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Miteinander von Naturschutz und Alpenverein funktioniert

Felsenklettern am Herrenalber Naturdenkmal Falkenstein

Der Falkenstein in Bad Herrenalb ist für Klettersportler ein beliebtes Ziel. Der Naturgenuss ist aber durch staatliche Vorschriften beschränkt. Der Falkenstein ist ein Naturdenkmal.

Martin Klumpp, Hobbykletterer aus dem Murgtal, hängt am Seil Foto: Sabine Zoller

Von Sabine Zoller und Johannes-Christoph Weis

Klettern ist ein Trendsport. Klettern als Outdoor-Erlebnis ist gleichermaßen Nervenkitzel und Naturgenuss. Ein Kletterziel in der Region sind die Falkenfelsen und die Zwölf Apostel in Bad Herrenalb.

Bereits seit 1949 stehen die Felsen als Naturdenkmal unter besonderem Schutz. Heute sind sie Teil des Europäischen Schutzgebietes Natura 2000. Hohe Felsformationen, die als Felswände und Felsköpfe über das dichte Blätterdach des Schwarzwalds hinausragen, sind nur selten im Nordschwarzwald anzutreffen. Sie bieten Lebensraum für Raritäten von Flora und Fauna.

Im Sommer sind die Felsen extremer Hitze und Trockenheit ausgesetzt. Für Wildbienen sind sie ein reichlich Nahrung bietendes Paradies. Das Betreten der Felsköpfe ist in den Monaten Januar bis Juni verboten, um brütende Vogelarten wie Kolkraben und Wanderfalken zu schützen.

Eine alte Postkarte von 1898 zeigt den Blick vom Falkenstein auf Herrenalb Foto: Archiv: Clauer/Sabine Zoller

Klettern und Naturschutz

Kletterer nehmen Rücksicht. Sie beschränken sich auf bestimmte Kletterzeiten und die 61 vorgegebenen Routen. „Das Klettern an einem Naturdenkmal wie den Falkenfelsen in Bad Herrenalb ist ein Naturerlebnis, wie es direkter kaum geht“, urteilt Uta Kollmann vom Arbeitskreis Klettern und Naturschutz des DAV, die insbesondere den Naturcharakter der Felsen betont, der den „Lebensraum für seltene Tiere bewahrt.“

Natur und Sport an einem Ort zu verknüpfen ist nicht selten ein Drahtseilakt, der oftmals die Gemüter spaltet. In diesem Fall jedoch funktioniert die Zusammenarbeit der beteiligten Gremien, die mit der Sperrung der Felswände eine besondere Vereinbarung zum Schutz der gefährdeten Vögel getroffen haben.

Geprüft wird das durch verantwortliche Felsbetreuer, dem NABU sowie der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalken.

Bei der Fahrt durch Bad Herrenalb sind die Felsen des Falkenstein schon von weitem zu sehen Foto: Sabine Zoller

Klettern an der steilen Felsenwand

Für Ulli Kooh aus Marburg ist Klettern Faszination und Entspannung zugleich. „Nach einem anstrengenden Arbeitstag gibt es für mich nichts Schöneres, als mich in der Natur zu bewegen“, erklärt die leidenschaftliche Sportlerin, die sich in diesem Sommer Bad Herrenalb als Urlaubsdomizil ausgesucht hat, weil es in Hessen nur wenige Felsformationen zum Klettern gibt.

Historisches

Auf dem Aussichtsplateau der Falkensteinfelsen wurden Reste eines künstlich angelegten Grabens entdeckt,der einst mittelalterliche Burganlagen schützte. Die Vermutung liegt nahe, dass sich hier eine vom Geschlecht der Ebersteiner erbaute Burg befand und bei der Auflösung der Anlage die Steine zum Bau des Zisterzienserklosters Verwendung fanden. Bereits im 19. Jahrhundert lockte die Felsenplattform zahlreiche Spaziergänger zum Blick nach Herrenalb auf die Höhe und künstlerisch gestaltete Lithografien zierten mit der Ansicht der Felsen kolorierte Konversationskarten als Gruß aus dem Kurort. Bis heute sind die Felsen mit dem Aussichtsplateau ein markantes landschaftliches Wahrzeichen der Stadt Bad Herrenalb.

