Skip to main content

Trotz guter Schneelage

Wie der Corona-Lockdown das Wintergeschäft von Hoteliers in Bad Herrenalb ausbremst

Wegen des Corona-Lockdowns geht Hoteliers in Bad Herrenalb geht das Wintergeschäft komplett flöten – trotz guter Schneelage. Kritik an der aktuellen Regelung kommt auch vom Bürgermeister.

Im Hotel Harzer sind momentan nur zwei Gäste untergebracht. Geschäftsreisende, wie der Hotelier sagt. Foto: Ulrich Krawutschke

„In Herrenalb droht eine aussterbende Hotellerie aufgrund einer inkompetenten Regierung“ – Hotelier Stephan Bode vom Schwarzwald Panorama nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Einschränkungen für das Gastgewerbe geht. Sein Hotel läuft in Notbesetzung, es sind kaum Gäste da, nur wenige Geschäftsreisende. Dennoch hält er seine Rezeption besetzt, „für Anfragen“. Bode hat 70 Mitarbeiter, alle in Kurzarbeit.

„Wir waren vor der Pandemie kerngesund und der Sommer 2020 lief gut, wir haben Reserven“, sagt er. Allerdings werde seine Liquidität wohl nur noch drei Monate reichen. Er hofft, dass das Geschäft Anfang April zu Ostern wieder normal laufen kann.

Hinsichtlich der versprochenen Hilfen vom Staat fühlt er sich „verarscht, missbraucht, zwangsenteignet und voller Wut“, denn von der November- oder Dezemberhilfe habe er keinen Cent gesehen. Zudem müsse er für Kurzarbeit Gelder vorstrecken. „Ich fürchte viele Insolvenzen im Gastgewerbe, manche wohl auch aus Protest“ sagt er.

Im vergangenen Jahr 105.000 Übernachtungen weniger als noch 2019

Bürgermeister Klaus Hoffmann kann dies nur bestätigen: „Der Ferientourismus leidet stark, es sind keine Tagungen, und das wirkt sich auch auf andere Gewerbe aus. Nur Berufstätige und Patienten der Kliniken sind da.“ Er hat Zahlen parat. 2019 hatte die Kurstadt 335.000 Übernachtungen, 2020 nur 230.000, obwohl es mit einem Zuwachs von 800 im Januar gut angefangen habe. Dann kam der Einbruch.

Im Juli gab es nach vorliegender Statistik ein Minus von 5.000 Übernachtungen, August und September waren es 2.000 und 1.000 weniger, im Oktober sogar 6.000. „Viele werden, wie ich höre, Schulden anhäufen oder kommen mit den Raten für ihr Eigentum nicht zurecht.“ Die Hotellerie habe sich viele Gedanken zur Corona-Hygiene gemacht und Konzepte entwickelt, „deshalb finde ich die momentane Regelung nicht mehr logisch“.

Hotels und Ferienwohnungen warten auf Staatshilfen

Barbara Wedner vom Gästehaus Villa Lina bestätigt: „Ich habe Darlehen ausgesetzt.“ Auch sie trägt für ihre sieben Mitarbeiter und fünf Azubis, die nicht in Kurzarbeit sind, „die vollen Kosten“. Sie hofft auf eine Abschlagszahlung der Novemberhilfe Mitte Januar. Im Gästehaus sind derzeit nur „sehr wenige Geschäftsreisende“. Weihnachten dagegen sei gut gewesen. Hoffnung mache ihr, dass der Kalender für den Sommer gut gefüllt sei, „vieles war von 2020 verschoben, manche gehen sogar schon auf 2022“.

Nur wenige Gäste suchen derzeit im Schwarzwald Panorama Unterkunft in den rund 90 Zimmern und Suiten pro Tag. Foto: Ulrich Krawutschke

Günther Kirchenbauer von ROKI Ferienwohnungen hat ebenfalls ein recht gutes Weihnachtsgeschäft gehabt, „jetzt aber geht es gegen Null“. Er habe sogar schon eine Ferienwohnung auf Dauer fest vermietet. Finanziell müssen er und seine Frau, die stärker als er leide, sich zwar „einschränken, aber wir sind Rentner und kommen über die Runden. Das Zubrot fehlt halt“.

Auch bei Ulrike Malewska, die im Adrion zu 80 Prozent Monteure beherbergt, sind Hilfen bisher nicht angekommen, „es sind nur Versprechungen, die Zeit ist einfach miserabel“. Auf etwas Besserung hofft sie kommende Woche, weil eine große Firma Mitarbeiter angekündigt habe.

Wie es weiter geht, weiß sie nicht, zumal sie bei einem Projekt in Völkersbach vom Landratsamt Karlsruhe bei der Bauabnahme torpediert werde und es kein Einlenken bei der Miete gebe. Derzeit habe sie Mietkosten von 20.000 Euro im Monat.

Viele Mitarbeiter in Kurzarbeit

Das Parkhotel Luise ist mindestens bis Ende Januar geschlossen, so Mitarbeiterin Daniela Erede. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Geöffnet hat das Hotel Harzer, aber Chef Sergey Kharkov berichtet von gerade zwei Gästen. Er wolle nicht zumachen, könne aber die hohen Kosten auf Dauer nicht verkraften.

Teile der Novemberhilfe habe er bekommen. So auch das Hotel Kühler Brunnen, wo derzeit nur ein Gast nächtige, viele hätten abgesagt. „Schwer durchzukommen“, so die Betreiberin.

nach oben Zurück zum Seitenanfang