt, wie sie jetzt zum Diakonissenkrankenhaus nach Rüppurr kommen kann.

Voll im Einsatz: Seit Montag kommt die Fräse mit dem Abtragen des alten Fahrbahnbelags auf der B3 in Ettlingen bei der Einmündung Bulacher Straße schnell voran. Foto: Wener Bentz

Sie ist nicht die einzige, die sich noch nicht auf die Umleitung eingestellt hat. Jacob Markus, Baustellenleiter von Eurovia, weiß aus Erfahrung, dass insbesondere ältere Menschen sich mit veränderten Verkehrsverhältnissen schwer tun. Das müsse mit Automatismen zusammenhängen, sinnieren Zwirner und Markus, die sich an der Absperrung zwischen Seehof-Kreuzung und Aral-Tankstelle zusammen mit anderen von der Baustelle zum kurzen Gespräch eingefunden haben.

Bei uns ist jeder Tag, an dem wir früher fertig sind, kostbares Geld.
Jacob Markus, Bauleiter Eurovia

Und Markus räumt auch mit der Meinung auf, dass sich zu viele Arbeiter auf der Baustelle die Füße vertreten und zu wenig aktiv tun: „Bei uns ist jeder Tag, an dem wir früher fertig werden, kostbares Geld. Jede Stunde zählt.“

Droben auf der B3-Brücke am anderen Ende der Baustelle mit dem Abzweig zur Bulacher Straße scheint die Aussage durch das Szenario bestätigt. Eine riesige Maschine fräst die Fahrbahn ab und der alte Asphaltbelag wird über Förderband direkt in einem Kipper abgeladen. Es vergehen nur wenige Minuten, schon ist die Mulde des Lastwagens gefüllt und der nächste Kipper fährt unter das Förderband. Fast 20 Lastwagen stehen da und warten auf ihren Einsatz, um das in die Jahre gekommene Fahrbahnmaterial abzutransportieren.

Lastzug tastet sich langsam zurück

Unterhalb der Brücke in der Bulacher Straße, die ebenfalls nur noch als Einbahnstraße funktioniert, steht ein langer Lastzug mit Warnblinkleuchten. Der ausländische Fahrer hat sich verfahren und nur an seinem Navigationsgerät orientiert. Irgendwie hat er die Umleitungstafeln übersehen und muss sich jetzt langsam wieder mit seinem Fahrzeug zurücktasten, um dann vielleicht eine Wendemöglichkeit zu finden.

Viel Aufregung im sozialen Netz

So ähnlich wie ihm ging es einigen Autofahrern am Freitagabend, als sie plötzlich an der B3-Absperrung Karlsruhe-Süd standen. Statt den beschwerlichen Weg über die Anschlussstelle Karlsruhe-Süd zur Autobahnausfahrt Ettlingen/Rüppurr zu nehmen, machten sie es sich „leicht“ und bogen nach links Richtung Minidrom und Grünabfallplatz ab. Spätestens einige Meter danach war an der dortigen Schranke der Weg in die Ettlinger Innenstadt beendet. Die Aufregung in den sozialen Netzwerken über diese nicht deutlich angezeigte Sackgasse war am Freitagabend riesig.

Manchmal ragt eine Baumaschine in die Fahrbahn

Wie kommentierte Jacob Markus abschließend: „Es ist in der Vergangenheit an einer Baustelle auf der A5 sogar schon vorgekommen, dass erboste Autofahrer ins Baufeld fuhren und unter der Fräse die Arbeiter zur Rede stellten.“ Grundsätzlich sei es aber so, dass rund 90 Prozent der Autofahrer Verständnis für die Bauarbeiten zeigten, auch wenn einmal ein Baugerät arbeitsbedingt kurz in die ausgewiesene Fahrbahn hineinrage.

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