Schon am Tag nach ihrer Ankunft erkundet sie gemeinsam mit ihrem Mann Christian das Kletterterrain der Kurstadt und trifft per Zufall direkt am Fuß des Falkensteins einen Gleichgesinnten: Martin Klumpp aus dem Murgtal ist mit seiner Ausrüstung unterwegs und will nach Feierabend eine besonders anspruchsvolle Tour an der Südwestseite des Falkenfelsen ausprobieren.

„Am Falkenstein sind nahezu alle Facetten des Felskletterns geboten. Gerade hier, unterhalb des Aussichtsplateaus, kann man jetzt nach Freigabe des Kletterareals seine Geschicklichkeit an der steilen Wand beweisen.“

Stark zerklüftet sind die Falkensteinfelsen. Sie bieten für Vögel, die brüten wollen, einen guten Schutz. Foto: Sabine Zoller

Sportliche Freizeit am Felsen

Die Route mit dem klingenden Namen „Wurzelrinne“ ist an diesem sonnigen Sommertag für den geübten Kletterer besonders reizvoll, weil die gesicherte und geprüfte Felsenroute in der Kletterkategorie mit 32 Metern Höhe als „anspruchsvoll“ gekennzeichnet ist. Der ambitionierte Hobbykletterer klettert seit sechs Jahren und hat sich in diesem Jahr verstärkt darauf konzentriert, um sich in seiner Freizeit am Felsen auszuleben.

Seine schwerste Route war bislang eine Sieben plus, doch das Spektrum reicht bis zu einer Zwölf. Es ist eine Sportart, die nicht nur die Arme, Beine und den Rücken, sondern den gesamten Körper und den Kopf fordert: „Man muss sich total auf das konzentrieren, was man macht, und blendet dabei alles andere komplett aus“, so Klumpp, der mit zugekniffenen Augen den hoch aufragenden Felsen vor sich taxiert, um die Route an Hand der im Felsmassiv eingelassenen Ösen auszumachen.

Zum Glück ist Martin gut ausgerüstet und hat einen zweiten Klettergurt im Gepäck, so dass er heute den Aufstieg gut gesichert durch zwei weitere Personen in Angriff nehmen kann.

Eine gute Ausrüstung ist die Voraussetzung fürs Klettern am Falkenstein Foto: Sabine Zoller

Sicher mit guter Ausrüstung

Jetzt zieht er seine engen Kletterschuhe an, steigt in den Klettergurt und verknotet daran ein langes Seil, dessen Ende die Kletterpartner am zweiten Klettergurt fixieren. Dann reckt er sich nach vorne. Er tastet mit dem Körper förmlich am Felsen klebend mit den Händen vorsichtig nach einem ersten Halt. Eine Unebenheit, in die er seine Finger krallt, bietet die Chance, sich nach oben zu ziehen.

Bad Herrenalb Schweizer Weise , Blick vom Falkenstein Foto: Stefan Jehle

Dann setzt er den ersten Fuß nach, um so Tritt für Tritt die erste Öse an der Felsenwand zu erreichen. Denn nur hier besteht die Möglichkeit, sich erstmals mit einem Karabinerhaken (Expresse) abzusichern.

Einer wendigen Eidechse ähnlich arbeitet sich der geübte Kletterer Zentimeter für Zentimeter an der porösen Außenwand empor und sichert sich alle paar Meter erneut durch einen weiteren Karabinerhaken an den fest verankerten Ösen ab. „Würde er jetzt abrutschen“, so Ulli Kooh, „hält ihn der jeweils letzte Sicherungshaken und der Sturz geht nur wenige Meter in die Tiefe.“ Aufmerksam verfolgt sie den Weg des Sportlers, der höher und höher steigt.

Enorme Kraft und gutes Gleichgewichtsgefühl ist nötig, um diese 32 Meter hohe Wand hinauf zu klettern. Foto: Sabine Zoller

Beim Abstieg die Karabiner einsammeln

„Ich habe auch Lust zum Klettern und will da hoch“, flüstert sie ungeduldig ihrem Partner zu, der gerade beobachtet,wie Martin den letzten Fixpunkt vor dem Felsenplateau erreicht.

