Skip to main content

Ungewisse Zukunft

Baustellen und Corona: Traditionslokal „Markgrafenkeller” in Ettlingen leidet gleich doppelt

Muss das Ettlinger Traditionslokal „Markgrafenkeller” in der Altstadt schließen? Die Pächter fühlen sich doppelt gebeutelt: Das Haus ist von Baustellen umgeben und das erschwert den Neustart nach Corona zusätzlich.

Großbaustelle nebenan: Die Wirtsleute Reinhart haben es mit dem „Markgrafenkeller” schwer. Foto: Schulte-Walter

Hans-Joachim Reinhart steht seit vier Jahrzehnten am Herd. Seit 22 Jahren ist er selbstständiger Unternehmer, betreibt zusammen mit seiner Frau Silvia den „Markgrafenkeller“ in der Ettlinger Altstadt, am Kirchenplatz 4 - eine Institution.

Wenngleich ihm die Arbeit auch mit 60 Jahren noch Freude macht, und Aufhören bislang keine Option ist, sagt er: „Ich weiß nicht, ob ich die Situation hier finanziell noch lange durchhalten kann.“ Die Situation, damit meint der Koch die Corona-Krise einerseits und die Baustellen rund um sein Haus andererseits. Beide zusammen haben ihn schwer gebeutelt.

Den Corona-Lockdown mussten zwar alle Gastronomen verkraften, doch in den meisten Lokalen sind jetzt zunehmend mehr Tische belegt. Ein Nachholeffekt, hat eingesetzt. Nicht so bei den Reinharts: „Abends geht gar nichts und mittags ist es auch nicht einfach“, erzählen sie den BNN. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft ist seit Herbst 2019 die Kirche St. Martin Großbaustelle und wird es noch einige Zeit bleiben.

Wenige Schritte in die andere Richtung wird seit vielen Monaten das Gebäude „Ratsstuben“ von der Stadt saniert. Dort steht ein großer Bauzaun, der Durchgang ist eher schmal. „Wenn am Dach der Kirche geklopft und gehämmert wird, setzt sich doch keiner mittags auf unsere Terrasse und isst etwas“, klagt Silvia Reinhart. Abends sei man beeinträchtigt, weil der Albtäler eine Art Pfeifen der Gerüste an St. Martin verursache.

Abends geht gar nichts und mittags ist es auch schwierig.
Hans-Joachim Reinhart, Gastronom

Das Eiscafé Pierod gegenüber müsse den Lärm zwar auch ertragen, „dort bleiben die Gäste draußen aber nur kurz sitzen“. Schwierig sei für den „Markgrafenkeller“ zudem, dass das Café früher schließe als in der Zeit vor Corona. „Da hat dann kaum mehr jemand den Lauf in unsere eher dunkle Ecke.“

Auch das Geschäft mit Familienfeiern läuft nicht

Reinhart hat 50 Plätze in seinem Keller und etwa 60 draußen – gemäß Corona-Verordnung derzeit weniger. Seine Küche ist gut-bürgerlich mit regionalem Charakter. Neben Ehefrau Silvia arbeiten zwei weitere Servicekräfte bei Hans-Joachim Reinhart im Restaurant. Zudem bildet er einen Koch aus. Gerne gebucht wird das traditionsreiche Lokal für Familienfeiern, Kommunionen, Konfirmationen. Aber auch dieses Geschäft ist weggebrochen.

Nicht weit entfernt vom "Markgrafenkeller”: Die nächste Baustelle bei den „Ratsstuben”.„ Foto: Schulte-Walter

Während des Lockdowns nahm der Gastronom Soforthilfe des Landes in Anspruch, wandte sich zudem mit anderen Gewerbetreibenden im Bereich Weißenburger Hof an Stadt und Stadtbau.

Letzt genannte vermietet das Objekt am Kirchenplatz. Angeboten wurde, so Stadtbaugeschäftsführer Steffen Neumeister auf Nachfrage, eine Mietstundung bis in den Juni hinein. Für eine Reduzierung der Miete über einen längeren Zeitraum hinweg müssten Zahlen zur wirtschaftlichen Lage geliefert werden. „Da behandeln wir unsere Gewerbemieter gleich.“

Hilferuf an Landtagsabgeordnete Saebel

Reinhart, sagt, er habe „schlaflose Nächte“, weil der Betrieb nur noch schwer funktioniere. Inzwischen hat er sich an die Landtagsabgeordnete Barbara Saebel gewandt. Die hörte sich jüngst auch im „Schwitzer‘s“ Waldbronn“ die Sorgen der Branche an.

Sie verwies zum einen auf weitere Hilfen des Landes, zum anderen wandte sie sich mit einem Schreiben an OB Johannes Arnold. Darin bat sie um eine über die Stundung hinaus gehende Regelung bei der Miete, ferner darum, den Bauzaun an den „Ratsstuben“ zu reduzieren sowie den Kirchenplatz ansprechender zu gestalten. Dann würden Gäste, die wegen der akustischen wie optischen Situation abgewandert seien, auch zurückkehren.

„Ich befürchte schlicht, dass es im schlimmsten Fall im Markgrafenkeller auf Jahre hinaus einen Leerstand geben wird, wenn man hier keine gangbare Lösung findet“, so die Grünen-Politikerin.

Wir behandeln unsere Gewerbemieter gleich.
Steffen Neumeister,Stadtbau-Geschäftsführer

Arnold schrieb zurück, er werde „die geschilderte Baustellensituation durch sein Fachamt prüfen lassen. Zudem legte er die verschiedenen kommunalen Hilfsangebote fürs Gewerbe während der Corona-Krise dar.Tenor: Die Stadt sei hier nicht untätig geblieben.

nach oben Zurück zum Seitenanfang