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Fichte besonders gefragt

„Wir sind tatsächlich ausverkauft“: Auch in Ettlingen und im Albtal ziehen die Holzpreise an

Die Holzpreise schießen in die Höhe, auch in Ettlingen und der Region. Profitieren auch die Waldbesitzer davon? Wir haben nachgefragt.

Fuhrbetriebe haben derzeit viel zu tun, um das begehrte Nadelstammholz aus dem Wald in die verarbeitenden Betriebe zu transportieren. Foto: Birgit Graeff-Rau

Fichtenstammholz ist gefragt wie selten zuvor. Wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln geht es derzeit aus dem Wald. „Wir sind tatsächlich ausverkauft“, sagt Martin Moosmayer, Leiter des Forstamtes im Landratsamt Karlsruhe. Zwar sei der Landkreis eher ein Laubholz- und kein ausgesprochenes Nadelholzgebiet, was aber an Fichtenstammholz eingeschlagen wurde, ist verkauft.

„Die Preise waren zuletzt ja im Keller, im Schnitt lag der Durchschnittspreis für Fichtenstammholz unter 60 Euro pro Festmeter“, sagt Moosmayer. Verantwortlich dafür waren die großen Schadholzmengen, die auf das Konto von Trockenheit und Borkenkäferbefall gingen. Aktuell sei man aufgrund der hohen Nachfrage bei über 80 Euro pro Festmeter angekommen, Tendenz steigend.

„Hierzulande wird Holz im Hausbau immer beliebter, die Wirtschaft in China boomt, in den USA ziehen die Konjunkturprogramme an, die Nachfrage dort kann wegen Zollstreitigkeiten mit Kanada nicht ausreichend bedient werden“, erläutert Moosmayer. Daher ist Holz aus Europa heiß begehrt.

„Die großen Preissteigerungen, unter denen derzeit Zimmerleute und Dachdecker zu leiden haben, gibt es allerdings nicht beim Stammholz, sondern bei der bearbeiteten – sprich gesägten und gehobelten Ware“, erklärt Moosmayer.

Damit auch die hiesigen Waldbesitzer etwas von dem Kuchen abbekämen, würden derzeit keine langfristigen Verkaufsverträge für die Hauptsortimente mit Preisbindung abgeschlossen. Dies bestätigt auch sein Kollege Jörg Ziegler, Abteilungsleiter Forst und Jagd im Landratsamt Calw.

„Wir schließen Quartalsverträge ab, damit die Waldbesitzer bei steigenden Holzpreisen auch davon profitieren“, so Ziegler. Dies sei ein guter Kompromiss, um die Marktchancen zu nutzen, andererseits für eine gemeinsame Marktstabilität zu sorgen. „Wir haben einen Kundenstamm, auf den wir in harten Zeiten angewiesen sind, daher wollen wir den auch jetzt versorgen“, sagt Moosmayer.

Kleine Sägewerke gebe es kaum noch, die großen Sägewerke bedienten den Export. Einen großen Vorteil hat die derzeit hohe Nachfrage: Verkauftes Holz wird umgehend aus dem Wald abgefahren und bleibt nicht jahrelang auf dem Polter liegen.

Stadtkasse Ettlingen erwartet keine großen zusätzlichen Einnahmen

Keine zusätzlichen Einnahmen in größerer Höhe für die Stadtkasse in Ettlingen erwartet Joachim Lauinger, Leiter der Forstabteilung. „Wir habe nur einen verschwindend geringen Anteil an Nadelholz, zudem haben wir aufgrund der Schäden in den vergangenen Jahren den Hiebsatz abgesenkt“, so Lauinger.

Es gebe jedoch vereinzelt Überlegungen, dort wo bereits vorgeschädigte Fichten stünden, sie lieber noch frisch einzuschlagen und zu guten Preisen zu verkaufen, als abzuwarten bis der Borkenkäfer zuschlägt und man sie mit Abschlag auf den Markt bringen müsse.

„Es sind hier in Ettlingen aber keine großen Mengen an Fichtenstammholz zu erwarten“, so Lauinger. Ähnlich sieht es auch im benachbarten Wald in Malsch aus, wie David Wipfler von der Forstverwaltung bestätigt.

„Wir haben noch ordentlich an den Auswirkungen vom Sommersturm 2019, der uns 20.000 Festmeter hingeworfen hat, zu knabbern“, informiert er. Man habe im vergangenen Winter nur abgängige Bäume eingeschlagen und so werde es wohl auch in der nächsten Einschlagsaison weiter gehen. „Im Malscher Wald spielen Fichte und Tanne ohnehin nicht die große Rolle“, so Wipfler.

Von Begehrlichkeiten der Waldbesitzer, wegen der guten Nachfrage doch mehr einzuschlagen und die klammen kommunalen Haushalte zu sanieren, ist man auch im nadelholzreichen Landkreis Calw weit entfernt.

„Wir beobachten eher das Gegenteil, die Waldbesitzer sind sich ihrer Pflicht, das Gebot der forstlichen Nachhaltigkeit einzuhalten, mehr denn je bewusst“, sagt Jörg Ziegler. Sie wollten das System Wald nicht ausbluten lassen und seien eher bereit, dafür auch zu investieren.

„Längerfristig wird das Angebot an Fichtenholz zurückgehen, da die Baumart Fichte zunehmend unter den häufiger auftretenden Hitze- und Trockenphasen im Sommer leidet“, sagt Martin Moosmayer.

Der Wald werde insgesamt wohl laubholzreicher, da müsse man überlegen, wie man technologisch an die Laubholzverarbeitung herangehe, um den Verlust an Nadelholz für die Verwendung als Bauholz auszugleichen.

„In diesem Jahr hoffen wir sehr, dass uns die Witterung in die Karten spielt, das feuchte und eher kühle Frühjahr hat dem Borkenkäfer geschadet und dem Wald genutzt“, verdeutlicht Moosmayer.

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