Üblicherweise wäre nun beim Abstieg das Einsammeln der Karabiner an der Tagesordnung, weil aber mit einem kurzen Zuruf klar gemacht wird, dass die kletterfreudige Hessin ebenfalls den Falkenstein ersteigen will, lässt sich Martin mit Sprüngen am Seil herunter. Jetzt ist er derjenige, der unten steht und im Gegenzug eine begeisterte Felsenkletterin absichert, die neugierig ist bald weitere Routen am Falkenstein zu erkunden.

Kletterausbildung

Ausrüstung/Kurse

Zur Grundausrüstung gehören Kletterschuhe, Klettergurt, Sicherungsgerät und Seil. Kauft man das Equipment neu, kostet das rund 300 Euro.

Einsteiger:

Anfänger sollten einen Kletterkurs machen. Diese werden in Hallen und auch vom Deutschen Alpenverein angeboten, um die richtige Klettertechnik,Seil-, Knoten- und Sicherungskunde zu erlernen.

https://www.alpenverein.de

Apropos Naturschutz am Falkenstein: Es geht nicht allein um den Schutz von Falken und Kolkraben. Es geht auch um dem Erhalt seltener Moose und Flechten, die nicht ganz so rücksichtsvolle Kletterer und Mountainbiker zerquetschen. Die Interessenkollision zwischen Naturschützern und Freizeitenthusiasten begann vor rund 30 Jahren, als die ersten Biotopschutzgesetze im Land Baden-Württemberg verabschiedet worden sich.

Ganz schön steil nach oben geht es am Falkensteinfelsen Foto: Sabine Zoller

Forst war immer mal wieder in der Schusslinie

Der frühere Herrenalber Forstamtsleiter und spätere Forstdezernent beim Landkreis Calw, Reinhold Rau, erinnert sich noch an vielfältige Konflikte. Dabei kam auch der Forst von Zeit zu Zeit immer mal wieder in die Schusslinie von der einen oder anderen Interessengruppe. „Wir haben im Laufe der Jahre einen immer besseren Konsens erzielt”, meint Reinhold Rau.

Es habe jede Menge Vororttermine mit Vertretern von Landratsamt, Naturschutzwart, Vertretern von Naturschutzverbänden und Alpenverein gegeben.

So habe man beispielsweise einvernehmlich eine Aussichtshütte, die in der Nähe des angenommenen Brutplatzes der Falken war, in den Wald zurückversetzt. Die Anstrengungen einer Wanderfalken-Schutzinitiative aus Ettlingen haben zu einem großen Erfolg geführt. So hätten diese jahrelang ehrenamtlich das Geschehen auf dem Falkenstein mit dem Fernglas beobachtet. Ziel: Rechtzeitig eingreifen, wenn sich dort Menschen dem Brutgelege der Falken nähern.

Panorama erster Güte: Der Blick auf die Felsen des Falkensteins in Bad Herrenalb. Eine touristische Attraktion ersten Ranges. Foto: Sabine Zoller

Falken haben sich stark vermehrt

Der in der Region ehedem fast ausgestorbene Vogel habe sich wieder so stark vermehrt, dass es bei der Suche nach geeigneten Revieren Probleme gebe. Der Deutsche Alpenverein sei ebenfalls in Sachen Naturschutz entgegenkommend gewesen und habe der Sperrung von mancher Kletterroute zugestimmt.

Zum Schutz der Gelege von Falken habe man manchen Vorbau durch Wanderer in den Fels eingebaut, um eine Störung der Vögel zu verhindern. Im Blickpunkt war dabei auch die große Aussichtsplattform auf dem Falkenstein, wo ebenfalls Verbesserungen zum Schutz der Vögel erreicht wurden. Rau hat an den Falkenstein und die Zwölf Apostel Erinnerungen schon aus seiner Jugendzeit: „Schon vor 50 Jahren bin ich mit der Klettergilde Bad Wildbad zum Trainieren hierher gekommen.”

Steil nach oben gen blauen Himmel zeigen die Herrenalber Felsen Foto: Sabine Zoller

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